von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Kreis Lichtenfels — Wer sein Geld zur Bank bringt, bekommt zur Zeit wenig oder gar keine Zinsen dafür. Die Leute suchen sich also andere Möglichkeiten der Kapitalanlage.
Ein Weg, das Geld gewinnbringend und zukunftsorientiert anzulegen, besteht darin, es in eine Immobilie zu investieren. Wer neu baut oder renoviert, findet derzeit günstige Bedingungen vor. Theo Lunkenbein von der Raiffeisen-Volksbank Bad Staffelstein: "So günstige Zinsen wie zur Zeit waren im Baubereich noch nie da."
"Im Moment besteht ein angespannter, ein sogenannter Käufermarkt", sagt der Staffelsteiner Immobilienberater Peter Schlund. Das bedeutet, dass es mehr Nachfrage gebe als Angebote vorhanden sind. "Speziell für den Gebrauchtimmobilienbereich haben wir gute Nachfragen", fährt Schlund fort.

Immobilien sind wertbeständig

Wegen der oben skizzierten Situation auf dem Finanzmarkt kommt es zu einem Phänomen, das Peter Schlund so beschreibt: "Wer nicht verkaufen muss, verkauft derzeit nicht, weil es momentan nicht günstig ist, Geld bei der Bank liegen zu haben." Immobilien sind somit in den Augen der Leute wertbeständiger als ein gefülltes Bankkonto.
Doch was tun die Menschen gegen die Misere des Kapitalmarktes? "Wir verzeichnen ein verstärktes Interesse an vermieteten Eigentumswohnungen", sagt Immobilienberater Peter Schlund. Die Preise für gebrauchte Immobilien bewegen sich seinen Angaben zufolge in Bad Staffelstein zwischen 1500 und 1800 Euro pro Quadratmeter; der Quadratmeterpreis für Neubauten rangiere bei 2800 Euro/Quadratmeter. In Ebensfeld sei das Preisniveau in beiden Kategorien etwa 200 Euro niedriger. Die vielen baulichen Vorschriften staatlicherseits treiben nach Peter Schlunds Ansicht die Preise stark nach oben.

Barrierefreiheit ist ganz wichtig

Ganz schlecht zu vermitteln seien Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, die keinen Aufzug besitzen. Die Menschen betrachten Immobilien heute anders als in früheren Jahrzehnten. Sie haben im Auge, dass sie im Alter barrierefreien Zugang zu ihrer Wohnung, ihrem Haus haben möchten.
Unter diesem Aspekt seien Bauplätze und Immobilien in Loffeld oder Stublang für ältere Menschen heute nicht mehr so attraktiv wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Die Leute möchten gerade auch im Alter alles Lebensnotwendige in fußläufiger Nähe haben: Einkaufsmärkte und Arztpraxen, Gaststätten und Freizeiteinrichtungen. Im Staffelsteiner Stadtkern und im Ebens felder Ortskern sei das einigermaßen gegeben, nicht aber in den kleinen Dörfern des Umlandes.
Die Kommunen sollten für junge Leute noch mehr Baugrundstücke zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stellen, sagt Peter Schlund. Damit könnten sie gewährleisten, dass junge Familien in der Region bleiben und nicht abwandern. Derzeit, so ergab die Recherche des FT, kostet der Quadratmeter Bauland im Staffelsteiner Stadtgebiet zwischen 130 und 150 Euro.
Die eben skizzierten Trends bestätigt der Ebensfelder Bauunternehmer Wolfgang Schubert-Raab. "Die Leute investieren in Immobilien", sagt er, wobei sie sehr stark den Bestand verbessern. Umbauten, Renovierungen und energetische Sanierungen stünden augenblicklich hoch im Kurs. Hintergrund sei dabei dieser Gedanke: "Das Geld, das ich in die eigene Immobilie investiere, verzinst sich über Energieeinsparungen relativ gut."

Kleine Betriebe sind ausgelastet

Kleine Handwerksbetriebe seien deshalb zur Zeit gut ausgelastet, sagt Schubert-Raab, der Obermeister der Bauinnung im Kreis Lichtenfels ist. Eine große Bautätigkeit, etwa auf dem Sektor Mehrfamilienhäuser, spiele sich im Landkreis Lichtenfels jedoch nicht ab. "Die Leute investieren, aber das meiste spielt sich in der Sicherung des Bestands ab", sagt er, hier sei in der Tat in letzter Zeit ein starker Aufschwung feststellbar.
"Was uns fehlt, ist der Bau von Mietwohnungen", fährt Wolfgang Schubert-Raab fort. Die Politik sei in der Pflicht, mehr zu tun. Konkret schlägt er vor, die Abschreibungskosten für Immobilien von derzeit zwei auf vier Prozent anzuheben - "dann ginge wirklich was ab im Mietwohnungsbau". Wenn die Politik jetzt Anstöße gäbe, könnte sie damit wirklich gute Impulse geben und die Situation auf dem Mietwohnungsmarkt entspannen.

Wie sieht es bei den Mieten aus?

Die Auswirkungen der von der Politik beschlossenen Mietpreisbremse werden derzeit ebenfalls stark diskutiert. Fakt ist, dass Wohnungen in einigen Regionen Deutschlands knapp und teuer sind. Es gibt aber auch Gebiete, in denen nach Angaben des Immobilienportals "Immonet" ausreichend bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist und teils sogar Wohnungen leer stehen. So betrage laut Zensus 2011 der Leerstand im Bundesdurchschnitt wie auch in Bayern 3,9 Prozent. Im Kreis Lichtenfels beispielsweise belaufe sich der Wohnungsleerstand laut Zensus 2011 auf 4,7 Prozent. Wie eine Analyse der Angebotsmieten des Immobilienportals "Immonet" verdeutlicht, liege der Landkreis Lichtenfels mit rund 4,80 Euro für den Quadratmeter im unteren Drittel aller bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte. Am meisten zahlen die Einwohner derzeit in München (rund 14 Euro), gefolgt von Starnberg (etwa zwölf Euro) und Fürstenfeldbruck (knapp zehn Euro). Am günstigsten lebt es sich mit 3,81 Euro im Landkreis Wunsiedel.
Zum Vergleich: In Bayern sanken die Mietpreise laut "Immonet" zwischen 2012 und 2013 um 0,2 Prozent auf 8,93 Euro pro Quadratmeter, in der Bundesrepublik stiegen die Angebotsmieten allerdings um knapp drei Prozent auf etwa 6,50 Euro.