Leopold Teuscher Bamberg —  "Ich will ja noch lange nicht aufhören", sagte Irene Hottelmann-Schmidt im Mai 2011, als sie in ihrem historischen Haus in der Judenstraße aus der Hand der damaligen Landtagspräsidentin Barbara Stamm die bayerische Verfassungsmedaille in Silber für ihre vielfältigen Verdienste erhielt. Gesundheitlich bereits angeschlagen, gab sie sich damals kämpferisch wie sie es zeitlebens gewesen ist. Jetzt ist eine wichtige Stimme Bambergs verstummt.

Am 17. Januar ist die frühere Stadträtin im Alter von 89 Jahren gestorben. Mit ihr verliert Bamberg eine unermüdliche und unerschrockene Streiterin für den Denkmalschutz, für die Brauchtumspflege und das heimatgeschichtliche Bewusstsein, aber auch für den Tierschutz.

Oft unbequeme Mahnerin

Lange bevor Bamberg den Weltkulturerbestatus erhielt, war Irene Hottelmann-Schmidt eine kritische und oft auch unbequeme Mahnerin, wenn es darum ging, das historische Bild ihrer Heimatstadt zu erhalten oder fränkisches Brauchtum vor dem Vergessen zu bewahren. Sie war es, die 1968 die Idee zur Gründung der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg hatte und mit ihren Mitstreitern zu verhindern versuchte, dass wertvolle Altstadtsubstanz der Spitzhacke zum Opfer fiel. Im Fall des historischen Hauses zum Marienbild am Kaulbergfuß hatte dies leider keinen Erfolg, in anderen schon. Später stieß sie eigene Initiativen an, zum Beispiel die Wiedererrichtung des nach dem Krieg von einem US-Truck zerstörten Rokokobrunnens in der Concordiastraße.

Ein Projekt, für das sie sich an vorderster Front einsetzte, war die Sanierung der für die Stadtgeschichte so bedeutsamen Johanniskapelle auf dem Stephansberg. Sie war Motor und wichtiger Impulsgeber im Freundeskreis St. Johannis, dem schließlich die finanziell enorm aufwendige Revitalisierung dieses historischen Kleinods als kultureller Treffpunkt gelang - was ihr in den letzten Lebensjahren eine große Genugtuung gewesen sein muss.

Bamberg war ihre Leidenschaft. Und sie litt, wenn wieder ein altes Stück Bamberg unwiederbringlich verloren ging. Immer wieder gelang es ihr, Privatleute für leerstehende Altstadthäuser und deren Sanierung zu interessieren.

Erfahrung damit hatte sie selbst gesammelt. 1965 konnte sie das geschichtsträchtige "Haus zur Trommel" in der Judenstraße erwerben und sanieren. In der ehemaligen Bäckerei betrieb sie mit ihrem Ehemann Werner Hottelmann einen Antiquitätenhandel. In den 80er Jahren stieß sie mit anderen Geschäftsleuten in ihrem Viertel das beliebte Judenstraßenfest vor dem Böttingerhaus an und organisierte es über viele Jahre hinweg.

Ihr Laden war aber auch Anlaufstelle für Tierfreunde, denn Irene Hottelmann-Schmidt hatte ein großes Herz für geschundene Kreaturen und engagierte sich im Tierschutz. Eines ihrer Anliegen war die Kastration der überhandnehmenden Katzenpopulationen auf dem Land, wofür sie unermüdlich Gelder sammelte - etwa mit dem Verkauf der von ihr in wertvolle Brokatstoffe gewickelten Fatschenkindlein.

Der Erhalt des Bamberger Brauchtums wie traditioneller Weihnachts- und Prozessionsschmuck waren ihr außerordentlich wichtig, aber auch für die Rettung der letzten Bamberger Fußkratzer an den Eingängen alter Häuser setzte sie sich ein. Ihr Credo: "Bamberg besteht aus vielen kleinen Dingen, die man unbedingt erhalten muss". Irene Hottelmann-Schmidt konnte dabei tief aus dem Fundus ihrer Familiengeschichte schöpfen. Sie entstammt einer Bamberger Müllers-Familie. Ihrem Großvater gehörte die Eckerts-Mühle, die vor rund 40 Jahren einem Hotel-Neubau an der Oberen Mühlbrücke weichen musste. Der Großvater verkehrte in einem Kreis Bamberger Privathistoriker wie dem Bäckermeister Seel aus der Lugbank, und so wurde Irene Hottelmann-Schmidt das Geschichtsbewusstsein schon als Kind auf den Lebensweg mitgegeben.

Nicht vergessen werden soll das kommunalpolitische Engagement von Irene Hottelmann-Schmidt. In den 70er Jahren saß sie für die SPD, in den 90er Jahren als freie Bürgerin für die FDP im Stadtrat. Sie blieb dabei immer ein unabhängiger und kritischer Geist, der über Parteigrenzen hinweg Verbündete suchte, um etwas für die Heimatstadt zu erreichen.

Sie gehörte zu den ersten, die von der Idee eines Bamberger Gärtnermuseums beseelt waren, und zu jenen, die aktiv für den Weinberg am Michelsberg kämpften. Das Ergebnis kann man auch in diesen beiden Fällen heute bewundern. "Eine Kämpferin für Bamberg" titelte diese Zeitung im Mai 2011 über Irene Hottelmann-Schmidt. Der Kampf war nicht vergeblich. Sie hat Spuren hinterlassen und bleibt ein Vorbild für alle, denen diese Stadt am Herzen liegt.

Die Trauerfeier für Irene Hottelmann-Schmidt findet am morgigen Mittwoch, 5. Februar, um 13 Uhr in der großen Halle des Hauptfriedhofes statt.