Das waren noch Zeiten, als die US-Armee zum Stadtbild in Bad Kissingen gehörte. Nicht alle Kommandanten suchten den Kontakt zu den Kissingern, andere bemühten sich sehr um die Zusammenarbeit mit Landkreis und Stadt Bad Kissingen.

Kreiskulturreferent Werner Eberth berichtete in seinem Vortrag von der Geschichte der US-Garnison in Bad Kissingen seit Ende des Zweiten Weltkriegs bis zu ihrer Verlegung nach Fulda. 1992 wurde die US-Garnison Bad Kissingen aufgelöst. Sein Vortrag in der Oberen Saline war gut besucht, einige Besucher steuerten auch ihre eigenen Erinnerungen dazu bei.

Eberth schilderte die Geschichte der ehemaligen Manteuffel-Kaserne, die 1937 erbaut und 1945 unbeschädigt von den Amerikanern übernommen wurde. Sie erhielt die Bezeichnung "Daley-Barracks". Da 1945 alle Sanatorien und Kliniken mit Verwundeten belegt waren, suchte die Wehrmacht Kontakt zu der vorrückenden US-Armee. Man war sich darüber einig, dass der Schweizerhaus-Steg wegen der anhängenden Versorgungsleitungen nicht gesprengt werden sollte. Die Amerikaner stellten nach kampflosem Einmarsch schnell fest, dass der Steg mit einem beidseitigen Abstand von etwa zwei Fingerbreiten mit Jeeps zu befahren war.

Die Bad Kissinger Garnison nannte sich "Eaglehorse" mit einem schwarzen Pferd auf rot-weißem Grund als Wappen. Sie bestand aus der 2. Schwadron des 11. gepanzerten Kavallerieregiments mit Sitz in Fulda. Die zahlreichen Panzer und sonstige Armeefahrzeuge parkten hinter der Kaserne schon auf der Gemarkung von Hausen.

Um das Verhältnis zu den Amerikanern in Fluss zu halten, traf man sich vier bis sechsmal im Jahr zu einem Gespräch an verschiedenen Standorten. Leider sind bei der Stadt Bad Kissingen über diese Sitzungen keine Protokolle erhalten, die des Landkreises, abgegeben an das Staatsarchiv Würzburg, sind sehr lückenhaft. Manche US-Kommandanten sprachen kein Wort Deutsch und legten keinen großen Wert auf Kontakt. Andere waren jedoch sehr bemüht und pflegten die Zusammenarbeit. Die Amerikaner kamen zu den Sitzungen mit einer Dolmetscherin, wobei diese wegen Alkoholgenusses bei einer Sitzung in Nüdlingen Angaben des damaligen Bürgermeisters Franz Nicolai völlig falsch übersetzte. Der US-Standortkommandant drohte daraufhin, mit Dutzenden von Jeeps und Panzern den Wald von Nüdlingen zu stürmen.

Kurverwaltung, Landkreis und Stadt Bad Kissingen waren bei diesen Sitzungen mit ihrem Juristen vertreten, wobei Kurdirektor a.D. Walter Rundler an dem Treffen in der Oberen Saline nicht teilnehmen konnte.

Da das Aktenmaterial sehr dürftig ist, beruhen die nachfolgenden Schilderungen auf persönlichen Erinnerungen. In guter Erinnerung sei ein Standortkommandant geblieben, der bei einem Frühjahrs-Umtrunk beim BGS in Oerlenbach demonstrativ Mineralwasser trank. Einen sehr widersprüchlichen Eindruck hat dagegen ein Oberstleutnant hinterlassen, der im Vietnamkrieg den hohen Orden "Silver-Star" erhalten hatte. So habe dieser am Rande einer Sitzung gehört, dass die Amerikaner nicht improvisieren könnten. Daraufhin habe er die Sitzung abgebrochen und auf den nächsten Morgen an einen "ungewöhnlichen" Ort vertagt. Die Teilnehmer trafen zu ihrer Überraschung ein Bierzelt an, dessen Belegschaft sofort ausschenkte. Der ungewöhnliche Ort war die Grenze zur DDR, der Zeltaufbau wurde von dort von der Grenztruppe beobachtet, registriert und in einer förmlichen Beschwerde in Bonn angezeigt. Der clevere Oberstleutnant, der vorher schon Minuspunkte durch einen Flug unter der Autobahnbrücke bei Bad Brückenau angesammelt hatte, wurde ohne Verabschiedung in die USA versetzt.

Gute Kontakte gab es zu den Amerikanern durch Kegelabende mit Bowling im Kasernenbereich und in der Kegelbahn unter dem Postgebäude.

Von den Auftritten des hier unbekannten Santa Claus hatte die gesamte Bevölkerung etwas, anfangs sprang der Santa Claus sogar von einem Hubschrauber über den Zuschauern ab.

An den Vortrag schlossen sich teils ausführliche Wortmeldungen von Heinz Albert, Eberhard Gräf, Gerd Schindelmann, Hilla Schütze und Klaus Horch an. Um diese Informationen und Erinnerungen zu erhalten, beschloss man, alle Beiträge bei Kreiskulturreferent Eberth zu sammeln, um daraus eventuell eine einheitliche Veröffentlichung über die Zeit von 1945 bis 1992 herauszugeben.

Die Mietverträge mit amerikanischen Offizieren überreichte Eberth als Beitrag für die Bad Kissingen Nachkriegsgeschichte an Evelyn Bartezko vom Stadtarchiv. Annette Späth vom städtischen Kulturreferat dankte Eberth mit einem Präsent. kew