Julia Heimberger Beim Bockbieranstich einer Brauerei in Forchheim im November hatte ein volltrunkener 39-jähriger Mann einen Rettungssanitäter am Finger verletzt. Für diese vorsätzliche Körperverletzung verurteilte ihn Richterin Silke Schneider vom Amtsgericht Forchheim zu vier Monaten Haft ohne Bewährung.

Gäste angepöbelt

Nachdem mehrere Zeugen gehört wurden, darunter auch ein Polizeibeamter und die Tochter des Opfers, war die Sachlage relativ eindeutig. Der stark alkoholisierte Angeklagte hatte bereits während des ganzen Abends andere Gäste angepöbelt und absichtlich angerempelt.

Während er auf der Toilette war, wurde ein Arbeitskollege von ihm durch einen Faustschlag von einem Unbekannten getroffen und ging zu Boden. Das spätere Opfer, ein pensionierter 65-jähriger Rettungssanitäter, wollte sich daraufhin um den aus einer Kopfwunde blutenden Kollegen kümmern.

In seinem Alkoholrausch griff der Angeklagte jedoch den Ersthelfer körperlich an und verdrehte ihm dabei so stark den Finger, dass die Kapsel riss. Aufgrund seines ausfallenden Verhaltens wurde er vorsorglich von der Polizei in Gewahrsam genommen. Die 41-jährige Tochter des Opfers war an dem Abend noch fast nüchtern und konnte den Angreifer eindeutig identifizieren.

Der an dem Abend verletzte Arbeitskollege des Angeklagten versuchte, vor Gericht für seinen Kollegen auszusagen und nahm diesen in Schutz: "Er hat gedacht, das wäre mein Angreifer und wollte mich nur beschützen." Doch Richterin Silke Schneider bohrte nach: "Sie können doch gar nicht wissen, was er in dem Moment gedacht hat? Sie benutzen ja sogar die gleiche Formulierung wie er, haben Sie darüber geredet?" Daraufhin zog es der Zeuge vor, seine Aussage zu beenden.

Die Staatsanwältin plädierte aufgrund von 16 Vorstrafen und aktuell noch laufenden Bewährungsstrafen für eine fünfmonatige Haftstrafe ohne Bewährung. Einen besonderen Augenmerk legte sie auf die Tatsache, dass ein Ersthelfer angegriffen und verletzt wurde.

Auf dem Weg des Alkoholentzugs

Richterin Silke Schneider verhängte - auch aufgrund des hohen Alkoholkonsums mit mindestens zwei Promille Blutalkohol - eine viermonatige Haft ohne Bewährung. Zwar sei der Angeklagt aktuell auf dem Weg des Alkoholentzuges, "aber bisher waren Sie nur bei Gesprächen und sind noch nicht auf Langzeittherapie. Wenn Sie das direkt im Anschluss gemacht hätten, könnten Sie schon dabei sein. Daher ist mir das etwas zu wenig", so Scheider. Der Angeklagte entschuldigte sich zwar für seine Tat, doch wirklich reumütig klang diese nicht.