Kronach —  In einer Hommage an den Vogel des Jahres 2002 heißt es: "Passer domesticus, Raufbold und Lärmer, putziger, drolliger Herzenserwärmer, Rossapfelforscher und Dachrinnennister, Buntheit verachtender Grauwertphilister, Staubstraßensuhler und Weizenvertilger, zänkischer, pfeifender Vorgartenpilger, niemand erwählt dich zum kostbaren Schatz. Ich aber mag dich, du herziger Spatz!"

Doch nicht immer wurde den gefiederten Freunden im Frankenwald und Fichtelgebirge so viel Zuneigung entgegengebracht. Über viele Jahre hinweg war der gesellige Piepmatz dem krankhaften Vernichtungswahn "schräger Vögel" ausgesetzt. Markgraf Friedrich von Bay-reuth befahl als erster Landesherr im Jahr 1746 die Bekämpfung der Sperlinge, wahrschein-lich in Nachahmung des Edikts Friedrich des Großen vom 2.6.1744. Jeder markgräfliche Untertan, sprich: Grundbesitzer, musste jährlich eine bestimmte Anzahl Sperlingsköpfe abliefern oder alternativ eine gehörige Geldstrafe bezahlen.

Diese Anordnung blieb auch während der Regierung der folgenden drei Markgrafen bis 1791 in Kraft, obwohl die Untertanen den Nutzen des für ihr Wohl erdachten Erlasses niemals einsehen wollten und sich oft dagegen beschwerten oder ihre Verpflichtungen zu umgehen versuchten, wie beispielsweise bei den Vogelherden an der Markgräflichen Höhe und der Fränkischen Linie, dem südwestlichen Tor zum Frankenwald sowie auf dem hoch über der Wilden Rodach gelegenen Güldenstein, östlich von Wallenfels.

Daher wurde an die Einhaltung der Verordnung öfter erinnert, sie wurde erschwert oder erleichtert. So erneuerte Markgraf Friedrich Christian am 21. Mai 1764 die folgende Verordnung:

"Also befehlen wir euch gnädigst, ihr sollet bekannt machen lassen, dass von heuer an ein ganzer Hof 20, ein halber Hof 10, ein viertel Hof 5, dann ein Trüpfhaus 2 Stück alljährlich zum Amt liefern, solche mit Garn oder auf sonst dienliche Art fangen, besonders bei ange-hender Brutzeit auf Zerstörung der Nester und Ausrottung der Jungen den Bedacht nehmen, dabei aber sich allen zur Gefahr gereichenden Schießens enthalten sollen. Von den gefangenen Raubtieren müssen die Köpfe abgeliefert werden. Für jeden fehlenden Kopf sind 4 Kreuzer Strafe zu zahlen. Von Forstbediensteten kann man sich gegen 2 Pfennige Schußgeld für das Stück Sperlinge schießen lassen."

Mancher Landstreicher dürfte sich durch den Verkauf von Spatzenköpfen an die Bauern Geld verdient haben. So lässt Jean Paul Magister Pelz am 18. Judas-Kapitel im "Leben Fibels" erzählen: "Dies war die einzige Ursache, warum ich mir ein hübsches Säckchen mit Spatzenköpfen gefüllet, bloß damit ich mich unterwegs von Dorf zu Dorf beköstigte, indem ich die Köpfe an die Bauern absetzte, welche sie ihrem Amtmann abzuliefern hatten".

Verbrannt und vergraben

Zuerst wurden die erforderlichen Spatzenköpfe bei den Bürgermeistern abgeliefert. Dabei dürfte es öfter vorgekommen sein, dass ein Kopf mehrmals abgegeben und gezählt wurde. Später kam die Verordnung, dass alle Köpfe direkt an die Rentei nach Bayreuth eingeliefert werden müssen. Aber auch dies war nicht befriedigend, offenbar weil die Köpfe in recht stinkendem Zustand eintrafen und man begnügte sich in einer Verordnung vom 19.2.1773 damit, dass die Ablieferung auf den Richterämtern erfolgen konnte. Die Spatzenköpfe mussten unter Anwesenheit des Amtsschreibers oder einer Gerichtsperson abgezählt und dann verbrannt oder an einem Ort so tief vergraben werden, "wo solche nicht wiederum herausgegraben und damit keine Unterschleife vorgenommen werden können".

Doch so langsam hatte die Bevölkerung "die Nase voll" von diesem Treiben, das Ablieferungssoll wurde reduziert und von weiteren Aufzeichnungen ist nichts mehr bekannt.

Ironie des Schicksals: Die Landesverordnung vom 16.9.1797, die auch noch Vorschriften über die Bekämpfung des Borkenkäfers erhält, den man als Folge des Nonnenfraßes der Jahre 1792-1798 fürchtete, dann aber doch glücklicherweise nirgends auftrat, empfahl in § 17 als Vorbeugungsmittel gegen die Nonnenplage den Vogelschutz: "Da die Erfahrung lehrt, dass die vorbenannten Raupenarten und ihre Puppen und Schmetterlinge ihre natürlichen Feinde haben und vorzüglich von sehr vielen Waldvögeln vernichtet werden, so verbieten wir hierdurch allen Vogelfang der kleinen Waldvögel und wollen hiermit alle Concessionen zu Vogelherden, die in obiger Absicht gestellt werden, aufheben".

In einer besonderen Vogelschutzverordnung vom 16.12.1797 werden nicht nur Meisen, Krähen, Elstern, Spechte, Stare, Rotkehlchen und Braunellen als Nonnenfeinde ausdrücklich unter Schutz gestellt, sondern auch die Sperlinge. Sic tempora mutantur: Anno 1823 urteilte ein "quieszierter Weidmann" in seinem in Nürn-berg erschienenen zweibändigen Werk "Der Vogelfänger und der Vogeljäger" sehr positiv über den Haussperling und berechnete, dass ein einziges Paar während seiner Brutzeiten im Jahr 20 160 Insekten vertilgt. "Denke an ihren Erhalt, nicht aber an ihre Ausrottung", mahnte er in kluger Einsicht schon vor zweihundert Jahren"