Hinter "Vanuatu" verbirgt sich nicht etwa das Jugendwort des Jahres, sondern eine Inselgruppe östlich von Australien. Bestehend aus 83 Inseln war sie im Oktober 2006 das Ziel eines etwa 40-köpfigen Teams, das es sich auf die Fahne geschrieben hatte, weitgehend unerforschte Gebiete des tropischen Regenwaldes im wahrsten Sinne des Wortes genauer unter die Lupe zu nehmen.

Einer dieser Forscher war Jürgen Schmidl, Biologe an der Uni Erlangen. Unter dem Titel "BarkArt oder Wo Spix nicht war" präsentierte er am Samstagabend in der Weinstube "Zum Zwetschger" in Höchstadt Fotografien mit Baumrindenkunst und erzählte zudem von der Expedition.

Eingeladen hatte der Heimat- und Verschönerungsverein. Hergestellt wurde der Kontakt über Nicola Grasse, die als Landschaftsökologin ebenfalls an der Erlanger Uni tätig ist und mit Schmidl zusammenarbeitet. Vater Reinhard Grasse brauchte nicht lange überredet zu werden, als seine Tochter und der Biologe ihm die Fotos gezeigt hatten. Auch Georg Römer, der Vorsitzende des Heimatvereins war schnell mit im Boot, die Idee für einen Vortrag war geboren. "Das ist gut, um etwas über andere Länder zu hören und zu erfahren", meinte Römer.

Von langer Hand vorbereitet

Rund 30 Interessierte saßen schließlich in gemütlicher Runde zusammen, als der 55-jährige Biologe von seiner Expedition erzählte, die unter anderem das naturhistorische Museum Paris finanzierte. Im Gegensatz zu der Reise des berühmten Höchstadters Ritter von Spix 1817 wurde dieses Projekt von langer Hand vorbereitet. Bereits zwei Jahre zuvor gab es eine Vorexpedition, die nach repräsentativen Flächen suchte, um die Voraussetzungen zu schaffen für einen reibungslosen Ablauf.

Ziel der Reise war die größte der Inseln, Espiritu Santo. Gearbeitet wurde nach einem exakten Plan, der nichts dem Zufall überließ. Auf fünf verschiedenen Höhenlagen wurden jeweils fünf Areale von 20 x 20 Metern abgesteckt und auf diverse Lebensformen hin untersucht.

"Ziel war eine umfassende Studie für Biodiversität", so Schmidl, "Die Erfassung der Artenvielfalt. Es liegt am Alter des Ökosystems", erklärt er. "Die Regenwälder sind Millionen Jahre alt. Das ist ein wahres Hochgeschwindigkeitsevolutionslabor."

Schmidl arbeitete an den Rinden der Bäume auf der Suche nach Insekten, als ihm auffiel, dass die Insel eine Besonderheit hat. "Sie hat unglaublich schöne Baumrinden." Etwas, was der Biologe mit seiner Kamera festhielt. Bewachsen mit Algen, Flechten, Moosen und Pilzen wirken die Rinden auf den Aufnahmen zum Teil wie von einem Flugzeug aus fotografierte Landschaften. Doch dies war eigentlich nur ein Nebenprodukt seiner Arbeit, die darin bestand, die Baumrinde abzukehren und das, was auf der darunter befindlichen Folie landete, auszuwerten.

"Das ist eine ganz eigene Welt", sagt er, "bei uns finden wir viele Individuen von wenigen Arten, aber im Regenwald ist das genau umgekehrt." So fanden sich auf den 25 Probeflächen letztendlich 1877 Käfer von 541 verschiedenen Arten. Wobei die Gesamtmenge an gefundenen Insekten auf jeder untersuchten Höhenlage anders war. Fanden sich auf 100 Metern Höhe wenig Käfer auf der Rinde, so war die Artendichte bei einer Höhe von 1200 Metern am größten. "Da oben ist es dauerhaft neblig. Da sind die Rinden richtig nass, da kehrst du nichts mehr runter", sagt Schmidl.

Er erklärt, dass weltweit 855 000 verschiedene Käferarten bekannt sind, es aber um die drei Millionen Arten gibt, was im Umkehrschluss heißt, dass 70 Prozent noch unentdeckt sind. "Potenziell ist da noch sehr viel für die Wissenschaft drin", so der Biologe.