Junge Flüchtlinge sollen besser in den oberfränkischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integriert werden. Dazu unterzeichneten die Handwerkskammer für Oberfranken, die Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth, die Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, die Kreishandwerkerschaft Lichtenfels, das IHK-Gremium Lichtenfels und der Landkreis im Landratsamt eine gemeinsame Vereinbarung zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen.
Mit der Vereinbarung soll für junge Flüchtlinge eine Bleibe-Perspektive geschaffen werden, die auch den Betrieben mehr Rechtssicherheit bringt. Eine Initiative, die es, wie Handwerkskammer-Präsident Thomas Zimmer betonte, nur in Oberfranken gibt. Zimmer sprach von einem Signal für die jungen Flüchtlinge, dass sie, wenn sie eine Ausbildung absolvieren, während dieser Zeit nicht abgeschoben werden. Es sei aber auch ein Signal für die Betriebe, die damit die Sicherheit haben, dass die jungen Leute ihre Ausbildung ordnungsgemäß durchlaufen und nach der Ausbildung im erlernten Beruf weiter beschäftigt werden können.
Wichtigste Voraussetzung für eine gelungene Integration sei der Erwerb von Sprachkenntnissen, erläuterte IHK-Präsident Heribert Trunk. Die Fachkräftegewinnung bezeichnete er als eine immer größer werdende Herausforderung für viele oberfränkische Unternehmen. Bereits heute fehlen 15 000 Fachkräfte in Oberfranken. Hinzu kommen knapp 1000 Akademiker. Mittel- und langfristig gesehen sah Trunk gute Chancen, dass aus Flüchtlingen gute Fachkräfte werden.


700 Flüchtlinge im Landkreis

In Oberfranken sind aktuell 11 395 Flüchtlinge untergebracht, davon sind 989 unbegleitete Minderjährige. Im Landkreis Lichtenfels leben aktuell 661 Flüchtlinge sowie 44 unbegleitete Minderjährige in den Einrichtungen der Jugendhilfe. "Mit der Vereinbarung wollen wir möglichst vielen von ihnen ein Stück weit den Weg in eine Ausbildung ebnen", betonte der IHK-Präsident.
Landrat Christian Meißner sprach von einer großartigen Initiative. Damit signalisiere das Landratsamt als Behörde, dass sich junge Asylbewerber über eine Duldung auch ohne Aufenthaltsstatus freuen dürfen. Die Flüchtlingsthematik bezeichnete Meißner nicht nur als Herausforderung, sondern auch als eine Chance. "Da sind viele Leute dabei, die uns auch etwas geben können", sagte er.
In ganz Oberfranken gibt es vier Klassen mit jungen Flüchtlingen, die sich im zweiten Berufsintegrationsjahr befinden, erläuterte HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller. 2017 werden es bereits 22 Klassen sein. Im ersten Schuljahr werden hauptsächlich Deutschkenntnisse vermittelt. Neben einer weiteren Vertiefung der Deutschkenntnisse stehen im zweiten Jahr unter anderem auch betriebliche Praktika auf dem Programm. Am Ende steht der Mittelschulabschluss.
An der Berufsschule in Lichtenfels befinden sich derzeit 16 Minderjährige und zwei volljährige Flüchtlinge in einer Sprachintensivklasse. Ab Frühjahr sind zusätzlich zwei weitere Sprachintensivklassen mit jeweils 20 Schülern geplant.
Mit der gestrigen Unterschrift im Landratsamt gibt es die Vereinbarung zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen flächendeckend in ganz Oberfranken.
Um junge Flüchtlinge, die diesen Weg durchlaufen haben, brauche man sich keine Sorgen mehr machen, ist der Vorsitzende des IHK-Gremiums Lichtenfels Wilhelm Wasikowski überzeugt. Ein Leuchtturmprojekt, das nach Ansicht von Kreishandwerksmeister Mathias Söllner bald Nachahmung in anderen Bundesländern finden wird.