Niklas Schmitt Gleich zu Beginn des zweiten Prozesstages hat der Angeklagte zumindest in einem Fall Klarheit geschaffen. Sein Verteidiger Albrecht Freiherr von Imhoff verlas gleich am Anfang eine Erklärung. Der 20-Jährige gibt zu, mit seiner damals 13-jährigen Freundin Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.

Das ist der Hauptvorwurf, der dem jungen Mann vor dem Landgericht gemacht wird. Die weiteren Delikte wie schwere räuberische Erpressung, Einbruch oder Diebstahl sind diesem Fall eingegliedert worden.

Vor allem Freunde gehört

So bleiben trotz dieses Geständnisses noch einige Fragen offen. Doch auch um die schwere des Missbrauchs bewerten zu können, bedurfte es noch weiterer Zeugen. Gehört wurden vor allem die ehemaligen Freunde des Angeklagten und seine Ex-Freundin. Die sagte aus, dass es zwar zu einvernehmlichem Sex zwischen ihnen gekommen sei, der Angeklagte sie jedoch dazu überredet habe, auf Verhütungsmittel zu verzichten.

Die damals 13-Jährige wurde schwanger und verlor das Kind. Außerdem, so ergab eine Nachfrage von Richter Christoph Gillot, liebten sich die beiden.

Die Mutter sagte aus, dass sie, wenn auch nicht per se gegen die Beziehung war, so doch dem Angeklagten klargemacht habe, dass er sich durch Geschlechtsverkehr mit ihrer Tochter strafbar machen würde. Im Verlauf der Beziehung, die seit Anfang 2018 etwa ein Jahr andauerte, verbot sie ihrer Tochter den weiteren Umgang mit ihrem Freund. Vor allem, weil dieser häufiger aggressiv ihr gegenüber wurde, so die Mutter. Sogar zur Schule gefahren und von dort abgeholt hat sie ihre Tochter, um den Kontakt zu unterbinden, da er häufiger vor der Schule wartete. Außerdem, so führte die Mutter weiter aus, hätte die Familie des Angeklagten Ärger gemacht.

Allerdings fand das Paar immer wieder Möglichkeiten, sich heimlich zu treffen. In den letzten Monaten führten die beiden vor allem eine Art On-off-Beziehung.

Als Grund für die endgültige Trennung führte das Opfer an, "weil er sich immer umbringen wollte". Drohungen, die er, wie das Mädchen sagte, häufiger machte, jedoch ohne dem konkrete Versuche folgen zu lassen. "Ich glaube schon, dass er das ernst meinte", sagte die Schülerin aus. Jedoch schwand dieser Glaube im Laufe der Zeit.

Während dieses Verhältnis sehr belastet war, hat der Angeklagte angeblich weitere Taten begangen, für die er sich nun vor Gericht verantworten muss.

Besonders schwer wiegt die räuberische Erpressung. Mit einem Messer soll er einen 14-Jährigen und ehemaligen Freund bedroht haben, um zehn Euro von diesem zu erhalten. Das zumindest sagten der Junge und die Ex-Freundin des Angeklagten vor Gericht aus. Der 20-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Er habe niemandem mit dem Messer bedroht und Geld verlangt. Das sei eine erfundene Geschichte der beiden anderen.

Das Problem in diesem Fall liegt darin, dass es außer den Aussagen der beiden Schüler keine weitere Zeugen gibt, die ihre Version stützen könnten. So steht in diesem Fall die eine Aussage gegen die beiden anderen.

Richter Gillot wies den Zeugen auf die Folgen seiner Aussage hin und meinte, dass er diese vielleicht noch einmal überdenken solle: "Wenn es so war, wie Sie sagen, dann hat das erhebliche Konsequenzen." Doch der Schüler blieb dabei, auch wenn er nun vor Gericht aussagte, das Geld aus der Hosentasche gezogen zu haben, während die gemeinsame Bekannte gesagt hatte, er hätte es in seiner Handyhülle gehabt.

Nur selten betrunken gesehen

Neben diesem schweren Vorwurf ging es in der Verhandlung zudem um den Diebstahl eines Fahrrads, den der Angeklagte ebenso abstreitet. Der Schüler hingegen sagte: "Ich weiß, dass er das Fahrrad geklaut hat." Doch musste er seine Aussage dahingehend einschränken, dass er die Tat selbst nicht beobachtet habe. Lediglich gehört habe er, wie der Angeklagte mit anderen darüber gesprochen habe, das Rad mitzunehmen.

Auch wenn es an diesem Prozesstag nicht um den Vorwurf des Einbruchs in ein Vereinsheim ging, konnten die Zeugenaussagen auch zu diesem Fall beitragen. So sagten die beiden aus, den Angeklagten noch nie mit Drogen und nur selten betrunken gesehen zu haben. Der hatte zu dem Einbruch ausgesagt, sich aufgrund erheblichen Alkoholkonsums nicht mehr an den Abend des Einbruchs zu erinnern. Fortgesetzt wird der Prozess am 21. Oktober.