Immer, wenn irgendwo in der Welt eine Katastrophe passiert, spielen Amateurfunker eine äußerst wichtige Rolle. Am Samstag führte die Notfunkgruppe des Herzogenauracher Ortsverbands im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) im Ortsteil Höfen eine Übung durch. Ziel war es unter anderem, zu testen, wie Funkamateure bei einem Katastrophenfall oder bei einem Komplettausfall der herkömmlichen Kommunikationswege sowie einem Stromausfall mit den Behörden und Rettungsorganisationen in Verbindung treten, und einen sich selbst organisierender Notfunkverkehr aufzubauen.

Wie Robert Weigl vom DARC-Ortsverband Herzogenaurach erklärte, wird ein Funkbetrieb als Notfunk bezeichnet, wenn Funkamateure die Hilfsorganisationen, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) bei Katastrophen oder Großschadensereignissen unterstützen oder empfangene Notrufe weiterleiten. Oft schon sei in den Medien von humanitären Hilfeleistungen durch Funkamateure berichtet worden. Stets seien es Funkamateure gewesen, die mit ihrer Technik die ersten Funkverbindungen in Katastrophenregionen aufgebaut hatten. Funkamateure sind laut Weigl in der Lage, auch dann noch Kommunikationsverbindungen herzustellen, wenn Telefon, Handynetze, Internet und sogar das Stromnetz ausgefallen sind.

Amateurfunk ist nicht nur ein faszinierendes Hobby, sondern erfüllt auch eine Zivilschutzfunktion im Katastrophenfall. Im Gesetz über den Amateurfunk ist diese Aufgabe normiert: "Der Deutsche Amateur-Radio-Club e.V. schafft die Basis für Funkamateure zur Unterstützung in Not- und Katastrophenfällen in den Distrikten und den Ortsverbänden." Auf der lokalen Ebene ernennen die Ortsverbandsvorsitzenden einen Notfunkreferenten bzw. -beauftragten oder bei OV-übergreifenden Notfunkgruppen bestimmen die Gruppen einen Gruppenbeauftragten, der die Koordination innerhalb der Gruppe bei Übungen, Schulungen und Informationsaustausch übernimmt und mit den örtlichen Behörden und Hilfsorganisationen die Zusammenarbeit koordiniert. Im Ernstfall alarmiert und leitet oder koordiniert er den Einsatz der Gruppe in der Kommune oder dem Landkreis. Für den Ortsverband Herzogenaurach (B40) hat der Ortsverbandsvorsitzende Ottmar Beierl als Notfunkreferenten den Funkamateur Uli Stöcker ernannt. An der Notfunkübung Franken nahmen Notfunkstationen aus Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken teil. Die Notfunkgruppe aus Herzogenaurach platzierte sich auf dem Spielplatz in Höfen. Zum Start der Übung wurden Detailinformationen zu Szenario und Ablauf durch die Notfunkstelle Bayreuth übertragen.

Verzicht auf das Stromnetz

Die Übung sollte zeigen, dass die Funkamateure in der Lage sind, stromunabhängig Informationen über Hunderte von Kilometer zu verteilen und an eine Leitstelle zu senden. Hauptsächlich wird auf Kurzwelle und UKW gefunkt. Als Stromquellen stehen nur Batterien, Solarenergie und Akkus zur Verfügung. Auf das Stromnetz wird komplett verzichtet.

Wurde Amateurfunk in Vor-Handy-Zeiten auch privat, zum Beispiel in Fahrzeugen, oft praktisch genutzt, ging die Verbreitung in den vergangenen Jahrzehnten stark zurück und entwickelte sich mehr zur Liebhaberei, doch die Technik bleibt robuster als andere Kommunikationsarten. In dünn besiedelten Gegenden der Erde spielt Amateurfunk auch heute noch eine notwendige Rolle.

Die Einstiegshürde ist relativ hoch: Wer selbstständig funken will, braucht eine Lizenz und entsprechendes Equipment. Dennoch hat die unmittelbare Kommunikation auch über Ländergrenzen hinweg nichts von ihrer Faszination verloren, mehr als 60 000 Amateurfunker sind in Deutschland lizenziert. Beispiele für angewandten Notfunk auch in Deutschland gibt es einige, unter anderem übernahmen beim Unglück von Ramstein 1988 Amateurfunker Teile der Kommunikation, als das Telefonnetz zusammenbrach. Zuletzt wurde der Notfunk in Deutschland 2002 bedeutend, als beim Elbehochwasser im Bereich Bitterfeld der Behördenfunk sowie die Handynetze wegen Überlastung ausfielen.

Mit den batteriebetriebenen Geräten der Funkamateure kann Kommunikation in Einsatzgebieten sichergestellt bzw. können Notrufe aus der Bevölkerung abgesetzt werden, wenn das Handynetz oder die Festnetztelefonie längst zusammengebrochen sind. Dass das tatsächlich gut funktioniert und kein theoretisches Szenario ist, bewies die nun abgehaltene Übung.