Andreas Lösch

Kreis Haßberge — Für Tobias Kern von der Polizeiinspektion Ebern heißt schönes Wetter erhöhte Aufmerksamkeit: An sonnigen Tagen sind vermehrt Motorradfahrer unterwegs. Kern hat da ein Auge darauf, als Mitarbeiter Verkehr ist er im Besonderen auch für die Planung der Motorradfahrer-Kontrollen zuständig. Direkt vor seiner "Haustür" befindet sich eine beliebte Motorrad(renn)strecke, die Zweiradfahrer aus der ganzen Region reizt: der Hambach zwischen Untermerzbach und Ebern.
Es sei nichts verkehrt daran, das schöne Wetter für Motorrad-ausflüge zu nutzen, der Polizist kann die Freude an diesem Hobby verstehen. Er will aber auch sichergehen, dass es sicher zugeht auf den Straßen. In den Serpentinen vom Hambach versuchen regelmäßig Motorradfahrer, jeweils angestachelt von anderen Zweiradfahrern, sich gegenseitig zu übertreffen.


Kontrollen Mitte April

Kern will hier, wie in den vergangenen Jahren auch, gemeinsam mit Kollegen und der Unterstützung der Motorradstaffel aus Würzburg, Mitte April wieder eine größere Kontrollaktion durchführen: Nicht, um möglichst viele und hohe Bußgelder zu verhängen (wenngleich das natürlich vorkommt, wenn eine Maschine nicht verkehrstauglich unterwegs ist), sondern um die Motorradfahrer zu sensibilisieren: "Wir sprechen die Leute an", sagt Kern. Motorradsicherheit sei bei der Polizeiarbeit ein großes Thema, gerade zu Saisonbeginn gelte es für die Zweiradfahrer, die Konzentration hoch zu halten: Autofahrer müssen sich erst wieder an die Motorradfahrer gewöhnen und umgekehrt. Zudem gilt: Ist das Motorrad sicher, funktioniert alles noch einwandfrei, nachdem es im Winter in der Garage eingemottet war?
Auch ein wichtiges Thema: Die vielen "Ü40"-Fahrer unter den Bikern. "Von den Unfallzahlen sei es so, dass die Altersgruppe 40 bis 50 und 50 bis 60 deutlich hervorsticht." Denn häufig heiße es ja, "es sind die jungen Raser". Manche der "alten Hasen" seien jahrelang nicht auf dem Motorrad unterwegs gewesen und entdeckten jetzt wieder ihr früheres Hobby für sich. Aber über die Jahre sei viel Fahrpraxis verloren gegangen, da lohne es sich zum Beispiel, in ein Fahrtraining zu investieren, so Kern.
Werner Rottmann von der Polizeiinspektion Haßfurt kennt das Problem. Die Polizei versucht seit Jahren, Motorradfahrer dazu zu bewegen, regelmäßig an Fahrsicherheitstrainings teilzunehmen, aber die Resonanz bei den "Wiedereinsteigern" könnte höher sein, wie die Polizei in ihrem Verkehrssicherheitsbericht für das Jahr 2017 vermerkt. Zumindest wird die Polizei nicht müde, darauf hinzuweisen, dass es keine Schande ist, sich für ein Sicherheitstraining anzumelden, und dass Sicherheit "im Kopf beginnt", wie Kern sagt: "Vorausschauend, vorausdenkend fahren", damit sei schon viel getan.


Die Unfallzahlen steigen

Rottmann ergänzt, dass auch Sichtbarkeit, also auffällige Kleidung und Reflektoren etwa, die Unfallgefahr verringern: "Man sollte sich so erkennbar wie möglich machen." Ziel soll sein, der steigenden Zahl von Motorradunfällen entgegenzuwirken: Im Kreis Haßberge gab es im Jahr 2016 insgesamt 56 Unfälle mit Motorradbeteiligung (keiner davon tödlich), im Jahr 2017 waren es 65 (mit zwei Getöteten).