Wahre Schätze sind im ausgelagerten Archiv im Pretzfelder Bahnhof zu finden. "Hier findet man vor allem Akten aus den alten Gemeindeteilen", informierte die Erste Bürgermeisterin Rose Stark (SPD/Ökol.) die Marktgemeinderäte in der jüngsten Sitzung.
Zu finden sind jedoch auch Amtsblätter aus dem 19. Jahrhundert. "Die waren für den Landkreis. Die wurden vom Amtsboten ausgeklingelt und vorgelesen", erzählte die Bürgermeisterin. Das Amtsblatt vom März 1877 zum Beispiel wurde für die "Königlichen Bezirksämter Forchheim und Ebermannstadt" herausgegeben. Hier wurden "Maßregeln gegen die Rinderpest Im Namen Seiner Majestät des Königs" bekanntgegeben. Bei den Privat-Anzeigen findet man ein Inserat von Johanna Oertel: "Zur gefälligen Kenntnißnahme, Niemanden auf meinem Namen etwas zu borgen, denn ich leiste hierfür keine Zahlung." Oder es wird geworben für "Die Modenwelt". Diese konnte man in Streit's Buchhandlung beziehen oder abonnieren für 1,25 Mark vierteljährlich.
"Das alte Archiv ist in einem beengten und schlechten Raum untergebracht. Es wäre schade, wenn die Dokumente verlorengingen", berichtete Rose Stark. Denn auch noch heute könne die Verwaltung Informationen finden über beispielsweise Wege- oder Fischereirecht. Deshalb schlug sie dem Gremium vor, dass trotz der Erhöhung der Kosten die Maßnahme der Revitalisierung des Vereinsheims weiter durchgeführt werden solle. Das Gebäude soll umgebaut werden, damit es von den Vereinen weiterhin genutzt werden kann, aber im Dach soll zukünftig das alte Archiv untergebracht werden. Dieses Projekt läuft im Rahmen des Kommunalinvestitionsprogramms (KIP).


Zuschuss fällt geringer aus

Die Räte hatten im Februar 2016 beschlossen sich am Bewerbungsverfahren zu beteiligen. Nachdem Pläne, Konzept und Kosten erstellt worden waren, war der Antrag im September der Regierung von Oberfranken vorgelegt und im Juni 2017 bewilligt worden. Allerdings fällt der Zuschuss geringer aus, da das Archiv von der Verwaltung genutzt werden kann und damit nicht förderfähig ist.
Die Gesamtkosten der Maßnahme werden auf 375 000 Euro geschätzt. Die Marktgemeinde hatte mit einem Zuschuss von 337 500 Euro gerechnet. Dieser wurde um die Kosten für das Archiv gekürzt; es wurden 288 000 Euro bewilligt. Das bedeutet eine Erhöhung des Eigenanteils des Marktes Pretzfeld um 49 500 Euro auf 87 000 Euro. Rose Stark schlug auch vor, später eine Fachkraft mit der Sortierung und Archivierung der Dokumente zu beauftragen. "Das habe ich schon immer gefordert", warf Karl-Ludwig Grodd (WPA) ein.
Auch zweiter Bürgermeister Walther Metzner (WPA) machte sich für das Projekt stark und zeigte auf, dass die Gemeinde trotz der Kürzung im Projekt sei und eine Förderung erhalte. Renate Hofmann (WIR) fragte nach, ob der Dachboden des Vereinsheims die schweren Dokumente überhaupt aushalte. Rose Stark konnte sie beruhigen, das sei eingeplant.


Wer hat noch Dokumente

Marktgemeinderat Grodd erinnerte daran, dass alte Dokumente im Dach des Rathauses dieses um zwei Zentimeter gesenkt habe. Rose Stark möchte nach Fertigstellung des Archivs auch bei Privatpersonen fragen, ob sie noch Fotos oder Unterlagen, die für die Gemeinde relevant sind, zur Archivierung ins Vereinsheim geben wollen. Die Räte beschlossen, dass die Maßnahme wie ursprünglich beschlossen durchgeführt wird.