Anette schreiber Unser Chef hatte sich das ganz witzig vorgestellt: Zum Humor die witzigsten Klosprüche finden. Und ich hatte mich drauf eingelassen. Zumal die Kollegen prompt flotte Sprüche aus ihren jeweiligen Toilettenbegegnungen zitierten, oder eben andere nette Begebenheiten auf dem stillen Örtchen. Wie in Uelzen am von Hundertwasser gestalteten Bahnhof, auf dem der Kollege sich just da Erleichterung verschaffte, als eine Besuchergruppe durch dieses so besondere Örtchen geführt wurde. Oder der andere Kollege, dem am Kondomautomaten der Aufkleber "Jute statt Plastik" aufgefallen war.

Schien doch einfach, der Auftrag. Nur: Ich hatte nicht bedacht, dass man als Reporterin auf dem Herrenklo wohl für unerwünschtes Aufsehen sorgt. Mist!

Egal, forsch auf. Und weil ich noch Kohle brauchte, lag das Geldinstitut auf dem Weg. Auch hier müssen Menschen mal. Haben Bankkunden neben dem eigentlichen Bedürfnis auch das Bedürfnis, den anderen Kunden etwas mitteilen zu müssen? Wut wegen der Strafzinsen, geschlossener Filialen oder gestiegener Gebühren oder so. Nein! Schade eigentlich. Dafür legt das Kreditinstitut allen hier ans Herz, das Licht nicht auszuschalten... Warum auch immer. Wäre eigentlich interessant zu entdecken, was passiert, wenn doch. Aber am Anfang der Recherche fehlte der Mut, schließlich wollte ich ja nicht womöglich den restlichen Arbeitstag über im Dunkel weggesperrt bleiben.

Philosophische Hausverwalter

Eine wahre Fundgrube an Sprüchen, jetzt nicht unbedingt oberwitzjg, aber immerhin selbst kreierte Sprüche entdeckte ich dann bei einem großen Bildungsinstitut. Nach etlichem Suchen und sogar auf Frauenklos. Dafür hatte ich mich vorher aber durch zig makellose Toiletten arbeiten müssen. Kreative Sprüche - Fehlanzeige. Dafür wahrhaft Philosophisches von der Hausverwaltung: "Eine Klobürste zu besitzen ist Reichtum. Sie zu benutzen, ist Kultur." Ein bisschen profaner geht's bei der Justiz zu: "Der Blick zurück ist des Nächsten Glück."

Wie halten's Schüler mit Klo-Kommentaren? Gar nicht! Sie üben sich augenscheinlich sehr in vornehmer Zurückhaltung, da hat wohl die Mahnung des Direktors gefruchtet, sich bloß nicht an der mit Steuergeldern teuer sanierten Einrichtung auszutoben. Eins mit Stern! Auch wenn die Ausbeute hier gleich Null ist.

Eine alternativ angehauchte In-Kneipe müsste doch auch Inspirationen ihrer Gäste tolerieren, denke ich. Auch hier Fehlanzeige, dafür wird der Aufenthalt hier mit weitergehendem Service honoriert: Hinweise auf Veranstaltungen.

Fehlt das Schreibwerkzeug?

Genervte und gestresste Bürger scheiden aber ganz bestimmt einiges ab, wenn sie allein sind und sitzen - auf dem Rathaus-Klo. Sie sind nicht genervt und gestresst oder es fehlt ihnen Schreibwerkzeug. Makellose Türen und Wände. Nur der Geruch ist der für öffentliche WC typische.

Jetzt aber, noch öffentlicher und frequentierter dürfte die Anlage unter dem Maxplatz sein. Mich schaudert's angesichts der vor Jahrzehnten abgespeicherten Eindrücke. Aber bevor man hier was abdrücken darf muss man erst was abdrücken - an die resolute Toilettenfrau. Kein Wunder, dass hier niemand wagt, irgendetwas zu verunzieren. Und ich hätte wetten können, dass hier wahre Sprücheschätze zu heben sind. Ein letzter Versuch, das historische Klo an der Promenade, da war doch noch vor Zeiten immer was geboten. Aus vorbei, weitere 50 Cent wollte ich jetzt nicht investieren, um über noch eine Klofrau Einlass zu bekommen. Zumal die bestimmt in ihr Refugium auch nichts außer festen oder flüssigen Abscheidungen zulässt. Nur außen an der schönen Fassade haben sich Linke und Rechte sowie Sprayer verewigt, nicht eben witzig und auch nicht fantasievoll. Humor ist, wenn man nach so einer Recherche noch Witze macht, über so ein Scheiß-Thema und darüber, dass ich jetzt Expertin für Scheißhaus-Parolen bin.