Marion Krüger-Hundrup Gekonnt tupft Peter Renner mit dem Pinsel grüne Wasserfarbe auf das Spezialpapier. "Das wird ein Wald", verkündet der Mittfünfziger an der Staffelei und erzählt der Besucherin des Fränkischen Tags, was er noch malen will. Nämlich einen See mit Schwänen darauf.

Währenddessen verarbeiten Peter Renners Gefährten Frank Licht und Dennis Wolter Acrylfarben zu zauberhaften Landschaften. Es entstehen wahre Kunstwerke in diesem Atelier in der "KUFA". Der freischaffende Künstler Karlheinz Beer leitet die drei Männer behutsam an: "Ich will meine Erfahrungen weitergeben und Menschen mit Handicap fördern", sagt Beer zu seiner Aufgabe, die ihm die Lebenshilfe Bamberg e.V. als Träger der "KUFA" übertragen hat.

Peter Renner, Frank Licht und Dennis Wolter gehören zu den ersten Menschen mit Behinderung, die in den Genuss der barrierefreien Kulturfabrik "KUFA - Kultur für alle" in der Ohmstraße 3 kommen. "Unter der Leitidee ‚Inklusion durch Kultur‘ gibt es bisher nichts", betont Projektleiter Harald Rink. So sei die "KUFA" ein bundesweites Leuchtturmprojekt, das Menschen mit und ohne Behinderung die Möglichkeit biete, ihr kreatives Potenzial in den Bereichen Bildende Kunst, Theater, Tanz, Medien und Musik zu entfalten. Zusätzlich könne die freie Kulturszene die "KUFA" für Proben und Auftritte nutzen.

Früher war hier "Farben Gnatz"

Harald Rink führt durch das ehemalige Betriebsgelände von "Farben Gnatz", das für 1,4 Millionen Euro zur Kulturfabrik umgebaut wurde. Für die Kosten gab es Fördermittel von der Dr.-Robert-Pfleger-Stiftung, der Oberfrankenstiftung, der Bayerischen Landesstiftung und der Aktion Mensch. Die Bamberger Malzfabrik Weyermann sponserte die Sitztribüne, einzelne Bürger spendeten einen oder mehrere Stühle: "Wir haben 86 Spender für 99 Stühle", freut sich der Projektleiter. Ein neu gegründeter Förderverein unter Vorsitz des ehemaligen Landrats Günther Denzler soll ideenreich dabei mithelfen, die laufenden Betriebs- und Unterhaltskosten von etwa 160 000 Euro pro Jahr aufzubringen.

Im Zentrum des Gebäudeinneren lädt der Saal mit mobiler Sitztribüne für 100 Zuschauer ein. "Unbestuhlt haben wir Platz für 200 Leute", erklärt Harald Rink. Er öffnet die Tür zum "Backstage" mit Kostümen und Requisiten für Theaterstücke, zeigt aus dem Fenster auf die Freifläche draußen, die noch Sitzgelegenheiten bekommen soll. Mehrzweckräume für Workshops und Probenräume für Bands runden das Raumangebot ab.

Unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsministerin Melanie Huml sowie im Beisein von Oberbürgermeister Andreas Starke und Bürgermeister Christian Lange wird die Kulturfabrik "KUFA" am Mittwoch, 6. November, für geladene Gäste eröffnet. Am Donnerstag, 7. November, startet das Eröffnungsprogramm für jeden Interessierten. Es beginnt um 20 Uhr mit dem Kabarettisten Rainer Schmidt (Karten beim bvd, Telefon 9808220).

Offene Tür am Freitag

Bei freiem Eintritt geht es am Freitag, 8. November, von 16 bis 20 Uhr mit einem Tag der offenen KUFA-Türen weiter. Die Band "The LMB - der Living Music Box", die aus blinden Musikern besteht, spielt Hits der letzten fünf Jahrzehnte. Die große Eröffnungsparty mit Live-Musik der Inklusionsbands "Mosaik" aus Würzburg und "Sleeping Ann" aus Bamberg steigt am Samstag, 9. November, von 19 bis 23 Uhr (Eintritt frei). Ab Donnerstag, 14. November, geht das Programm mit dem Theaterstück "Sandasie" (19.30 Uhr) auch am darauffolgenden Freitag und Samstag weiter (Kartenvorverkauf bvd) und endet am Montag, 18. November, um 18 Uhr mit dem "Bamberger Teilhabe-Dialog" zur UN-Behinderten-Rechts-Konvention und dem Bundes-Teilhabe-Gesetz. Harald Rink ist sich sicher, dass die "KUFA" einen wichtigen Beitrag zum sozialen Miteinander in Bamberg leistet: "Inklusion durch Kunst und Kultur bereichert das Kulturleben in der Stadt." Froh wäre er allerdings, wenn sich Ehrenamtliche "gegen Aufwandsentschädigung" meldeten, die die Ton- und Lichtanlage bedienen können.