Reinhard Koppenleitner hat 15 Jahre als Kinderarzt in München gearbeitet und war 20 Jahre als Berater zur Entwicklung des Gesundheitswesens international tätig. Heute informiert er als Mitglied der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit vor allem Berufskollegen und im Medizinbereich tätige Menschen über die Folgen der Erderwärmung in ihrem Berufsfeld.

Auf Vermittlung von Udo Schönfelder referierte Koppenleitner vor der Energie- und Klimaallianz Forchheim und Mitarbeitern des Klinikums. Er betonte: "Die Temperaturerwärmung hat Folgen für Gesundheit und Leben - schon heute." Dabei griff er weltweite Bedrohungen ebenso auf wie ganz aktuelle Problemstellung in Deutschland.

Von Hitzewellen spricht man, wenn die Temperatur an mehr als drei Tagen hintereinander über 30 Grad ansteigt. 2003 gab es eine europaweite Welle mit 70 000 Toten. Zum einen führte der ansteigende Ozongehalt der Luft zu mehr Herz- und Kreislauferkrankungen. Zum anderen müssen Ärzte darauf vorbereitet sein, dass eine viel größere Personenzahl als sonst an den auch tödlich verlaufenden Hitzeerkrankungen leidet, an Sonnenstich, der eine Hirnhautreizung ist, und am Hitzschlag, bei dem ein Ansteigen der Körpertemperatur zu einem Hirnödem führt.

"Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto weniger können wir schwitzen", erklärte der Arzt. Je wärmer die Temperatur, um so vielfacher kann die Luft Wasser aufnehmen. Hat sie 40 Prozent Feuchtigkeit, liegt der kritische Punkt für Hitzschlaggefahr bei länger vorliegenden 41 Grad; bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 und mehr Prozent sinkt der kritsche Punkt auf Temperaturen von 32 Grad. Alte Menschen und Kleinkinder sind dadurch besonders gefährdet.

Die städtische Architektur müsse auf den Temperaturanstieg ausgerichtet werden, um Kühleffekte zu erzielen. Das reicht von Bäumen, Luftschneisen und Begrünen von Gebäuden bis zu Trinkwasserbrunnen. Krankenhäuser müssten sich durch Schulung des Personals auf Hitzepatienten einrichten, aber auch die eigenen Gebäude bei erträglichen Temperaturen halten. Als Negativbeispiel brachte ein Besucher einen Trakt der Erlanger Universitätskliniken ein, wo im obersten Stockwerk "tropische" Temperaturen häufig aufträten. Geschuldet sie dies der Bauweise mit Glasfronten, erklärte dazu ein anderer Besucher, der früher für die Erlanger Klinikbauten verantwortlich war. Ärzte, so Koppenleitner weiter, müssten sich darauf einstellen, dass schwere Fiebererkrankungen auch bei hiesigen Patienten auf Infektionen mit "tropischen" Krankheitserregern zurückzuführen sind. Denn die übertragenden Insekten wie die Tigermücke (West-Nil-Fieber) oder die Anophelesmücke (Malaria) tauchen inzwischen auch in gemäßigten Klimazonen auf. Auch hier sei Fortbildung nötig, betonte Koppenleitner auf eine Nachfrage von Barbara Cunningham, der Vorsitzenden der Forchheimer Klimaallianz.

Einen weiteren Problemkreis erwartet Koppenleitner bei Asthma und Lungenerkrankungen - wegen der längeren Saison und höheren Aggressivität von Pollen (Stichwort: Ambrosia) und wegen der Luftverschmutzung. Selbst an die Rauchentwicklung bei Waldbränden müsse man denken, rufe man sich die Brände um Berlin ins Gedächtnis.

Mehr psychische Erkrankungen in Regionen mit Überschwemmungen lautet eine weitere These. Auch in der Region. Das Gefühl des Existenzverlustes, der persönlichen Sicherheit habe infolge der Oder-Überschwemmung zu einer signifikanten Zunahme an Depressionen in der betroffenen Gegend geführt.