Bernhard Panzer

Das neue Kulturfestival der Stadt "hin&herzo" hat einen ersten Meilenstein. In nichtöffentlicher Sitzung hat der Kulturausschuss des Stadtrats beschlossen, wer den ersten "hin&herzo-Projektpreis" bekommen soll. Es ist Tina Essl - eine Tänzerin, die seit einigen Jahren in Herzogenaurach wohnt und das diesjährige Thema des Festivals, die Revolution, professionell umgesetzt habe. Das berichtet Helmut Biehler, der Kulturchef im Rathaus, in einer Pressemitteilung.
Die 43-Jährige will speziell für das dreitägige Kulturfestival eine Tanzperformance schaffen und hat damit mehrere Auftritte, unter anderem im Innenhof der Bäckerei Lang. Das wertete die Jury als überaus positiv,wie Biehler mitteilt. Denn das passe "in hervorragender Weise zum Projekt hin&herzo.
Auch für Tina Essl bedeutet Revolution Bewegung. Gerade die innere Bewegung eines jeden Menschen, die in wenigen Sekunden entstehen könne, sei eine gewisse Revolution. Und so entstand auch die Idee, mit einer Tanzperformance am Kulturfestival teilzunehmen.


Inspiration in Irland

Ihr Thema "1 Sekunde Augenblick - Revolution gegen die Revolution" sei in Irland entstanden, gewissermaßen aus biographischen Eindrücken heraus. "Mich hat ein Straßenpianist inspiriert", sagt sie. Aus der neutralen Menge heraus blieben die Menschen stehen, bildeten mit der Kunst des Musikers eine Gemeinschaft. Das habe sie in einem Tanz umsetzen wollen. Und zum Thema Revolution passe das auch wunderbar. "Jeder Mensch hat seine eigene Revolution". Und innerhalb einer Sekunde könne so eine Revolution in eine andere Richtung gehen.
Tina Essl, die im beruflichen Leben Erzieherin bei der Lebenshilfe in Herzogenaurach ist und zusätzlich noch Heilpädagogik studiert, war schon immer viel in Bewegung. "Ich arbeite viel mit Gefühlen", sagt sie. Das wolle sie im Tanz umsetzen: "Genieße jeden Augenblick. Tanze, tanze, tanze."
Der Kulturausschuss war überzeugt. Einstimmig folgte das Gremium laut Biehler der Empfehlung der Jury und des mit der Programmerstellung beauftragten Kernteams. Die Preisverleihung wird am 29. September im Rahmen des Kulturfestivals stattfinden.
Tina Essl wurde in Friedberg/Hessen geboren, ist in Fürth aufgewachsen und reiste von klein auf viel mit ihrer Familie "quer durch die Welt", bis sie in Franken landete und nun hier ihre Wurzeln sieht. Schon immer war sie viel "in Bewegung", heißt es in der Pressemitteilung der Stadt. Ihren ersten Pokal erhielt sie demnach mit fünf Jahren bei einem Tanz-Improvisationswettbewerb in Kuwait.
Nach einer Erzieherausbildung widmete sie sich intensiv der Kunstsparte Tanz und absolvierte ihre Ausbildung zur Bühnentänzerin an der Schule für darstellende und bildende Künste - "die Etage" in Berlin, berichtet Biehler weiter. Immer im Wechsel mit pädagogischer und künstlerischer Arbeit sei sie inzwischen seit mehr als 15 Jahren als freischaffende Tänzerin, Erzieherin und Tanzpädagogin tätig. Tina Essl tanzte in unterschiedlichen Städten und Ländern bei verschiedenen Choreographen und Kompanien.
In den letzten Jahren, so berichtet Biehler weiter, wurde sie in Herzogenaurach heimisch, erweiterte ihre Interessensgebiete und arbeitete viel mit den ansässigen Choreographen im Großraum Erlangen-Nürnberg-Fürth. Dazu zählen Susanna Curtis, Sebastian Eilers und Carlos Cortizo. Momentan gilt ihre berufliche Aufmerksamkeit der Arbeit mit behinderten Kindern und Erwachsenen. Daneben sucht sie nach neuen tänzerischen und theaterpädagogischen Formen.


Begründung

Zur Begründung der Jury führt Biehler aus, dass bei der bei der Bewertung insbesondere die überzeugende Vorstellung der von ihr vorgeschlagenen Performance und die anspruchsvolle, professionelle Umsetzung des Themas "Revolution" im Tanz gewürdigt wurden. Wörtlich heißt es: "Kreativ, ausdrucksvoll und außergewöhnlich skizzierte Tina Essl in ihrem Entwurf des Projekts eine künstlerisch hochwertige Darbietung."
Zum Ausdruck komme auch, so die Jury, dass sich Revolution, Bewegung und Tanz als drei zusammenhängende, sich bedingende und aufeinander aufbauende Begriffe vorstellen. Erfrischend und für Herzogenaurach weitgehend neu sei zudem das Format. Die Präsentation einer Solo-Tanzdarbietung im eigenen Lebensumfeld erfordere zudem Mut.