Silvester mit Musik
vom Martinsturm

Der Silvesterabend verlief dank des Verbots des Neujahrsschießens und des Abbrennens von Feuerwerkskörpern in Forchheim allgemein ruhig. Nur um die Stunde der Jahreswende herrschte reges Leben und Treiben. Die Musik spielte vom Martinsturm patriotische Weisen, in die die Anwesenden freudig mit einstimmten. Zum Schluss erklangen die Glocken aller Forchheimer Kirchen mit der Sehsucht nach Frieden überall.
(Forchheim, 3. Januar)
Warnung vor Schwindlern in Uniform

Seit einiger Zeit treiben mehrere Schwindler mit wechselnden Uniformen in Forchheim ihr Unwesen. Sie machen Bestellungen für militärische Zwecke und verschwinden nach Erhalt der Ware ohne zu bezahlen. Ihre Bestellscheine versehen sie mit einem gefälschten militärischen Stempel. Vor diesen Schwindlern wird dringend gewarnt.
(Strecker: Königlicher Hofrat, Forchheim, 4. Januar)
Keine Jugendlichen
in Gastwirtschaften

Es mehren sich Klagen in unserer Stadt Forchheim über den Besuch von Gastwirtschaften durch jugendliche Personen. Es wird deshalb darauf hingewiesen, dass Eltern, welche ihre schulpflichtigen Kinder ohne Aufsicht den Besuch gestatten, mit einer Geldstrafe von 80 Mark oder acht Tage Haft belegt werden können. Den Inhabern der Gaststätten, die den Jugendlichen Speisen und Getränke verkaufen, droht die sofortige Entziehung der Konzession.
(Stadtmagistrat: Strecker Forchheim, 4. Januar)
Der Januar
ist zu warm

Die warme Witterung in diesem Januar, die schon seit einigen Wochen anhält, führt allgemein zu einer vorzeitigen Entwicklung der Pflanzenwelt. In den Grünanlagen kann man schon zahlreiche Sträucher und Bäume beobachten, deren Knospen soweit voran sind, wie man es im Frühjahr gewohnt ist. So wurde Gestern eine Haselnussblüte in einem Garten gesichtet, die Palmkätzchen sind auch bereits ausgeschlagen.
(Forchheim, 8. Januar)
Des Königs Geburtstag im Lazarett

Der Geburtstag des bayerischen Königs wurde auch im Forchheimer Lazarett durch einen musikalischen Abend gefeiert. Das Arrangement hatte Herr Hauptlehrer Pfann übernommen und dank der Mitwirkenden musikalischen Kräfte und der gesangskundigen Damen und Herren war der Abend ein voller Erfolg. Das "Königshoch" brachte in begeisterter Ansprache Herr Rittmeister Kommerzienrat Hornschuch aus, der auch weiter den beteiligten Damen und Herren öffentlich Dank zollte.
(Forchheim, 8. Januar)
Mannschaften dürfen nicht zu kurz kommen

In der Bevölkerung ist die Ansicht verbreitet, bei Verteilung von Liebesgaben im Felde würden in erster Linie die Dienstgrade wie Offiziere, Feldwebel und Unteroffiziere bedacht, die Mannschaften aber kämen viel zu kurz. Um derartigen, übrigens vollständig unbegründeten Ansichten und Gerüchten den Boden zu entziehen, hat das Kriegsministerium verfügt, dass die Verteilung von Liebesgaben entweder durch den Kompanieführer persönlich erfolgen soll oder ein Ausschuss aus Mannschaft und Offizieren darüber entscheidet.
(Forchheim, 17. Januar)
Siegesgeläute der Forchheimer Kirchen

Zum dritten Male in kurzer Zeit verkündete Siegesgeläute der Forchheimer Kirchen den Bewohnern die freudige Kunde, dass Montenegro um Frieden nachsucht. Der Jubel wie gestern ist in letzter Zeit sehr selten geworden.
(Forchheim, 18. Januar)
Aufnahme in die Sebastiani-Bruderschaft

Die Mitgliedschaft zur Bruderschaft werden vom Vorstand Herrn Kaspar Thurn und vom Magistratsrat Andreas Schindler nach der Prozession am Sonntag angenommen.
(Forchheim, 18. Januar)
Ritter des
Eisernen Kreuzes

Der erste Ritter des Eisernen Kreuzes 1. und 2. Klasse Herr Leutnant Saam aus Herolsbach ist gestern Vormittag zum Urlaub vom Felde in seiner Heimat eingetroffen. Dem schneidigen und mutigen Soldaten rufen wir ein herzliches Willkommen zu, denn er ist der ganze Stolz seiner Familie. Und so werden Enkel und Urenkel in entfernten Zeiten von den Helden aus Heroldsbach erzählen, der in zähem Ringen das Vaterland verteidigte.
(Heroldsbach, 20. Januar)
Geburtstagsfeier
im Lazarett

Des deutschen Kaisers 57. Geburtstag wurde gestern auch im Forchheimer Lazarett gefeiert. Nach einleitenden Musikstücken brachte der Lazarettvorsteher Rittmeister und Kommerzienrat Hornschuch ein dreifaches Hurra auf den Landesherrn König Ludwig III. aus. Die Festrede hielt Herr Hofrat Strecker, dessen begeisterte Worte unter den Anwesenden großen Beifall hervorriefen. Jubelnd stimmten sie in das Hoch auf den Kaiser ein. Die Feier wurde durch die vortrefflichen Beiträge des Gesangvereins Eintracht gestaltet.
(Forchheim, 28. Januar)
Maikäfer als Frühlingsboten

Gestern wurde unserer Redaktion in Forchheim ein Maikäfer übergeben, doch es ist ja kein Wunder bei solch einem milden Winter.
(Forchheim) 31. Januar 1916




Textzusammenstellung: Rainer Kestler, Stadtarchiv Forchheim