Maibach Die Energiezukunft ist längst da. Ideen sind gefragt, wie jeder Einzelne verantwortungsvoll und effizient mit Energie umgeht. Umgesetzt werden sie bereits, auch in Privathaushalten, wie die Familie von Christof und Hiltrud Bärhausen in Maibach beweist. Ihr ökologisches Gesamtkonzept für ihr Einfamilienhaus wurde soeben mit dem Bürgerenergiepreis Unterfranken prämiert. Wobei die Bärhausens nicht nur das Wohnen, sondern auch ihre Lebensweise immer wieder auf den ökologischen Prüfstand stellen.
Das E-Leichtmobil Twike steht in der Garage, dazu ein Auto, das mit kaltgepresstem Pflanzenöl fährt, zwei der fünf Kinder haben sich ebenfalls ein Elektroauto zugelegt. "Von sich aus", wie die Eltern betonen. Schließlich sind sie von klein auf daran gewöhnt worden, sorgsam mit den Ressourcen umzugehen. Das fängt beim Lichtausschalten an, geht weiter beim Drucken mit Konzeptpapier und hört mit Wassersparen bei der Toilettenspülung nicht auf.
"Beim Hausbau 1985 bin ich wegen meiner gemauerten Zisterne noch belächelt worden", denkt Hiltrud Krebs-Bärhausen zurück. Über ein eigenes Rohrsystem sah sie schon damals eine separate Regenwasserverwendung für Garten, Toilette und Waschmaschine vor. "Klar war es ein finanzieller Aufwand, aber aus ökologischer Sicht sinnvoll".


Vom "Club of Rome" infiziert

Schrittweise hat ihr Mann Christof mittlerweile das Haus energetisch und ökologisch saniert, meist in Eigenleistung. Der Theologe aus Berlin, hauptberuflich Pastoralreferent in der katholischen Pfarreiengemeinschaft Lauertal, war schon immer am Thema Energie interessiert. "Als Schüler wurde ich 1972 vom "Club of Rome" über die Grenzen des Wachstums infiziert", erzählt er. Daraus folgte sein Ziel: Sehen, wo man im eigenen Lebensbereich die Dinge verbessern kann.
Weil die Bewahrung der Schöpfung für den engagierten Christen auch Auftrag für andere ist, bildete er sich 2006 als Energieberater weiter und nahm bis 2015 als kirchlicher Umweltberater mit wenigen Wochenstunden bistumweit kirchliche Einrichtungen unter die Lupe.
Im eigenen Haus - wofür nun der Bürgerenergiepreis der Bayernwerk AG und der Regierung von Unterfranken mit 3500 Euro verliehen wurde - hieß das schon 1996, eine thermische Solaranlage zur Warmwasser-Bereitung und Heizung aufs Dach zu setzen. Auf die Garage kam gleich mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz im Jahr 2000 eine Photovoltaikanlage. "Die erste im Dorf", erinnert sich seine Frau Hiltrud.
Ein gebraucht gekauftes Blockheizkraftwerk im Keller, gespeist von Pflanzenöl, löste 2005 die Solaranlage ab. Den Strom bezieht die Familie, von der noch fünf Mitglieder in der 160 Quadratmeter Doppelhaushälfte wohnen, von einem zertifizierten, "echten" Öko-Stromanbieter. Als Großprojekt entpuppte sich von 2015 bis 2016 die energetische Sanierung des Wohnhauses. Dafür nahm sich Christof Bärhausen ein Sabbatjahr, in dem er diszipliniert jeden Tag von früh bis abends auf seiner Baustelle arbeitete. "Weil ich mal was anderes brauchte und außerdem ein leidenschaftlicher Handwerker bin", lacht er.


Energieberater wird gefördert

Ein logistischer Zeitplan, wann welche Arbeiten erforderlich sind, stand am Anfang. Einen Architekten holte der versierte Energieberater noch mit an Bord. Er drängt auch darauf, dass andere Hausbesitzer, die energetisch sanieren wollen, sich einen unabhängigen Energieberater holen, was zudem gefördert wird.
Vor und nach seiner Haussanierung unternahm er eine zudem eine thermografische Untersuchung. Das Ergebnis? "Super", lso der 61-Jährige.
Mit dem Absägen des Betonbalkons begann die Arbeit, zumal die Betonplatte mit der Zimmerdecke gegossen war und die Wärme nach außen leitete. Gerade solche Wärme- und Kältebrücken, etwa Rolladenkästen, wurden konsequent ausgeschaltet.
Für eine Sockeldämmung musste rund ums Haus bis 70 Zentimeter unterhalb der Kellerdecke aufgegraben werden - von Hand. "Die Jungs haben da kräftig mitgeholfen", nickt der Hausherr. Schaumglasplatten aus Altglas befestigte er dann mit einem Bitumenkleber. "Das war eine Sauerei!"
Dann war mit Hilfe einer Fachfirma das Dach an der Reihe: Dämmung, neue Fenster, neue Ziegel. Die Außenfassade dämmte Bärhausen dann selbst: Sechs zeitaufwendige Arbeitsgänge waren dafür nötig. Auch hier wurde Zellulose hinter die Verkleidung aus Douglasie-Holzbrettern eingeblasen, also Altpapier, recycelter Rohstoff. Dazu kam noch eine dämmende Holzfaserweichmatte. "Das Gerüst am Haus stand zehn Monate", blickt der Theologe zurück. Die gleiche Dämmung befestigte er auch an der Decke aller Kellerräume. Um eine gute Lüftung im Haus angesichts der neuen, dreifach verglasten Fenster zu sichern, baute Bärhausen mittels einer Kernbohrung eine dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ein. Die bisherigen Fenster baute er sorgsam aus, um sie an das Hilfsprojekt "Werke statt Worte" weiterzugeben. "Was wiederverwendet werden kann, sollte man nutzen", so die Einstellung von Hiltrud Bärhausen. Der energetische Standard des 1985 erbauten Hauses ist nun besser als das heute geforderte Neubauniveau. Doch fertig ist die Familie noch nicht.
Die Wettbewerbsjury bescheinigte der Familie eine Vorreiterrolle. Das Ehepaar selbst sieht sich ermutigt und will das auch vermitteln: Dass selbst mit kleinen Schritten jeder etwas erreichen kann.