Das Postelberger-Treffen in Bad Staffelstein war heuer besonders bedeutend. Der umfangreiche Nachlass der vor zwei Jahren verstorbenen Heimatfreundin Hilde Dalbert-Gundermann wurde präsentiert. Ihr Großvater war in den 30er Jahren Schuldirektor und Bürgermeister von Postelberg, heute Postoloprty, eine Ortschaft im westlichen Tschechien.
Zehn Umzugskisten mit Bildern, Tagebüchern und Zeitdokumenten landeten nach mehreren Stationen in Österreich und Bayern schließlich in Oberfranken. Postelberg sorgte durch die Ermordung Hunderter deutscher Zivilisten im Frühsommer 1945 für internationales Aufsehen.
Archivarin und Museumsleiterin Adelheid Waschka warb bei den Überlebenden und Nachkommen für Versöhnung und Vergebung. Der Nachlass gebe Aufschluss über glückliche Tage, aber er zeuge auch von schrecklichen Ereignissen im Zweiten Weltkrieg und der anschließenden Vertreibung der Bevölkerung.
Walter Mackert, der sich für die Überführung der Dokumente nach Bad Staffelstein engagierte, machte deutlich, dass man nichts ungeschehen machen, aber gegen das Vergessen etwas tun könne. "Fehler, die gemacht wurden, dürfen sich nicht wiederholen", sagte er.
Kurt Kempe (86) verband eine Jugendfreundschaft mit der Nachlassgeberin, die bis zu ihrem Tod Bestand hatte. Kempe kam am 27. Mai 1945 nach Bayern und schließlich nach Pferdsfeld, wo er bei der Familie Lieb einquartiert wurde. Er heiratete in Zapfendorf, baute ein Haus und gründet eine Familie. Heute lebt er mit seiner Frau in einem Seniorenheim in Breitengüßbach.
Er wohnte nur vier Häuser entfernt von Hilde Bockskanl, so der Mädchenname von Hilde Dalbert-Gundermann. "Ihr Vater, der bei dem Massaker erschossen wurde, hatte einen großen Obstgarten, wo wir Kinder spielen durften", erinnerte sich der Postelberger. Ein Schöpfrad in der 200 Meter entfernten Eger trieb eine Pumpe an und bewässerte den Garten.


Schon immer geschäftstüchtig

"Auf den Schaufeln des langsam drehenden Rades konnten wir mitfahren und sprangen dann ins Wasser", blickte Kempe zurück, als ob es gestern gewesen wäre. Von den anderen habe Hilde einen Groschen fürs Mitfahren verlangt. "Ja, sie war schon immer eine Macherin", schmunzelte der Jugendfreund.
Hilde Bockskanl kam mit Mutter, Großvater und Großmutter 1945 nach Österreich und ein Jahr später nach Strössendorf in Oberfranken. Sie arbeitete als Lehrerin in Staffelstein und wohnte 20 Jahre in Weißendorf bei Memmelsdorf.
Sie war zweimal verheiratet und hieß dann Dalbert-Gundermann. Ihren Lebensabend verbrachte sie in einem BRK-Seniorenheim in Bamberg, wo schließlich auch ihr Nachlass im Keller verstaut wurde.
Ihr Wunsch war es, dass die Dokumente ins Deutsche Museum nach München kommen. Dort winkte man ab, da der Nachlass nicht sortiert war.
Kurt Kempe kannte den Inhalt der zehn Kisten genau. Wenn bei seinen Besuchen Erinnerungen aufgefrischt wurden, sei er öfter in den Keller gegangen und habe Dokumente aus den Kisten geholt. Ihr zweiter Ehemann regte nach ihrem Tod an, dass der Nachlass im Stadtmuseum von Bad Staffelstein am besten aufgehoben sei.
Mit der tatkräftigen Unterstützung der Postelbergerin Ursula Schüller-Voitl, die inzwischen verstorben ist, und Walter Mackerts kamen die Kisten im Februar in Bad Staffelstein an. Museumsleiterin Waschka stellte aus den unzähligen Dokumenten und Bildern die Präsentation zusammen.
Die Ausstellung ist bis zum 23 September geöffnet: Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr, Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr, feiertags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 09573/331030.