Wenn sich Sabine Witt, die Betreiberin der Wildtierauffangstation Stadtsteinach, dem großen Gehege in ihrem Garten nähert, quietscht "Hanni Hansdampf" vor Freude. Eigentlich sind in dem Gehege scheue Wildtiere untergebracht: Füchse. Doch der Fuchs, dem sie den lustigen Namen gegeben hat, hat als Jungtier seine Mutter verloren. Er wurde in die Auffangstation gebracht, Sabine Witt und ihr Team aus ehrenamtlich Tätigen haben ihn per Hand aufgezogen. Jetzt ist die Füchsin so zahm, dass sie sich alleine nicht mehr in freier Wildbahn zurechtfinden würde. Sie verhält sich wie ein Hund, lebt in einer Hundehütte in einem Gehege. "Ich versuche, die Tiere gesund zu pflegen und sie dann auszuwildern, aber bei manchen geht das einfach nicht", so Witt.
Noch zwei andere Füchse hat sie in ihrer Obhut. Auch diese beiden können nicht mehr in freie Wildbahn entlassen werden. "Ich habe inzwischen 72 Dauerpfleglinge - Vögel, Füchse, Igel", erzählt Witt. Manche Vögel können nicht mehr richtig fliegen, manche können nicht sehen. Die Igel haben Lungenwürmer, sind krank.
Sie verfüttert an ihre "Logiergäste" pro Tag fünf bis sechs Kartons Frostinsekten sowie zahlreiche Kartons weiteres Futter. Ein kostspieliges Unterfangen. Sabine Witt hat ein Futteraufkommen von rund 1500 Euro pro Woche zu stemmen. Seit 2002 engagiert sie sich ehrenamtlich für verletzte Wildtiere. Alles wird aus Eigenmitteln und Spenden finanziert. Seit 2009 betreibt Sabine Witt in Stadtsteinach die Wildtierauffangstation. Mit einem Gehege hat sie angefangen, inzwischen ist das gesamte 2000 Quadratmeter große Grundstück mit Volieren und Gehegen zugepflastert. Drei neue Käfige werden aktuell gebaut.
"Ich kämpfe Tag und Nacht für die Tiere, aber ich bin am Ende", sagt Witt und erzählt, dass sie herbe Verluste zu verzeichnen hatte. Sie hat die Wildtierauffangstation bislang mit privaten Mitteln und Krediten unterhalten. Nur einen Teil der Kosten konnte sie aus Spenden stemmen. "Natürlich bekomme ich immer wieder Spenden, aber für den Arten- und Naturschutz wird nichts getan. Ich bräuchte eigentlich eine 450-Euro-Kraft, die mir hilft. Ich kann nicht immer nur mit Ehrenamtlichen arbeiten", klagt Witt.
Sie freut sich, dass der Bund Naturschutz für die Wildtierauffangstation gesammelt hat. Doch insgeheim hätte sie sich mehr Unterstützung von den Behörden erhofft, sagt sie. Außer der Tatsache, dass sie von den Naturschutzbehörden und vom Veterinäramt regelmäßig kontrolliert wird, hat sie nichts von ihrem Engagement. Finanzielle Mittel bekommt Witt jedenfalls nicht - zumindest nicht regelmäßig.
Schweren Herzens hat sich die Tierschützerin jetzt für die Wildtierauffangstation einen Aufnahmestopp auferlegt. Er soll bis Ende des Jahres dauern. Die Tiere, die in ihrer Obhut sind, werden natürlich weiter versorgt. Dazu gehört auch der Waldkauz, dem sie den Namen Silver gegeben hat. "Er ist auf einem Auge blind, er hätte draußen in der Natur keine Chance", erklärt Witt. Deshalb wird auch das Käuzchen als Dauerpflegling bei ihr bleiben.
Doch nicht nur die finanzielle unsichere Lage macht der engagierten Tierschützerin zu schaffen. Auch psychisch ist Sabine Witt am Ende ihrer Kräfte. Denn immer wieder sterben Tiere. "In den letzten zwei Jahren haben wir bei Jungvögeln immer wieder unbekannte Todesursachen - nicht nur hier, sondern dieses Phänomen ist bei allen Auffangstationen deutschlandweit zu beobachten. Ich führe das auf Glyphosat und Neonikotinoide (eine Art von Insektenschutzmitteln) zurück. Diese Mittel schädigen das Erbgut, wirken sich auf die Hormone aus", sagt Witt.
Jetzt hofft Sabine Witt, dass es ihr gelingt für den Unterhalt ihrer Dauergäste Spenden zu akquirieren, um die Wildtierauffangstation als Art Gnadenhof fortführen zu können.