Mit Gesprächen kennt sich Rhetoriktrainer Michael Ehlers aus. Den Ansprechpartner empfängt der 46-Jährige in seinem Büro mit Blick über die Kettenbrücke. Notizblock, Buch, Kugelschreiber: Alle tragen den Namen seines Instituts. Eine Urkunde, die ihn als Gewinner eines Beraterpreises ausweist, hängt nicht, aber lehnt an der Wand - exakt in der Blickachse des Gegenübers. Und auch beim Interview achtet Ehlers auf Kleinigkeiten, entrutscht ihm kein einziges "Ähm". Das Thema: seine Präsidentschaft im namhaften Club 55, einer Vereinigung von Marketing-Spezialisten.

Herr Ehlers, was hat es mit dem Club 55 auf sich?
Michael Ehlers: Die European Community of Marketing and Sales wurde vor 60 Jahren gegründet und hat ihren Sitz in Genf. Zwei der Gründer waren der Belgier Jan Waage und der Schwede Jens Goldmann. Das waren auch die ersten großen Marketingtrainer. Vor 60 Jahren waren diese beiden Disziplinen überhaupt noch nicht wissenschaftlich. Die beiden waren verrückte Pioniere, die den Unternehmern beigebracht haben, wie man Produkte vernünftig vermarktet und wie man sie verkauft. Und diese beiden hatten die Idee: Wie schaffen wir es, die Besten der Besten zusammenzubringen? Und so haben sie den Club 55 gegründet.

Wie wird man Mitglied?
Der Club lässt maximal 55 Mitglieder zu und der Zugang ist extrem schwierig. Wir kriegen zwar immer wieder Bewerbungen, aber die bekommen nett formulierte Ablehnungen, dass das keinen Sinn macht. Einladungen bekommen nur herausragende Größen im Marketingbereich. Und dann folgt der schwierigste Vortrag des Lebens. Da kommt man auf die Bühne und muss sich vorstellen. In meinem Regal stehen jede Menge Bücher - und die Autoren dieser Standardwerke hocken auf einmal da unten und bewerten dich. Nur wenige bestehen bei diesem Publikum.

Mit Klaus Stieringer und Ihnen sind schon zwei Bamberger dabei. Böse Zungen würden sagen: So groß kann die Internationalität des Clubs nicht sein, wenn schon zwei aus Bamberg dabei sind...

Wir haben im nächsten Jahr sogar den nächsten Gast aus Bamberg. Das kann auch für diese Stadt sprechen: Dass sie herausragende Köpfe hervorbringt. Natürlich habe ich Klaus Stieringer selbst vorgeschlagen. Aber auf der Bühne sind wir alle alleine.

Bei Marketing-Spezialisten liegt es ja nahe, dass sie vor allem sich selbst vermarkten? Ist der Club 55 wirklich so exklusiv, oder gibt es vergleichbare Vereinigungen?
Es gibt natürlich Vereinigungen wie die German Speakers Association oder den Berufsverband für Training, Beratung und Coaching. Nur ist der Zugang zu diesen Klubs ganz anders, dort zahlt man einen Beitrag und wird Mitglied. Diese regressive Art mit Neumitgliedern umzugehen, diese bewusste Auswahl, sie machen den Club so speziell.

Welche Mitglieder kennt man in der Öffentlichkeit?

Hans-Uwe Köhler ist sicher einer der ganz berühmten Trainer, Gregor Staub ist ein bekannter Gedächtnistrainer. Die ganze Liste ist exzellent. Den Club umgibt ein gewisser Mythos, denn es gibt sehr namhafte Persönlichkeiten, die es eben nicht hinein geschafft haben. Sehen Sie mir nach, dass ich da keine Namen nenne werde. Und ich habe noch niemanden getroffen, dem nicht das Herz bis zum Hals gewummert hat, wenn er auf der Bühne stand. Ich weiß bis heute nicht, was ich in den ersten 15 Minuten meines Bewerbungsvortrages geredet habe. Das ist schon eine herausfordernde Bühne. Manche bestehen auch menschlich nicht. Wenn man jedes Jahr fünf Tage lang verpflichtend aufeinander hockt, muss es einfach auch zwischenmenschlich passen.

Gibt es auch ethische Grundsätze?
Es gibt die Ethik- und Qualitätscharta. Dazu gehört, dass wir Aufträge ablehnen, die wir ethisch nicht vertreten können. Also bei mir wäre die Grenze sicherlich, wenn eine rechtsradikale Partei anfragt und möchte, dass ich ihre Parteiführer rhetorisch schule, und das würde bei mir bei der AfD anfangen. Da würde ich klipp und klar sagen: auf keinen Fall. Wichtig ist auch der kollegiale Umgang. Wir haben immer wieder Gäste mit sehr bekannten Namen. Zu uns kann man hingehen, ohne dass man von zehn Topverkäufern angebaggert wird. Da fliegen keine Visitenkarten rum. Alles das ist bei uns strengstens verboten und hat bei wiederholten Verstößen den Ausschluss zur Folge. Diskretion bei Kundendaten hat hohen Stellenwert.

Wie wird man Präsident im Club 55?
Ich bin als Typ ein Klartexter. Aber ich habe mich einfach auch über Jahre engagiert. Vor vier Jahren wurde ich Vize. Als es dann beim Vorsitzenden zur Nachfolgerfrage gekommen ist, war ich selbst sehr erstaunt, als ich vorgeschlagen wurde. Aber ich habe zugesagt. Ich habe dem Club wahnsinnig viel zu verdanken. Ohne die Tipps der Kollegen hätte ich kein Buch geschrieben, so sind es schon sechs geworden.

Das Gespräch führte
Sebastian Schanz.