Es war ein bewegender, hoch emotionaler Abend im Garten des Bräuwercks, der die Besucher vom ersten Ton an faszinierte. Dem "Fränkischen Theatersommer" gelang mit dem Musikspiel "Spatz und Engel" unter der Regie von Jan Burdinski ein kleiner Geniestreich, eine nahezu authentische Replik auf zwei Stars früherer Zeiten.
Die Freundschaft zwischen den so unterschiedlichen Diven Édith Piaf und Marlene Dietrich mit all ihren Wirrungen und Irrungen - von viel mehr als platonischer Liebe zueinander, Innigkeit und Streit bis hin zum Exzess - wurde so delikat, in erschreckender Eindringlichkeit dargeboten, dass man fast mit Begierde auf die nächste Szene, auf die nächste Wortexplosion oder das leidvolle Drama wartete.
Zwei Künstlerinnen standen da ganz im Rampenlicht: Heleen Joor als der kapriziöse Spatz von
Paris und Clarissa Hopfensitz als die unvergessliche mondäne Deutsche, die die Welt bewegte. Beide liefen sängerisch und schauspielerisch zur Höchstform auf, man meinte als ungebetener Zuschauer in die Zeitgeschichte eingewoben zu werden, Intimität und Verbotenes ganz persönlich serviert zu bekommen.
Burdinski gelang in diesem Musiktheater nach einer Idee von David Winterberg eine rundum gelungene Inszenierung, voller textiler Üppigkeit, einem oft wechselnden Bühnenbild und großartigen Szenentiefen. Da wurde Innerstes nach außen gekehrt, diese Künstlerwelt vom umjubelten Star zum Abstieg in die Gosse, zu Alkohol, Drogen und dem damit verursachten Tod der Piaf, oder die Einsamkeit auf engem Raum von Marlene am Ende ihres Lebens, wunderbar karikiert.
Die einzelnen Stationen der innigen und schwierigen Freundschaft nahmen gefangen. Starke schauspielerische Ausdruckskraft und erstaunliches sängerisches Können zeichneten
Heleen Joor und Clarissa Hopfensitz aus - und Jan Burdinski
in kleinen Nebenrollen wie immer effektiv und mit Charme.