Eckehard Kiesewetter Ebern — Die Grundidee ist so hübsch einfach, dass sie schon wieder genial erscheint. Wie schafft man es, einen langgezogenen Baukörper, wie ihn das Gelände für den neuen Kindergarten der Stadt Ebern erforderlich macht, kleinteilig wirken zu lassen und kindgerecht aufzuwerten? Man nehme für die beiden geplanten Kindergartengruppen jeweils ein Haus, für die beiden Krippengruppen jeweils eines und für das Bistro ein weiteres. Fünf Häuschen, jeweils mit Satteldach versehen, wie sie ein Kind malen würde, und dicht aneinandergerückt, dass ein Gesamtgebäude entsteht. So hat sich der Bamberger Architekt Klaus Gick (Büro Gick und Partner) den Neubau ausgedacht, der an der Albrecht-Dürer-Straße in Ebern nördlich des Berufsschulgebäudes entsteht.

Der Kinderdorfcharakter könnte nach Vorstellungen des Planers noch verstärkt werden, indem man jeder Gruppe eine spezielle Farbe zuordnet, die dann auch, für die Mädchen und Buben nachvollziehbar, im Innenbereich fortgesetzt wird. Dann wären die Bienen, Mäuse und Käfer fortan die Grünen, Blauen und Roten. Doch über das Farbkonzept ist noch nicht abschließend entschieden.

74 Mädchen und Buben - 50 Kindergarten- und 24 Krippenkinder - sollen hier Einzug halten, wenn der Bau fertig ist. Dann kann die Stadt 225 Regel- und 80 Krippenplätze vorweisen. "Damit wird der Bedarf in Ebern zu 100 Prozent gedeckt", verkündete Bürgermeister Jürgen Hennemann beim offiziellen Start der Bauarbeiten.

Zu dem Spatenstich waren Vertreter des Stadtrats, des Architekturbüros, der Ebensfelder Firma, die den Rohbau fertigt, und der Rummelsberger Diakonie angerückt. Die Rummelsberger werden Träger der Einrichtung sein, die obendrein für den langfristigen Bedarf die Ausbaumöglichkeit für zwei weitere Gruppen vorsieht. Dann würden maximal 99 Kinder dort einen Gruppenplatz finden.

Ein Alleinstellungsmerkmal wird die integrative Ausrichtung sein, denn integrative Kitas sucht man in der Region bislang vergebens. So können Kinder mit Behinderung aus Ebern und Umgebung auch nach dem Umzug der Lebenshilfe nach Haßfurt ohne weite Fahrten adäquate Betreuung erfahren.

Die Gesamtkosten des Neubaus werden sich auf knapp 3,8 Millionen Euro summieren, wovon die Stadt rund zwei Millionen Euro als Förderung durch den Staat erwartet. Der Rest muss selbst geschultert werden - ein Kraftakt für die Stadt, erst recht nach den aktuellen Einbrüchen bei den Steuereinnahmen. So wertete Bürgermeister Hennemann den Neubau denn auch als "das Großprojekt des Jahres 2019" und als "eines der wichtigsten Bauvorhaben für die nächsten Jahre". Es setze ein Signal an junge Familien, sei Angebot der Stadt für die Zukunft.

Planer Gick machte deutlich, dass es mehr Spaß mache, einen Kindergarten zu planen als andere Objekte. Dies gelte überhaupt, wenn der Bauherr - in dem Fall die Stadt - nicht nur die Richtlinien im Blick habe, sondern auch auf Schönheit, Integration und Barrierefreiheit Wert lege. Das mache das Projekt für ihn so interessant. Seinen Plan wertet Gick nüchtern als "vernünftiges Endergebnis".