Hat Flechten Zukunft und wie sieht es für angehende Flechtwerkgestalter am Standort Lichtenfels und in der Region Obermain aus? Auf all diese Fragen versuchte der Geschäftsführer des ZEF (Zentrum Europäische Flechtkultur), Manfred Rauh, in seinem Vortrags im Stadtschloss eine Antwort zu geben. Um es vorwegzunehmen: Rauh beantwortete die erste Frage mit einem klaren "Ja".
Rauh erinnerte an die "Visionen 2020" und an das Programm "Stadt und Geflecht". Letzteres geschah aus der Erkenntnis heraus, dass an den Eingängen der Stadt und im Stadtbild das Thema Flechten präsenter sein müsse. Vor allem auch außerhalb des Korbmarktes. Dazu wurde das Kooperationsprojekt "Stadtplätze" initiiert. Das sehe unter anderen die Entwicklung des Stadtschlosses zum kulturellen Zentrum vor und den Marktplatz als wichtiges Zentrum der Korbstadt. "Man kann noch so schöne Pläne machen, zur Umsetzung braucht es das Handwerk", sagt Rauh.
Im Bereich des architektonischen Flechtens sieht er ein weites Betätigungsfeld für das Handwerk. Bereits heute gebe es im Stadtbild Großinstallationen wie die "Ameise" bei der Bahnunterführung oder den "Flechtpavillon" am Bahnhofsvorplatz. Auch in der Wartung und bei der Erneuerung bestehender und künftiger Objekte sei das Handwerk gefragt.
Hier sieht Rauh für angehende Flechter die Möglichkeit zur Spezialisierung und einen wichtigen Absatzmarkt für kreative Produkte. Beim Projekt Stadtmöblierung starten in Kürze die Ausschreibungen für weitere Objekte. Jetzt im Juli beginne die Umsetzungsphase eines weiteren flechterischen Großprojekts, einer Flechtskulptur am Kreisverkehr in Kösten. Was noch fehle, wäre der Bereich Gartengestaltung, beispielsweise für einen Sichtschutz.
Rauh bedauerte, dass es bislang noch kein Ladengeschäft in der Lichtenfelser Innenstadt gebe, in dem es Flechtwerk zu kaufen gebe. Ein weiteres Betätigungsfeld für Flechtwerkgestalter wären Workshops und Kurse oder die Kooperation mit Schulen.
Rauh könnte sich auch ein Forschungsprojekt zum Thema "Naturstoffe ersetzen Kunststoffe" vorstellen. Wer weiß, vielleicht könnte künftig die Ladestation eines Handys aus Flechtmaterial bestehen?


Flechten zum Thema machen

Die Zukunft werde davon abhängen, inwieweit Flechter für sich selbst eine Zukunft sehen und ob es gelingt, das Thema Flechtkultur national wie international zu einem "It-Thema" zu machen. Wie die Zukunft des Handwerks aussieht, wohin die Entwicklungen gehen, das können letztlich nur die Flechter selbst entscheiden. Lichtenfels und die Region am Obermain seien auf jedem Fall ein guter Ort, um diesen Beruf erfolgreich auszuüben.