In Wolfsdorf sah es lange Zeit so aus, als würde eine christliche Tradition in diesem Jahr zum Leidwesen der Dorfbewohner ausfallen. Denn bis auf den Buben Solomon Yeabsira war kein Kind oder Jugendlicher in Wolfsdorf bereit, im Dienst der guten Sache als Sternsinger den Segen Gottes in die Häuser zu tragen. Waren im Jahr 2017 sogar zwei Gruppen in Ort unterwegs, so stellte sich heuer die Situation komplett anders dar.

Dem Engagement von Susi Schwarz - die sich einige Zeit um die Wolfsdorfer Dreikönige gekümmert hatte - ist es zu verdanken, dass auch heuer wieder die "Drei Weisen aus dem Morgenland" im Dorf unterwegs waren. Mit dem zehnjährigen Solomon sprangen die doppelt so alten Marina Lohneis und Nele Schwarz "in die Bresche". Nach dem Aussegnungsgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Kilian am Sonntagmorgen machten sie sich auf den Weg durch das Dorf. Als Leiter und Schreiber unterstützte dabei Lena Schwarz die Gruppe.

Eine Neuerung gab es dabei: Wer einen Besuch der Sternsinger in Wolfsdorf wünschte, konnte sich bei Susi Schwarz anmelden. Dadurch wollte man der Gruppe unnötigen Weg ersparen. Trotzdem hatten die drei Könige ein straffes Programm vor sich. 65 Anwesen durften sie besuchen, 65-mal das Sternsinger-Gedicht aufsagen und ebenso oft das Sternsingerlied singen.

Nele und Marina hatten als "Altgediente" einen Vorteil. Lied und Spruch konnten sie aus dem Effeff. Solomon hatte ebenfalls einen Vorteil: Aufgrund seiner Hautfarbe blieb ihm ein lästiges Schminken erspart.

Erste Station der Dreikönige war der Aufenthaltsraum der Pension Weiß in der Krausenbachstraße. Dort konnten auch einige Urlauber den Brauch der Sternsinger miterleben. Das Ehepaar May aus dem hauptsächlich evangelisch geprägten Rüsselsheim kennt die Sternsinger nur von seinen Urlauben in Oberfranken. In Hessen ist der Dreikönigstag auch kein Feiertag. Der dreiköpfigen Familie Stanke aus der Bistumsstadt Limburg hingegen ist der Brauch natürlich bekannt.

Das Motto der diesjährigen Sternsinger-Aktion lautet: "Segen bringen, Segen sein - Frieden im Libanon und weltweit!" Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 50 Millionen Euro für das Kindermissionswerk gesammelt.

Was die Sternsinger an die Türen schreiben, steht nicht etwa für Caspar, Melchior und Balthasar, sondern sind die Anfangsbuchstaben von "Christus mansionem benedicat", dem lateinischen Spruch für "Christus segne dieses Haus".

80 machten in Altenkunstadt mit

Kein Problem, ausreichend Kinder und Jugendliche zum Mitmachen zu finden, hatte man in der Pfarrei Altenkunstadt. Dort machten sich rund 80 Mädchen und Buben auf, um als Botschafter der Hoffnung und des Lichts den Segen in die Häuser zu bringen. Unterstützt wurden die Sternsinger dabei von der Familie Kerling und etwa 20 Begleitpersonen.

In der Gemeinde Michelau wurde heuer beim Spendensammeln die 4000-Euro-Marke geknackt. Bereits am frühen Morgen war die erste Station der zehn Sternsinger-Gruppen aus den Pfarreien Schwürbitz, Lettenreuth und Marktzeuln das Rathaus. Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) dankte den 40 Kindern und ihren Betreuern für diesen wertvollen Dienst und machte gleich an Ort und Stelle die ersten Scheine für den Libanon locker.

Über 4000 Euro aus Michelau

Für Helmut Fischer war es der letzte Besuch der Sternsinger in seiner Funktion als Bürgermeister. Für viele Michelauer war es vor rund 20 Jahren, als die ersten Kinder an den Haustüren läuteten und um eine Spende für die Mission baten, noch ungewohnt. Heute öffnen sich deutlich mehr Türen als früher. 4012 Euro landeten diesmal in den Spendendosen. Dank galt auch dem Katharina-von-Bora-Altenheim für die Bewirtung. Dort durften die Sternsinger im Speisesaal und auf den Stationen singen. Am Abend im Pfarrzentrum verbrachten die Kinder noch einige schöne Stunden bei Essen, Spielen und der Verteilung des Bergs an Süßigkeiten, die die Michelauer ihnen mit auf den Weg gegeben hatten. dr/sf