Normalerweise müssten an dieser Stelle zwei Stellungnahmen stehen. Weil bei diesem Thema aber rein gar nichts normal ist und die Argumente für den Abriss des Hallenbades bzw. für dessen Sanierung schon bis zum Erbrechen vorgetragen wurden, haben wir darauf verzichtet. Wenn man etwas zum 100. oder sogar zum 1000. Mal sagt, wird es auch nicht besser und auch nicht richtiger. Außerdem müssten wir mit Argusaugen darüber wachen, dass keine Seite auch nur einen Buchstaben mehr bekommt als die andere. Also lassen wir es. Es ist sowieso alles gesagt, sogar ein wenig zu oft.

Das Münnerstädter Hallenbad, geschlossen vor über neun Jahren, ist der Zankapfel schlechthin geworden. Das liegt vor allem daran, dass es einigen Beteiligten gar nicht ums Hallenbad geht. Es geht um Recht behalten, um Recht bekommen, es geht um Verletzungen, um Rache und auch darum, der Gegenseite ordentlich eins reinzuwürgen. Das hat inzwischen das Klima im Stadtrat total vergiftet und treibt einen Keil durch die ganze Bevölkerung. Mit einer katastrophalen Außenwirkung für Münnerstadt.

Es gibt die Enthusiasten, die unbedingt wollen, dass im Hallenbad wieder geschwommen werden kann. Deshalb engagieren sie sich unermüdlich für die Sanierung. Auf der anderen Seite stehen die, denen eine Sanierung zu teuer ist. Sie meinen, dass Münnerstadt gar kein Bad braucht und wollen den Abriss. Diese beiden Positionen wären total in Ordnung, wenn es nicht Leute gäbe, die auf einer der beiden Seiten aktiv geworden sind, um - manchmal ganz persönlich - gegen die andere Seiten zu kämpfen. Bei der Wahl der Mittel sind manche alles andere als zimperlich.

Wie verfahren die Situation ist, zeigt sich ja schon daran, dass beide Seiten das gleiche Gutachten benutzen, um ihre Positionen zu bekräftigen.

Zweimal hat der Stadtrat den Abriss des Hallenbades beschlossen. Mit elf zu zehn Stimmen war das zwar denkbar knapp, aber elf Stadträte sind nun einmal mehr als zehn. Das ist Demokratie. Die hat auch vorgesehen, dass die Bürger sich gegen einen Beschluss stellen können, was ja mit dem Bürgerentscheid zum Kostenvergleich Abriss/Sanierung geschehen ist.

Nach erneutem Abrissbeschluss haben die Hallenbadfreunde wieder Unterschriften gesammelt. Jetzt wollen sie direkt die Sanierung. Das ist alles legitim, auch, dass der Stadtrat mehrheitlich ein Ratsbegehren für den Abriss entgegen gesetzt hat.

Und darum geht es am Sonntag. Abriss oder Sanierung - das ist nun die Frage. Eine Frage, die endlich endgültig beantwortet werden muss. Mit so vielen Stimmen wie nur irgend möglich. Denn nur so ist das Ergebnis auch authentisch.

Die jüngst ins Spiel gebrachte alternative Nutzung des Bades indes steht nicht zur Abstimmung, auch wenn das sicherlich für viele eine gute Lösung wäre. Das Ratsbegehren bezieht sich nach Mehrheitsbeschluss auf Abriss, das Bürgerbegehren auf Sanierung. Ein zweites Ratsbegehren auf alternative Nutzung darf es nicht geben, ein weiteres Bürgerbegehren zu diesem Thema hat nicht stattgefunden. Und somit bleibt es bei Abriss oder Sanierung.

Den Wählern zu empfehlen, für die Sanierung zu stimmen, um eine alternative Nutzung zu erreichen, halte ich für absolute Irreführung, vor allem auch, weil hier Fördermittel suggeriert werden, die rein theoretisch zwar möglich, aber keinesfalls zugesagt sind. Natürlich kann man ein abgerissenes Bad nicht mehr alternativ nutzen, also macht die Aussage prinzipiell Sinn. Und mir persönlich wäre es auch völlig Wurst, ob dort eine Veranstaltungshalle entsteht oder womöglich ein Übungszentrum für Seebestattungen. Fakt ist, dass die Hallenbadfreunde neun Jahre lang für das Schwimmen im Hallenbad gekämpft und viele Münnerstädter ihre Unterschrift unter das Bürgerbegehren für eine Sanierung gesetzt haben, nicht für eine alternative Nutzung. Dafür gab es eine Chance, aber die wurde verpasst. Also geht es am Sonntag um Abriss oder Sanierung und um nichts anderes. Egal ob Schwimmen oder Abrissbirne: Das Thema muss entschieden werden. Endgültig.

t.malz@infranken.de