sigismund von Dobschütz Trotz wachsenden Archivaufkommens und zunehmender Digitalisierung werden kommunale Archive und Registraturen in kleineren Gemeinden meistens von ehrenamtlichen Helfern verwaltet. Diesen Missstand planen die Mitgliedskommunen der Allianz Fränkisches Saaletal durch Einstellung einer interkommunalen, fachlich entsprechend ausgebildeten Archivkraft schnellstmöglich abzustellen.

In seiner jüngsten Sitzung folgte der Gemeinderat Oberthulba dem Beispiel anderer Mitgliedsgemeinden und stimmte diesem Vorhaben einstimmig zu. Die Gemeinde soll sich an den Kosten für eine medien- und informationsdienstliche Fachkraft anteilig beteiligen, sofern eine entsprechende Förderung vom bayerischen Innenministerium zugesagt ist.

Archivpfleger für zwei Orte

Das Archiv der Gemeinde Oberthulba, das im Feuerwehrhaus lagert, wird derzeit von Kreisarchivpfleger Roland Heinlein betreut, der in dieser Funktion bereits seit 2007 für den Sprengel Hammelburg und seit 2014 zusätzlich für den Sprengel Bad Brückenau zuständig ist. Schon deshalb kann er in Oberthulba nur mit unzureichendem Zeitaufwand und meistens nur in akuten Bedarfsfällen tätig sein.

Zu wenig Platz

"Unser Archiv hat nicht die erste Priorität", beschrieb Geschäftsleiterin Nicole Wehner in ihrem Sachvortrag die aktuelle Situation. "Unser Keller platzt aus allen Nähten", ergänzte sie ihren Bericht um den kritischen Zustand der Rathaus-Registratur, in der die alten Akten aufbewahrt sind. Die Einstellung einer Fachkraft durch die Allianz sei deshalb geboten, zumal eines der grundlegenden Ziele der Allianz gerade die Stärkung der Verwaltungskooperation sei.

Nur mit Förderung

Bedingung zur Einstellung einer solchen Fachkraft sei allerdings die Förderung über das Programm Interkommunale Zusammenarbeit des bayerischen Innenministeriums. Die Gesamtkosten einer Archivkraft werden bei einer Laufzeit von fünf Jahren auf 210 000 Euro geschätzt. Den Eigenanteil wollen sich die Allianz-Kommunen nach ihrem satzungsgemäßen Finanzierungsschlüssel teilen. Der Anteil des Marktes Oberthulba liegt dann bei 6300 Euro pro Jahr.

Ein späteres Ziel, ergänzte Geschäftsleiterin Nicole Wehner, sei außerdem die Schaffung eines interkommunalen Zentralarchivs, da die verfügbaren Räumlichkeiten in den Rathäusern an ihre Grenzen stoßen. Über den Standort eines solchen Zentralarchivs und den Arbeitsplatz der einzustellenden Fachkraft soll erst nach der Förderzusage durch das Innenministerium entschieden werden.

Gemeinderat Michael Meindl (BV Thulba), der sich selbst als nebenberuflicher Archivar zu erkennen gab und um die Schwierigkeiten zeitgemäßer Archive wusste, unterstützte den Vorschlag der Verwaltung: "Dieser Schritt ist dringend notwendig."

Kompliment für die Idee

Auch der dritte Bürgermeister Mario Götz (FWG Hassenbach) schloss sich dem an und sprach der Geschäftsleiterin zudem ein "Kompliment für diese Idee" aus: "Dies ist eine echte Aufgabe für die Allianz." Nach Einstellung einer solchen Fachkraft könnten sich die Rathaus-Mitarbeiter auf ihre eigentlichen Aufgaben beschränken.