Marco Meissner Nur einige dumpfe Schläge sind am Waldrand zu hören. In dem vom Nieselregen und Nebel feuchten Boden verschwinden die Metallstifte in Windeseile. Obendrauf eine farbige Kennzeichnung, dann ist Philipp Schinkel fertig. Der Archäologe packt seine Ausrüstung, zieht ein paar Meter auf dem Wall der Heunischenburg weiter und versenkt die nächste metallene Markierung.

"Ich schreibe meine Doktorarbeit, da ist die Heunischenburg eingeschlossen", erklärt Schinkel, warum es ihn als Würzburger auf die historische Anlage bei Gehülz (circa 800 v. Chr.) verschlägt. Dort machen derzeit Drohnen Bilder aus der Luft. Im neuen Jahr sollen Magnetik-Untersuchungen folgen. Durch diese Forschungsmethode ist quasi ein Blick auf das möglich, was sich unter der Erde befindet, ohne graben zu müssen.

Zeitung weckte Aufmerksamkeit

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Den Anstoß für die jetzigen Arbeiten lieferte eine Kronacher Berufskollegin Schinkels, Julia Blumenröther. Auch sie ist vor Ort dabei. "Wir wollen die Heunischenburg touristisch besser einbinden - es ist eine super Fundstelle", erklärt sie, warum sie von der Universität Erlangen aus ihren Blick wieder auf ihre Heimat richtete. "Ich habe in der Zeitung gelesen, dass es schön wäre, wenn auf der Heunischenburg etwas passieren würde."

Gesagt, getan. In der Folge wurden Kontakte zwischen den Archäologen, der Stadt Kronach mit ihrem Museologen Alexander Süß, und heimatkundlich Interessierten geknüpft. Weil das Projekt nun über einen Arbeitskreis ehrenamtlich ausgeführt wird, wird es zu 50 Prozent staatlich gefördert. In dieser Woche haben die Untersuchungen begonnen. Mit den von Schinkel gesetzten Messpunkten soll das Umfeld der urnenfelderzeitlichen Anlage, die als älteste wissenschaftlich erforschte Steinburg Europas nördlich der Alpen gilt, genauer erfassbar gemacht werden.

"Eigentlich ist das Areal im Wald noch fast gar nicht untersucht", sagt Alexander Süß. Das soll sich ändern. Schließlich stehen technologisch inzwischen andere Möglichkeiten zur Verfügung als noch bei den letzten Forschungsarbeiten im Jahr 1983.

Ob es im Waldbereich die damals vermuteten Häuser und Pallisaden gibt? Oder setzte sich der inzwischen teilweise rekonstruierte Wall dort fort? Und welche Geheimnisse verbirgt der Boden im Vorfeld der Burg? In einigen Monaten hoffen die Wissenschaftler schlauer zu sein.

"Etwas ganz Besonderes"

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"Es zweifelt niemand an der herausragenden Bedeutung der Heunischenburg", unterstreicht Bernd Graf. Der Heimatkundler, der dem Arbeitskreis angehört, betont, dass die Ergebnisse der Untersuchungen aus den 80er Jahren nicht infrage gestellt werden sollen. Es gehe vielmehr darum, Details herauszuarbeiten und die Wissenslücken über die historische Anlage zu schließen. Süß stellt heraus: "Die Heunischenburg bleibt, was sie ist - etwas ganz Besonderes."

Die Untersuchungen sollen unter anderem zu einem neuen Beschilderungssystem führen, um die Anlage für die Besucher interessanter und greifbarer zu machen. Später sollen die Erkenntnisse anschaulich in die Öffentlichkeit getragen werden, wie Schinkel feststellt. Genau dafür braucht es seine Eisenstifte in der Erde, die Drohne und die Magnetik, denn "aus den Ergebnissen wird ein hochauflösendes 3D-Modell errechnet". Die perfekte Grundlage für die Öffentlichkeitsarbeit.