Klaus Stangl, Abteilungsleiter für Natura 2000 am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bamberg, überreichte am Donnerstag im Kasendorfer Rathaus den Managementplan für das "Natura-2000-Gebiet" "Albtraufhänge zwischen Görau und Thurnau".
Der Maßnahmenkatalog ist damit offiziell übergeben und rechtskräftig. In Empfang nahmen ihn Vertreter der Naturschutzbehörden in Bayreuth, Kulmbach und Lichtenfels, Vertreter der AELFs Kulmbach und Coburg sowie der Erste Bürgermeister von Thurnau Martin Bernreuther, Erster Bürgermeister von Weismain Udo Dauer, und Klaus Amschler, Zweiter Bürgermeister von Kasendorf (alle CSU). Letzterer sagte: "Wir beurteilen das positiv, denn es handelt sich um einen schützenswerten Lebensraum."


Wald und Offenland

Das FFH-Gebiet "Albtraufhänge zwischen Görau und Thurnau" spannt sich über die Gemeinden Kasendorf und Thurnau im Kulmbacher Land, bis nach Weismain im Lichtenfelser Land. Die Gesamtfläche beträgt knapp 304 Hektar und besteht jeweils zur Hälfte aus Wald und Offenland.
Der nördlichste und größte Teil der Hochfläche, der Görauer Anger, ist geprägt von artenreichen Wiesen und Kalkmagerrasen. "Das ist das Schmetterlingsbiotop schlechthin", so Stangl. Seltene Arten wie das Rotbraune Wiesenvögelchen oder der Kleine Esparsetten-Bläuling tummeln sich dort. Die Waldgebiete unter den Felsköpfen, die sogenannten Abtraufhänge, bestehen hauptsächlich aus Laub- und Mischwäldern, durchsetzt mit Wacholderheide und Magerrasen. Zwei weitere Kleingebiete liegen nahe der Autobahn  70 bei Menchau und Leesau.
Das gesamte Gebiet "Albtraufhänge zwischen Görau und Thurnau" bietet Lebensraum für insgesamt mehr als 110 geschützte oder stark gefährdete Arten, darunter Pflanzen wie Küchenschelle oder Türkenbundlilie oder Vögel wie Wepenbussard und Baumpieper.
"Natura 2000" ist ein europaweites ökologisches Netz aus Schutzgebieten. Im Landkreis Kulmbach gibt es derzeit neun "Natura-2000"-Gebiete, darunter "Schwalbenstein" bei Schirradorf, "Mainaue und Muschelkalkhänge" zwischen Kauerndorf und Trebgast, das "Lindauer Moor" oder das "Steinachtal mit Naturwaldreservat Kühberg".
Stangl zufolge ist das Hauptanliegen von "Natura 2000", die Sicherung des günstigen Erhaltungszustands der Gebiete. In den Managementplänen werden Maßnahmen dargestellt, die notwendig sind, um die Lebensräume zu erhalten. Für die Grundstücksbesitzer im Gebiet "Albtraufhänge zwischen Görau und Thurnau" ändert sich generell nichts. Wälder, Wiesen und Äcker werden bewirtschaftet wie bisher. Wer auf seinem Grundstück ein Schutzgut hat wie Laubwald, artenreich Wiese oder einen markanten Felskopf, unterliegt dem gesetzlichen Verschlechterungsverbot. Das heißt, er darf den Charakter der Schutzgüter nicht verändern.


Fördergelder

Größere Maßnahmen wie beispielsweise Kahlschlag und Aufforstung sind im Voraus mit den zuständigen Behörden abzusprechen. Ackerumbruch auf Wiesen fiele ebenfalls in Verschlechterungsverbot. Grundstücksbesitzer können Fördergelder beantragen, beispielsweise für späte Mahd oder den Verzicht auf Düngung auf den Wiesen, oder im Wald für Totholz und Biotopbäume.


Regelmäßige Mahd

Das Offenland soll durch regelmäßige Mahd und Schafbeweidung erhalten werden, sowie durch örtliche Entbuschungsaktionen. Vor allem am Görauer Anger wollen Behörden und Kommunen durch Besucherlenkung eine Verminderung an Trittschäden in besonders sensiblen Lebensräumen erreichen.
Der Managementplan liegt ab sofort in den betreffenden Rathäusern, Landratsämtern und an den AELFs in Kulmbach und Coburg zur Einsicht für die Öffentlichkeit aus. Die betreffenden Behörden stehen für Fragen und Auskünfte zur Verfügung.