Wie wollen wir künftig arbeiten? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine von vier Arbeitsgruppen bei der Denkwerkstatt "Bamberg 2050", zu der FT und VHS Bamberg-Stadt im Januar eingeladen hatten. Die sehr vielseitigen Ergebnisse bewerten und ergänzen nun die Stadtratsfraktionen.

Welcher Vorschlag überrascht Sie am meisten?
CSU (Helmut Müller): Für mich ist kein überraschender Vorschlag ersichtlich.
SPD (Klaus Stieringer): Alle eingebrachten Gedanken und Ideen sind es wert, beachtet und berücksichtigt zu werden. Die Arbeitswelt befindet sich auch in unserer Region im Umbruch. Die Herausforderungen der Zukunft bedürfen neuer Ansätze mit einer gelebten und geförderten Gründerkultur, neuen Lebens- und Arbeitswelten, innovativen Thinktanks, modernen Co-Working-Spaces und besser vernetzten Arbeitsplätzen.
GAL (Jonas Glüsenkamp): Es ist spannend, dass die Teilnehmer im Themenfeld Arbeit keine auskömmlichen Gehälter oder Entfristungen fordern. Vielleicht hat die Zusammensetzung der Gruppe diese Forderungen nicht ergeben, wir halten sie dennoch für sehr relevant.
Bamberger Allianz (Dieter Weinsheimer): Spontan der Lösungsvorschlag "Bamberg-Portal organisiert das Ganze". Wir verstehen das zunächst als zielgerichtetes Engagement aus der Bürgerschaft. So sehr wir das begrüßen würden, sind wir bei solchen Vorschlägen skeptisch. Überrascht hat uns andererseits, dass das produzierende Gewerbe als bedeutender Faktor überhaupt nicht angesprochen wird.

Hinter welchen Ideen könnte sich Ihre Fraktion stellen und ihre Umsetzung fordern?
CSU: Wir haben im Bambergplan 2014 - 2020 den flächendeckenden Ausbau schneller Internetverbindungen gefordert. Die Stadtnetz Bamberg GmbH hat daher bei der Glasfasererschließung nicht nur in der Stadt unsere volle Unterstützung.
SPD: Wir unterstützen nicht nur die Ergebnisse der Denkwerkstatt, sondern können uns z.B. auf dem angedachten neuen Gewerbegebiet sogar eine kurzfristige Umsetzung vorstellen. Die SPD sieht hier die einzigartige Möglichkeit eines grünen Silicon Valleys in Bamberg, in dem die digitale Entwicklung unserer Zukunftsregion als IT Cluster mit digitalem Gründerzentrum und lebendiger Startup-Szene sowie neuen Arbeits- und Lebensräumen gefördert werden. Hier haben wir die einzigartige Möglichkeit, die digitale Transformation der bestehenden Leitindustrien in Bamberg mit den Ergebnissen der Denkwerkstatt nachhaltig voranzutreiben.
GAL: Wir unterstützen alle genannten Ziele, die meisten können allerdings ehrlicherweise vom Stadtrat nur indirekt angestoßen, aber nicht selbst umgesetzt werden.
BA: Das Ziel und der Weg der Ideen beim Schwerpunkt IT sind wichtige Voraussetzungen zur Umsetzung der Inhalte vom Schwerpunkt Zeitmanagement. In der Praxis der kommunalen Politik erscheint uns aber der Schwerpunkt IT eher umsetzbar. Dieser liegt mehr bei den Bildungsträgern und Arbeitgebern sowie dem Engagement bewusster Menschen.

Welche Ansätze hat Ihre Fraktion bei diesem Thema?
CSU: Die CSU-Fraktion hält zur Reduzierung des Pendelns in andere Orte die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Stadt für das beste Rezept. Während zum Beispiel Homeoffice Sache der jeweiligen Firmen ist, kann der Stadtrat die Voraussetzung für die Ansiedlung neuer Dienstleister schaffen. Und damit sind wir beim Gewerbepark an der Geisfelder Straße.
SPD: Die Bamberger SPD wird auch zukünftig dafür sorgen, dass auch in einer digitalisierten Arbeitswelt die betriebliche Mitbestimmung wirksam erhalten bleibt. Das heißt ganz besonders: Wir müssen Fort- und Weiterbildung ausbauen und stärken, die Kreativität durch neue Arbeitsumfelder fördern, Unternehmen bei der Schaffung von Heim-Arbeitsplätzen und zusätzlicher Kinderbetreuung unterstützen sowie Co-Working-Spaces anbieten, damit möglichst viele Menschen beruflich mithalten und Familie und Beruf vereinbaren können.
GAL: Als Grüne setzen wir uns für regionale Wirtschaftskreisläufe ein. Das fördern gemischte Quartiere, in denen Menschen besser Wohnen, Arbeiten und Freizeit verbinden können. 2050 werden wir noch mehr lokale Produkte konsumieren, sie teilen und digitaler arbeiten. Um Bamberg fit für diese Entwicklung zu machen, soll ein "Zukunftsbeirat" mit externen Akteuren die Stadt jenseits von Lobbyinteressen beraten und alte Strukturen aufbrechen.
BA: Die Lösungsvorschläge beim Zeitmanagement spielen im Stadtrat bei Fragen der Pendler nach anderen Städten und auch in die Stadt eine Rolle. Wir halten deshalb die Fortentwicklung eines entsprechenden Nahverkehrsplans und die Anbindung per Bahn (S-Bahn) an unsere Nachbarstädte für wichtig. Für den Ausbau eines leistungsfähigen Digitalinfrastruktur und eines öffentlich zugänglichen WLAN-Netzes in bestimmten Stadtbereichen haben wir uns wiederholt eingesetzt. mm