Natürlich schickte auch der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder ein Geschenk mit einem Glückwunschschreiben. Zum Vorschein kam die Sonderedition eines Schals, der neben dem Wappen Motive aus dem Schleißheimer Schloss zeigte. "Soll ich mir das Tuch jetzt um den Bauch binden", meinte sie schmunzelnd zu Bürgermeister German Hacker, der seiner Oma im Namen der Stadt, aber auch persönlich gratulierte.


Pferdekutsche

106 Jahre - was kann da alles passieren? Und wie sehr wandelt sich die Welt? Helga Kuno hat es erlebt. Am gestrigen Freitag feierte sie ihren 106. Geburtstag - sie ist damit laut Stadt die älteste Bürgerin Herzogenaurachs. Als Helga Etzel 1912 geboren wurde, war Kaiser Wilhelm II. Regent in Deutschland, auf den Straßen fuhren noch Pferdekutschen und in Stockholm begannen die Wettbewerbe zu den fünften Olympischen Spielen und auf ihrer Jungfernfahrt sank die Titanic.
Seit ihrem 95. Lebensjahr wohnt sie im Liebfrauenhaus und nimmt regen Anteil am Weltgeschehen und der Politik. Hier fühlt sich das Geburtstagskind immer noch wohl und unternimmt täglich ihre Spaziergänge auch in die Stadt. "Bewegung" ist eines ihrer Lebens-Mottos, "wenn ich was brauche, dann geh ich halt in die Stadt". So ist sie nahezu jeden Mittwoch bei den Marktständen anzutreffen. Den Weg geht sie mit dem Stock, "ich sehe halt nicht mehr so gut, aber ich kenne jeden Pflasterstein, der eine Stolperfalle ist", verriet sie dem Bürgermeister.
Bis auf das schlechter werdende Augenlicht erfreut sie sich nach wie vor bester Gesundheit und hat eine enge Verbindung zu ihrer Familie. Die Großmutter des Herzogenaurachers Bürgermeisters ist eine beeindruckende Dame und stolz auf ihren Enkel German Hacker. "Ich kann auf alle stolz sein, wir verstehen uns alle gut!" Was sicherlich auch an ihr liegt, denn sie ist eine sehr humorvolle Erzählerin und ihre Geschichten gehen zurück bis in ihre Jugendzeit.


Interesse am Tagsgeschehen

Spaziergänge und das Interesse am Tagesgeschehen der Stadt gehören nach wie vor zum Alltag von Helga Kuno. Und das im Alter von 106 Jahren. Ein langes Leben liegt anscheinend in der Familie, denn ihre Schwester Anni wurde 97 Jahre alt. Zur Familie von Helga Kuno gehören sechs Töchter und zwei Söhne, 18 Enkel und 25 Urenkel und seit November auch eine Ur-Ur-Enkelin. Vor allem den älteren Herzogenaurachern ist der Name Kuno ein Begriff. Der Ehemann war Zahnarzt und in dieser Eigenschaft auch in den Herzogenauracher Schulen tätig.
Nach Herzogenaurach kam die Jubilarin über Berlin und München. Ihre Erziehung erhielt sie im Internat der Maria-Ward-Schwestern in Bamberg. Und sie erlebte ihre Schulzeit gemeinsam mit Magdalena Metschnabl, die im Jahr 1941 Anlass für einen Aufstand der Frauen in Herzogenaurach war, als die Schulkreuze aus den Klassenzimmern abgehängt werden sollten.
Das Licht der Welt erblickte Helga Kuno, geborene Etzel, 1912 in Baunach und kam als Apothekenhelferin nach Herzogenaurach. Dort lernte sie den Zahnarzt Herbert Kuno kennen, der seine Frau verloren hatte und drei kleine Kinder versorgen musste. Die Zahnarztpraxis befand sich im Obergeschoss des Gasthauses Ansbacher Tor an der Hauptstraße. Nach ihrer Heirat war Helga plötzlich dreifache Mutter. Auf die Frage nach eigenen Kindern sagte ihr Mann damals zu ihr: "Das hat noch Zeit, du hast ja bereits drei", so dass acht Sprösslinge in der Familie zu versorgen waren. Schmunzelnd erzählte sie von der Geburt ihrer Zwillinge und in der Klinik präsentierte der Professor ihrem Mann mit "das ist Baby Nummer eins". Da verlangte ihr Mann ein Glas Wasser, aber der Professor meinte, wir brauchen wahrscheinlich Sekt und präsentierte später das zweite Baby.
Da sie schon früher ihren Vater bei der Jagd begleitete, drängte sie ihr Mann auch zum Jagdschein. "Da war im Burgstaller Wald ein ganz besonderes Exemplar dabei, den habe ich ständig beobachtet, weil er sich so komisch benahm, also musste ich ihn schießen", erzählt sie. "Nachdem der Bock lag, sah ich auch, warum er sich so komisch benahm, vom Gehörn war eine Stange abgebrochen und beim Nachschieben bohrte sich die ins Auge."


Gute Gesundheit

Helga Kuno ist aber auch eine wichtige Zeitzeugin der Aurachstadt. Zwei Jahrhunderte mit zwei Weltkriegen hat sie erlebt. Vielleicht liegt ihre gute Gesundheit in den Genen, vielleicht gibt es einen anderen Grund: Ob Helga Kuno ein Geheimrezept dafür hat? "Ich mache nichts besser als andere", sagt sie bescheiden.
Noch heute hat die hellwache Dame viele Beschäftigungen und ist stets neugierig. Doch ein Geheimnis gab sie preis, sie trinkt jeden Tag eine Weinschorle und die muss aus Frankenwein sein. "Frankenwein stärkt die Knöchle", rät sie kopfnickend.