Seit 28 Jahren lebt der gebürtige Sudetendeutsche Anton Hager in Kulmbach, wo er jetzt im Kreis der Familie seinen 90. Geburtstag feierte. 1946 kam der gelernte Schmied im Alter von 17 Jahren mit seiner Mutter und zwei seiner drei Geschwister zunächst in die damalige DDR, dann ging es weiter nach Leutershausen bei Ansbach. Dort lernte er seine Frau Anna kennen, mit ihr ist er seit 69 Jahren glücklich verheiratet.

"Nach Kulmbach kam ich, weil meine Tochter irgendwann hierher zog", erzählte der rüstige Jubilar. Als der ehemalige Eisenbahner in Pension ging, bezog er mit seiner Anna eine Wohnung in Kulmbach, Tochter und Schwiegersohn wohnen gleich nebenan. "Ich war vorher nie in Kulmbach, wollte aber immer schon mal hierher - wegen des Bieres", verriet er.

Rührend kümmert sich Anton Hager um seine Frau, erledigt die Einkäufe noch selbst, steigt fast täglich hinauf in die Wohnung im zweiten Stock. "Ich habe auch vor fünf Jahren mit dem Autofahren aufgehört, denn ich habe mir fest vorgenommen, nach 53 unfallfreien Jahren einmal daheim im Bett zu sterben und nicht auf der Straße."

Anton Hager ist fit, körperlich wie geistig, und am liebsten würde er noch viel aktiver sein. "Ich habe immer viel repariert und gebastelt", erzählte er, und seine Familie hat es ihm gedankt. Für Tochter Renate Köhler war der Vater der beste Freund, und auch Werner Hager kann nur Gutes über den Vater berichten, er "würde ihn nicht eintauschen wollen."

Gereist ist Anton Hager nicht so viel, auch wenn er, oder gerade weil er bei der Bahn arbeitete. Allerdings hat sich die Familie oft spontan den Wohnwagen geschnappt und ist für ein paar Tage weggefahren, "bis nach Lourdes". Sein Fazit: "Ich kann nur sagen, dass wir reiche Leute sind, weil wir zufrieden sind mit dem, was wir haben."

Diese positive Lebenseinstellung gibt der Jubilar an seine beiden Kinder, die zwei Enkelkinder und die beiden Urenkel gerne weiter. Uschi Prawitz