Ich muss dem Leserbrief von Lothar Teuchgräber vom 9. Mai 2019 mit dem Titel "Bebauungsplan Staffelstein-Nordost: Die Stadt zerstört Lebensraum" in Teilen zustimmen. Die Erschließung des neuen Wohngebietes im Staffelsteiner Norden könnte eine Fehlentwicklung der Stadt verstärken.

Eine Fehlentwicklung, unter der schon viele Dörfer und Kleinstädte in Deutschland leiden: den "Donut-Effekt". Unter diesem Begriff beschreiben Architekten und Stadtentwickler den Effekt, dass das Leben, Arbeiten und Einkaufen nur noch in einem Ring um den Ortskern stattfinden, während im selben Zeitraum der alte Ortsteil zunehmend entvölkert und verfällt.

Solche Orte werden gerne aufgrund der Form dieser Entwicklung auch als "Donut-Stadt" oder "Donut-Dorf" bezeichnet. Kleinstädte, in denen dieser Effekt schon sehr fortgeschritten ist, verkommen häufig zu reinen "Schlafstädten". Auch geht die Stadtgemeinschaft zunehmend verloren und der Autoverkehr steigt an, weil Wohngebiete und Einkaufsmöglichkeiten zunehmend zersiedeln. Somit ist die Ausweitung des Stadtgebiets nicht unproblematisch, schließlich ist der Leerstand im Altstadtbereich schon bedenklich.

Auch sind in den Baugebieten "Am Kommbühl" und in der "Obere Gartenstraße" noch lange nicht alle Baugrundstücke verbraucht.

Was ich persönlich vermisse, ist ein Konzept für den alten Stadtkern. Hierbei braucht es vor allem Überlegungen, wie man auch junge Leute und Familien wieder für alte Bausubstanz und das Wohnen in der Altstadt begeistern kann. Auch Konsumenten und Geschäfte müssen wieder den Weg in die Altstadt finden.

Dies geschieht nicht von allein, dafür braucht es ein klares Konzept und auch finanzielle und fachliche Unterstützung bei der Sanierung alter Bausubstanz.

Vor allem das Bären-Gelände bietet erhebliches Potenzial für den Stadtkern. Vor allem, weil es beispielsweise mit einer Gasse durch das Gelände die Achse von der Therme bis zum Staffelberg über die Bahnhofstraße schließen könnte. Für die Finanzierung des Projekts Bären-Gelände könnte man zum Beispiel auch eine Genossenschaft gründen, an der sich dann Bürger beteiligen könnten. Ebenfalls hilfreich wäre es, einen Verantwortlichen für die Altstadt einzusetzen, welcher besagte Konzepte ausarbeitet und umsetzt.

Die Stadt ohne Konzept für den alten Kern wachsen zu lassen, wird hingegen dazu führen, dass sich Bad Staffelstein Schritt für Schritt zu der oben genannten "Donut-Stadt" entwickelt.

Joachim Dirauf

Bad Staffelstein