"Ich hab es einfach nicht geschafft aufzuhören": Erst waren es ihre beiden eigenen Kinder, denen Caroline Bergmann als Schulweghelferin vor der Michelauer Kirche sicher über die viel befahrene Straße sorgte. Jetzt nach 25 Jahren ist Schluss. "Jetzt sollen auch mal die Jüngeren ran", schmunzelt die 54-Jährige.

In Michelau sind es 64 Schulweghelfer, die bei Wind und Wetter, bei Kälte und Hitze dafür sorgen, dass die Schulkinder sicher über die Straße kommen. Ihnen dankt die Gemeinde seit Jahrzehnten mit einem Essen und gemütlichem Beisammensein. "Die Gemeinde freut sich, dass der Schulweghelferdienst so gut funktioniert", sagte Bürgermeister Helmut Fischer im Schützenhaus. Auch Rektorin Alexandra Kober hob das Engagement der ehrenamtlichen Schulweghelfer für die Schulen in der Großgemeinde hervor. Bedingt durch die Sanierung der Johann-Puppert-Schule und den Ausweichstandort des Ersatzgebäudes auf dem Sportplatz habe sich ein etwas anderer Schulweg ergeben. Da Kober im nächsten Sommer in Ruhestand gehen wird, war es ihre letzte Teilnahme an einem Schulweghelferessen. "Es war eine schöne Zeit", sagt die Rektorin.

Mit ihrer kleinen Mannschaft habe die Polizei gar nicht das Potenzial, für sichere Schulwege im Landkreis zu sorgen, stellte der Leiter der Inspektion Lichtenfels Erich Günther fest. Im Landkreis Lichtenfels gab es im letzten Jahr zwei Schulwegunfälle. Im Januar sei ein siebenjähriger Bub 70 Meter vor einen gesicherten Überweg durch die Autos am Straßenrand über die Fahrbahn gelaufen und zog sich dabei erhebliche Verletzungen zu. Im Oktober wurde ein Kind in Lichtenfels auf dem Weg von der Schule nach Hause leicht verletzt.

32 800 Stunden im Einsatz

Beeindruckende Zahlen vom ehrenamtlichen Schulweghelferdienst steuerte der Leiter der Kreisverkehrswacht, Alfons Hrubesch, bei. An 200 Schultagen haben 17 Gruppen 32 800 Stunden geleistet. Wenn man pro geleisteter Stunde nur zehn Euro ansetzen würde, käme man auf einen Betrag von über 300 000 Euro.

Hrubesch freute sich, dass der Landkreis kein Problem mit dem Gewinnen von Ehrenamtlichen hat. "Diese Gemeinschaft hat man in der Großstadt nicht, sondern nur auf dem Dorf", sagte er. Hrubesch konnte sich noch gut an seine Anfangsjahre bei der Polizei erinnern, mit schweren Schulwegunfällen und manch tödlichen Ausgang. Heute seien die Schulwege sicherer geworden, weil nicht nur Schulweghelfer zum Einsatz kommen, sondern auch Leuchttrapeze am Beginn eines Schuljahres verteilt werden, mit denen die Kinder bei Dunkelheit früher gesehen werden. Er dankte allen Ehrenamtlichen für deren Engagement.

Seit 1991 koordiniert Liane May den Schulweghelferdienst. Sie sprich mit den Eltern und Großeltern und wirbt dabei auch um neue Kräfte.

Mit einem Blumenstrauß wurde Caroline Bergmann (25 Jahre) und Lore Pfaff (18 Jahre) verabschiedet. Die beiden Männer Mathias Trier (15 Jahre) und Jürgen Neumann (zehn Jahre) durften sich über Pralinen zum Abschied freuen.

Caroline Bergmann hat gute Erinnerungen an ihre Zeit als Schulweghelferin. Dabei hat sie nicht nur Kinder zu einem sicheren Überweg verholfen, sondern auch manchen Erwachsenen und älteren Menschen mit Rollator den Weg freigemacht. gvö