Die Zahl der Duftstoffallergiker reicht. Duftstofffreie Zonen in öffentlichen Gebäuden ähnlich dem Rauchverbot, wäre ihr Wunsch. Doch stattdessen scheint der Trend immer mehr um sich zu greifen, denn nun versuchen auch Kirchen damit junge Leute zu locken.

Um die Waschmittel- und Hygieneabteilung der Supermärkte macht die 54-jährige Irmtraud Schmidt (Name von der Redaktion geändert) einen großen Bogen. Den stechenden Geruch aus den Verpackungen kann sie nicht riechen und von Mitmenschen wird sie oft belächelt. Die 18-jährige Anna bekommt Asthmaanfälle, wenn sie Parfüms und ätherische Öle oder Weihrauch riecht und der 20-jährige Niklas verlässt fluchtartig das Kino, weil ihm unbekannte Düfte die Kehle zuschnüren.

Nicht nur durch die alltäglichen Düfte in Hygieneartikeln lauert für diese Gruppe Gefahr, auch viele öffentliche Gebäude werden zusätzlich künstlich beduftet, um Kunden zum Kauf zu animieren oder um Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Macht es Duftstoffallergikern schon große Probleme, sich in öffentlichen Gebäuden aufzuhalten, scheinen nun auch die Kirchen nachzuziehen und hoffen auf die künstliche Beduftung, um junge Menschen zu locken.

"Weihrauchduft 2.0"

Ein Duft, der eigens für die Beduftung von Kirchen entwickelt worden ist, heißt "Weihrauchduft 2.0". Für eine Lichter-, Laser- und Musikshow im Kölner Dom ist der aus über 50 Komponenten bestehende Duft - darunter auch Weihrauch und Myrrhe - kreiert worden, "um junge Leute auf sinnliche Weise mit dem christlichen Glauben in Verbindung zu bringen". Anscheinend war man der Meinung, Kirchen riechen alt, verstaubt und muffelig.

Meditativ, entspannt, jugendlich und modern hingegen soll nun die Botschaft hinter dem Duft in den Kirchen sein. Nicht in den Kirchen im Landkreis Forchheim.

"Auf Diözesanebene ist zumindest nichts geplant", weiß Domkapitular Peter Wünsche. Allerdings würde die Entscheidung darüber vom Ortspfarrer getroffen werden. "Ich kenne aber keinen einzigen Fall in unserem Erzbistum, in dem eine künstliche ,Beduftung' geplant ist. Sie wäre allerdings auch nicht melde- oder erlaubnispflichtig."

Die Bedenken der Duftstoffallergiker teilt er. "Wegen Unverträglichkeiten und Allergien würde ich dringend davon abraten", betont der BAmberger Domkapitular.

Weil es mit der Beduftung in öffentlichen Räumen reicht und viele Menschen bereits auf die oft allergieauslösenden Wirkstoffen in Parfüms, Weichspülern und Deos reagieren, wurde auch Thorsten Glauber schon darauf angesprochen. Er hat sich umgehend mit dem Thema befasst und ist auf parlamentarischer Ebene auch aktiv geworden.

Darüber hinaus hat der Landtagsabgeordnete einen Berichtsantrag aufgesetzt, der die internen Arbeitskreise der FW-Landtagsfraktion erfolgreich durchlaufen hat.

Die Freien Wähler haben im Landtag schon ein Antrag zu dem Thema gestellt, der zu Glaubers Bedauern abgelehnt wurde. Die damaligen Kritikpunkte wurden deshalb in dem neuen Antrag aufgenommen.

Duftstoffallergiker hoffen auf eine positive Entscheidung ähnlich dem Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Auch der Allergie- und Asthmabund ist nach dieser Meldung aktiv geworden und hat die Bistümer angeschrieben, die bereits auf eine Kirchenbeduftung setzen.

Letztendlich gibt es auch laut dem Domkapitular Wünsche genug Möglichkeiten, für eine gute Atmosphäre und für Frische zu sorgen. "Man kann mit natürlichen Mitteln viel gegen die manchmal bemängelte ,Muffigkeit' und für eine gute Atmosphäre in einer Kirche tun", sagt Wünsche.

Frische Luft hilft auch

Dazu gehöre zunächst einmal das regelmäßige Lüften, was in Kirchen jedoch nicht so einfach sei, da sich die Fenster nicht öffnen lassen. Domkapitular Wünsche hat aber noch mehr Tipps: "Dazu gehört der Einsatz von frischen Blumen und der regelmäßige Wechsel des Blumenwassers, dazu gehört der mäßige, aber regelmäßige Einsatz von gutem, naturreinem Weihrauch, dessen Duft auch auf das Inventar übergeht und auch nach dem Gottesdienst anhält, und dazu gehört der Einsatz von Kerzen, die wenigstens zum Teil aus echtem Bienenwachs bestehen."

Kein reines Bienenwachs

Reines Bienenwachs schmelze schon ohne Flamme bei hohen Raumtemperaturen im Sommer und sei zudem kostspielig. "In gut gepflegten alten Kirchen mischt sich der leichte Duft der alten Hölzer dazu, so dass ein sehr angenehmes Raumklima entstehen kann. Künstliche Duftstoffe sind da gar nicht nötig", findet der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbistum.