Wie viele Mitglieder verkraftet der Schwimmverein Bamberg im Stadtteil Bughof? Ist ohne einen wenigstens temporären Aufnahmestopp wirklich der "Wohlfühlcharakter" in der großzügigen Becken- und Grünanlage in Gefahr, wie es einige langjährige Mitglieder befürchten? Um Fragen wie diese entspann sich bei der Jahreshauptversammlung des SVB eine emotionale Diskussion.

Vorher war der komplette Vorstand mit Klaus Lachmann an der Spitze einstimmig wiedergewählt worden. Ebenfalls ohne Gegenstimme wurde Birgit Rommel als neue stellvertretende Vorsitzende und Nachfolgerin von Alexandra Wolf gewählt, die nicht mehr zur Verfügung stand.

Aktuell hat der SVB fast 6000 Mitglieder. 216 von ihnen nahmen an der Jahreshauptversammlung teil. Sie fand ausnahmsweise im Bootshaus im Hain statt, weil das eigene Vereinslokal Großbaustelle ist. Der Umbau, so erfuhren die Anwesenden, sei im Zeit- und Kostenplan. Im Frühsommer soll das Lokal wieder zur Verfügung stehen.

Es waren nicht der Bericht und die Entlastung des Vorstands, auch nicht die Neuwahlen und nicht die Verabschiedung des Haushalts 2019, die für den nach SVB-Maßstäben außergewöhnlich guten Besuch der Versammlung verantwortlich waren.

Der Verlauf des Abends ließ klar erkennen, woher das große Interesse rührte: Es war der Antrag eines Ehepaars, das nach eigenem Bekunden seit rund 40 Jahren dem SVB angehört, die Großzügigkeit des Vereinsgeländes genießt und bangt, dass es damit bald vorbei sein könnte. Es wollte unter anderem einen auf zunächst vier Jahre beschränkten Aufnahmestopp für neue Mitglieder und ein Mitspracherecht der Mitgliederversammlung bei der Gesamtmitgliederzahl. Der Antrag fand schließlich 83 Befürworter, die Mehrheit lehnte ihn ab.

Der Abstimmung ging eine engagierte Diskussion voraus. Die Wortmeldungen ließen erkennen, dass vor allem langjährige Mitglieder den Antrag guthießen. Wenn es mit dem Wachstum so weitergehe, werde es im Schwimmverein bald so voll sein wie in öffentlichen Freibädern, warnte ein Mitglied. Unter den Antrags-Gegnern, die sich zu Wort meldeten, war auch ein Beiratskollege Hartmanns, Thomas Laumayer. Er sagte, der Schwimmverein dürfe "kein Country Club" werden, keine geschlossene Gesellschaft. Für ihn brachte die Diskussion einen Generationenkonflikt zutage: auf der einen Seite "alte" Mitglieder, die möchten, dass alles bleibt, wie es ist; auf der anderen Seite die Jungen, die auch in den SVB möchten, was die nach wie vor bestehende Warteliste belege. Für einen 25-jährigen aktiven Schwimmer stehen die Buchstaben SV nicht nur für Schwimmverein, sondern auch für soziale Verantwortung. Und die höre bei 6000 oder 7000 Mitgliedern nicht auf. Er verstehe, wenn Mitglieder eigene Ziele verfolgen würden, doch dürften die nicht anderen zum Nachteil gereichen.

Gerüchten, wonach der Vorstand 7000 oder gar 8000 Mitglieder anstreben würde, trat Vorsitzender Lachmann entgegen. Weder gebe es dieses Ziel, noch wolle man sich auf eine Höchstmarke festlegen. Eine limitierte Mitgliederzahl würde den Handlungsspielraum des Vorstands einschränken. Sie wäre, so der Erste Vorsitzende, nachteilig für den Schwimmsport, weil man dann zum Beispiel kein neues Talent außer der Reihe aufnehmen dürfte; sie wäre nachteilig für die Familienzusammenführung, weil sich dann die unbürokratische Aufnahme von Familienmitgliedern verbieten würde; und sie wäre schlecht für die Vereinsgastronomie, die ausreichend Umsatz brauche, um existieren zu können.

Der Vorstand untermauerte sein Plädoyer gegen eine limitierte Mitgliederzahl mit Daten aus einer neuen Personenzählanlage. Demnach kamen selbst in der Saison 2018, die von Mai bis Oktober nahezu ungetrübtes Badewetter bescherte, an keinem Tag mehr als 1657 Besucher in den SVB. Tatsächlich sei die Zahl sogar noch geringer, weil etliche Mitglieder mehrmals am Tag zum Schwimmen oder Erfrischen kämen.

So kontrovers über die Mitgliederzahl diskutiert worden war: Der Arbeit des Vorstandes zollten auch Kritiker des Vereinswachstums ausdrücklich ihre Anerkennung. Die einzelnen Berichte belegten, dass der Schwimmverein sportlich wie finanziell sehr gut dasteht.

Laut Schatzmeister Josef Brehm wurden seit 1997 nicht weniger als 6,4 Millionen Euro investiert. Nach dem Umbau der Beckenlandschaft 2014/2015 und der seit Oktober 2018 laufenden Modernisierung der Gastronomie plant man das nächste Großvorhaben: Der SVB will energieautark werden, das Gas für die Beckenheizung und Strom in naher Zukunft selbst erzeugen.

Der Versammlung vorausgegangen war die Ehrung von 77 Mitgliedern, die dem Verein seit 40, 50, 60 und 70 Jahren angehören. Eine besondere Ehrung gab es für vier Sportschwimmer: Martin und Gregor Spörlein, Bastian Schorr und Thilo Mordt holten 2018 bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften über 4x50 m-Freistil den 3. Platz und damit die Bronzemedaille. Für diesen laut Schwimmwart Michael Schorr größten sportlichen Erfolg in der Vereinsgeschichte erhielten die Aktiven vom Vorstand extra Glückwünsche, Plaketten und viel Beifall.

Das Ergebnis der Vorstandswahl: Erster Vorsitzender Klaus Lachmann, Stellvertreter Stefan Auxel und Birgit Rommel, Schwimmwart Michael Schorr, Bauunterhalt/Technik Stefan Dotterweich, Schatzmeister Josef Brehm, Beitragskassiererin Doris Gerner, Schriftführer Wolfgang Fischer. jb