Leserbrief zu unserem Artikel "Bürgerinitiative strebt Bürgerbegehren für Einführung der Gelben Tonne an" in der Freitagsausgabe (15. Juni):

Es ist aller Ehren wert, sich Gedanken um die Umwelt, hier speziell um die Entsorgung des Mülls zu machen. Aber es sollte schon vorher der Hebel beim Handel angesetzt werden. Die unnötigen Umverpackungen der Produkte müssen verboten werden. Oder mit welcher Begründung wird zum Beispiel eine Zahnpastatube nochmals in einen Karton gesteckt? Warum sind Salatgurken oder Bio-Obst und -Gemüse in Plastik verpackt? Was ist daran noch Bio? Die Weichmacher, die dadurch in die Lebensmittel gelangen, sicherlich nicht. Auch die unzähligen Becher-To-Go, die täglich über die Theken gehen, müssen abgeschafft werden.
Zudem sollte man sich bei der Entsorgung des Mülls, hier handelt es sich ja sogar um einen besonderen Müll, nämlich um wiederverwertbare Rohstoffe, die wieder dem Kreislauf zugeführt werden, Gedanken machen. Da der Verbraucher bereits beim Einkauf für die Entsorgung gezahlt hat, muss darauf geachtet werden, dass die Gebühren nicht erhöht werden. Ist trotz einer geplanten Einführung der gelben Tonne auch der Betrieb von Wertstoffhöfen notwendig? Wenn ja, wie viele müssen dann im Landkreis betrieben werden?
Durch das Bürgerbegehren macht man sich nur um eine Sorte der Abfälle Gedanken. Es sollte viel besser einmal das gesamte System überprüft werden. Wie im Artikel geschrieben, mit einem externen, neutralen Gutachter. Dabei darf es dann auch keine Tabus geben. Das Duale System Deutschland (DSD) ist durch die Industrie finanziert. DSD macht mit der Entsorgung der Wertstoffe satte Gewinne. Denn hier herrscht quasi eine Monopolstellung. Diese wird durch die gelbe Tonne noch unterstützt. Hier sollte man einmal über den Tellerrand schauen und die Scheuklappen ablegen.
Denn es gibt noch andere Möglichkeiten. Der Abfallwissenschaftler Klaus Wiemer von der Universität Kassel favorisiert das Projekt "Nasse versus trockene Tonne". Hier wird der trockene Müll sortiert und wiederverwertet und der nasse wird zur Energiegewinnung verwendet. So ist wie bisher auch der Bürger gefordert, seinen Müll in eine der beiden Tonnen zu geben. Das Wertstoffhofsystem beweist schließlich, dass die Bevölkerung zur Mülltrennung in der Lage ist. Außerdem muss zu den vorhandenen Tonnen nicht eine weitere hinzukommen.
Auch das Projekt "Gelb in Grau" ist eine interessante Alternative. Max Monzel, Geschäftsführer des kommunalen Abfallentsorgers ART Trier, betreibt hier seit April 2009 eine Versuchsanlage, die Wertstoffe aus dem Hausmüll fischen kann, ohne dass die Bürger diesen vorher sortiert haben. In einem Modellversuch wurden der Restmüll und der Inhalt der gelben Säcke wieder vermischt, um den Müll durch eine Versuchsanlage wieder trennen zu lassen. Bereits 2004 konnte bei einem kleineren Versuch gezeigt werden, dass die Müllsortierung technisch möglich ist. Hier konnte sogar eine Reduzierung der Müllgebühren nachgewiesen werden. Bei vielen Delegationen aus dem Ausland stieß der Versuch auf reges Interesse. Es scheint so, dass Entwicklungen aus Deutschland erst einen Erfolg im eigenen Land haben, wenn sie sich im Ausland etabliert haben.
Wir sollten nicht Europameister in der Erzeugung von Plastikmüll sein, sondern vielmehr in der Vermeidung von Plastikmüll. Und wenn das schon nicht möglich ist, dann sollte Deutschland auf jeden Fall in der automatischen Sortierung und der Reduzierung der Anzahl der Mülltonnen eine Vorreiterrolle einnehmen. Ich wünsche mir, dass sich bei der Müllentsorgung ein für den Bürger bezahlbares und durchführbares System durchsetzt, auch gegen die Interessen der Industrie beziehungsweise des DSD.

Jürgen Werner
Zeil