"Das ist ein Umweltskandal!" So reagierten etliche FT-Leser auf den Bericht über die illegale Waldrodung und Asphaltablagerung bei Burglesau. Die damit verbundene Frage: "Wann kommt der Dreck wieder weg?", lässt sich nun beantworten. Zumindest, wenn der Verursacher die Vorgabe einhält. "Das Landratsamt hat ihm hierfür eine Frist bis Oktober 2019 eingeräumt", heißt auf eine schriftliche Anfrage des Fränkischen Tags. Der Verursacher habe am 11. September mit der Beseitigung begonnen.

Exakt eine Woche später, am gestrigen Mittwoch sind auf dem Areal immerhin ein Bagger und ein Firmen-Lkw zwischen Asphalthalden zu sehen. Der beladene Laster fährt das Material allerdings nur auf die angrenzende genehmigte Deponie für unbelasteten Bodenaushub und unbelastete mineralische Bauabfälle (DK-0), deren Betreiber die Firma VES/Albin Schmitt aus Viereth ist.

Auch dort hat der Asphalt eigentlich nichts zu suchen, zumindest nicht auf Dauer. Wie das Landratsamt auf Anfrage des Fränkischen Tags mitteilt, ist der illegal abgelagerte Asphalt "nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen nicht teerhaltig" (wodurch er als gefährlicher Abfall nur in besonders überwachten Deponien hätte entsorgt werden dürfen). Jedoch hätte er "nach den Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft vorrangig einer zulässigen Verwertung (z.B. in einer Asphaltaufbereitungsanlage)" zugeführt werden sollen, so das Landratsamt. Gerüchten, der Asphalt stamme möglicherweise von Kreisstraßen, widerspricht das Landratsamt: "Der Tiefbau des Landkreises hat nicht mit dem Unternehmen zusammengearbeitet."

Zudem sei für den Unterbau des illegalen Lagerplatzes Recycling-Bauschutt verwendet worden, der zwar "die einschlägigen Grenzwerte und Vorgaben" einhalte. Allerdings solle solches Material "ebenfalls vorrangig ordnungsgemäß verwertet werden", so das Landratsamt weiter.

Den Bauschutt hatte auch schon der Scheßlitzer Gerald Ziegmann entdeckt, der den Stein Anfang Mai ins Rollen brachte. Ebenso die örtlichen Grünen mit Kreisrat Ralph Behr und der Bundestagsabgeordneten Ursula Sowa, die sich daraufhin Ende Juli vor Ort den "Umweltfrevel erster Güte" ansahen.

Illegal bleibt illegal

Inzwischen hat Sowa Anfragen an das Landratsamt, die Forstbehörde und die Staatsanwaltschaft Bamberg gerichtet, in denen es um die Beseitigungsanordnung und eine Kontrolle der genehmigten Deponien, die Frage der Wiederaufforstung sowie eine eventuelle strafrechtliche Verfolgung geht.

Auch wenn die Abfälle bestimmte Grenzwerte einhalten, so bleibt die Ablagerung und die dafür vorgenommene Rodung von rund 5000 Quadratmeter Wald illegal. Denn am 30. April hatte der Scheßlitzer Stadtrat einen Antrag des Betreibers der genehmigten Deponie einstimmig abgelehnt.

Die Rodung des Waldstücks im Besitz des Deponiebetreibers Alexander Schmitt hat Forstrevierleiter Matthias Ott zufolge bereits im Winter stattgefunden. Da Gerald Ziegmann bereits wenige Tage nach dem Stadtratsbeschluss die Asphalt- und Bauschuttablagerung von teils über zwei Meter Höhe auf einer gut 4000 Quadratmeter großen Fläche entdeckte, muss das Material schon im frühen Frühjahr angefahren worden sein. Also lange bevor über den Erweiterungsantrag entschieden wurde.

Augenmerk auf Deponie

Einwohner von Burglesau und Ehrl, die den regen Schwerlastverkehr sehr wohl registrierten, waren aufgrund des Ausmaßes nicht von einer illegalen Aktion ausgegangen. Was manchen Nachbarn nach der illegalen Aktion nun auffällt, sind die Hügel, die sich inzwischen auf der genehmigten, der Firmenhomepage zufolge seit 2016 in Betrieb befindlichen, Deponie auftürmen. Dort wurde früher Ton abgebaut. Die Gruben sollten dann mit Erdaushub wieder gefüllt und das ursprüngliche Geländeprofil wiederhergestellt werden. Die Deponie wurde daher nur als DK-0 genehmigt.

So sieht das auch der Scheßlitzer Bürgermeister Roland Kauper (CSU), der Anfang der Woche noch nichts von Beseitigungsarbeiten mitbekommen hatte und dem auch keine Informationen dazu vorlagen. "Das muss jetzt die Aufsichtsbehörde regeln", verwies er an das Landratsamt. Die Stadt Scheßlitz habe jedenfalls ein starkes Interesse an der Beseitigung des Asphalts. Auch einen Dauerbetrieb der Deponie sieht er skeptisch, schließlich handle es sich hier um ein "vom Naturschutz her sehr wertvolles Tal".

Dazu gehört auch, dass der Wald wieder aufgeforstet wird, wie es der zuständige Abteilungsleiter im Forstamt in Scheßlitz, Gregor Schießl, vehement fordert. Doch an den Abbruchkanten der Rodung ist zu erkennen, dass für den Bauschutt und Asphalt nicht nur Bäume gefällt, sondern auch eine dicke Schicht Waldboden abgetragen und zerstört wurde.