Als ich diese Woche bei einem Termin war, meinte ein Herr: "Hätten Sie was G'scheits gelernt, müssten Sie nicht hier sein." Aha. Das veranlasste mich, über Berufe, Berufungen und Berufswünsche nachzudenken. Für meinen Vater und seine Kumpels war es das Größte, einen handwerklichen Beruf erlernen zu können.
Ich erinnere mich, dass meine Oma erzählte, dass sie meinem Vater geraten hatte, den Beruf des Fliesenlegers zu erlernen, denn nach dem Krieg gab es viele Wohnungen und Häuser, die neue Bäder bekamen. Mein Vater - der beste der Welt - war sein Leben lang stolz auf seinen Beruf gewesen. Am liebsten flieste er Böden diagonal.
Und für mich und meine Geschwister war es praktisch, einen solch handwerklich begabten Vater zu haben. In meiner Schulzeit dagegen waren die Berufswünsche anders. Wir mussten in der Grundschule unsere Berufswünsche malen. Da hingen dann Bilder von Stewardessen, Lokomotivführern oder Tierärzten an der Wand. Wir wollten hinaus in die Welt, helfen und viel erleben. Während des Studiums wollten wir die Welt verändern. Gut, dann schlug das reale Leben zu.
Als ich mit meiner Freundin mal wieder im Garten "unseres" Cafés saß, hörten wir drei junge Damen am Nebentisch laut diskutieren - während sie nebenher auch noch in ihre Smartphones tippten. Das eine Mädchen plant eine Karriere als "Supermodel", während die andere Modebloggerin werden will. Die Dritte war unsicher, welche Karriere sie verfolgen möchte. Sie wusste nur, dass es "etwas mit Medien" sein sollte. Zum Glück hatte ich kurz vorher über zwei Einser-Abiturienten berichtet, die sich sozial engagieren und Naturwissenschaften studieren wollen.
Allen, die beruflich nach den Sternen greifen wollen, wünsche ich an dieser Stelle, dass sie es schaffen.