Prüfungen, 40-Stunden-Woche, Zeit für Freunde und Familie: Wer neben dem Job studiert, muss vieles unter einen Hut bekommen. Der berufsbegleitende Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaftslehre der Hochschule Coburg verabschiedete vor kurzem seine ersten drei Absolventen.
Sie sind im Laufe der Jahre Freunde geworden: Tobias Kalter, Heiko Schreiner und Thorsten Seufert. Alle drei haben sich im Winter 2014 dazu entschlossen, den zu der Zeit an der Hochschule Coburg frisch ins Leben gerufenen, berufsbegleitenden Studiengang Betriebswirtschaft aufzunehmen. Heiko Schreiner legte dafür vor 14 Jahren den Grundstein. "Ich habe zuerst eine Weiterbildung zum Elektrotechniker absolviert. Danach habe ich an der IHK zu Coburg meinen Technischen Betriebswirt gemacht", sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: "Der lange Fortbildungsprozess hat auch einen Vorteil: Ich habe das Lernen nie verlernt." Jede Weiterbildung bedeutete für ihn immer einen weiteren Schritt nach oben auf der Karriereleiter. Mittlerweile ist Heiko Schreiner 37 Jahre alt, hält als einer der drei ersten Absolventen des berufsbegleitenden Studiengangs seine Bachelorurkunde in den Händen und leitet innerhalb der Firma Kaeser Kompressoren sein eigenes Team.
"Arbeiten und Studieren ist heutzutage kein Widerspruch mehr, beides ist gleichzeitig machbar", stellt Studiengangsleiter Prof. Roland Hertrich fest. Die Durchlässigkeit zwischen gewerblicher und akademischer Weiterbildung ist ein besonderes Merkmal des Studiengangs. Technische Kenntnisse können mit kaufmännischen Fertigkeiten abgerundet werden. Das helfe im Berufsalltag enorm, weiß Heiko Schreiner: "Das Studium hat meine Sichtweise erweitert. Dadurch fallen mir Entscheidungen und auch die Suche nach Lösungen deutlich leichter." Yvonne Kossmann, die stellvertretende Kanzlerin der Hochschule Coburg, überreichte den drei Absolventen ihre Zeugnisse. Dabei betonte sie, dass Weiterbildung eine der wichtigsten Aufgaben von Hochschulen sei: "An der Hochschule Coburg haben wir Strukturen geschaffen, um an der Zukunft arbeiten zu können. Unser Studienangebot entspricht passgenau den aktuellen Entwicklungen", sagte sie.
Für Professor Hertrich stellt das berufsbegleitende Studium eine Verbindung zwischen Hochschule und Unternehmen zum Wohle der Studierenden sowie zum Wohle der Region dar. Da pflichtet ihm auch Siegmar Schnabel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Coburg, bei: "Wir haben zusammen in Pionierarbeit ein einzigartiges Bildungsprojekt in der Region gestartet und stärken damit die Standortqualität." Die drei Absolventen hätten mit ihrem Abschluss nicht nur sich selbst vorangebracht, sondern seien auch dem Fachkräftemangel entgegengetreten, denn sie sind "die Fach- und Führungskräfte der Zukunft". Momentan sind knapp 80 Studierende im berufsbegleitenden BWL-Studium eingeschrieben.
Für Heiko Schreiner ist die Zeit, in der er Prüfungen schrieb, während seine Arbeitskollegen frei hatten, nun vorbei. Vorerst: "Das Masterstudium ist definitiv eine Option", sagt er. Gleichzeitig weiß er aber auch, was das noch einmal bedeuten würde: "Man braucht dazu die Unterstützung seines Umfelds. Besonders die Familie muss viel Verständnis aufbringen, wenn man weniger Zeit hat. Wer glaubt, man macht so ein Studium einfach mal so nebenbei, liegt falsch." Am Ende - da sind sich alle drei Absolventen einig - hat sich der Aufwand aber mehr als gelohnt.