von unserer Mitarbeiterin Katja Nauer

Schottenstein — Die Liste der Mitwirkenden ist lang: Chöre, Musik- und Gesangvereine, Jugendgruppen, Kirchenvorstände, Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein, eine Bauchtänzerin, ein Herold, ein Kamel - und "hoffentlich Gott". So steht es im Programm, das Pfarrer Eckhart Kollmer vom evangelischen Pfarramt in Schottenstein-Watzendorf herausgebracht hat, um über sein Mitmachspektakel zu informieren.
Fünf Tage lang dreht sich in der Pfarrei und ihren Dörfern alles um die Geschichte von Jakob. "Ich fand die schon immer toll", erklärt Kollmer. "Jakob wird als sehr menschlich geschildert mit guten und - moralisch betrachtet - ziemlich vielen schlechten Seiten." Aber Gott führe ihn am Ende durch alle Irrungen und Wirrungen dorthin, wo alles gut wird. "Unser Mitmachspektakel dreht sich um den ersten Teil von Jakobs Leben", sagt der Pfarrer. "Es beginnt mit der Geburt, dann der Betrug bis zur Versöhnung mit dem Bruder und dem Schwiegervater."
Aber der Reihe nach: Die Geschichte von Jakob, dem Zweitgeborenen, der seinem Bruder und seinem Vater mit List und Tücke das Erstgeburtsrecht abluchst und anschließend vor deren Zorn fliehen muss, heiratet und mit seinen Frauen Jahre später nach Hause zurückkehrt, kennen viele noch aus dem Religionsunterricht. Jetzt gibt es die Geschichte quasi zum Anfassen.
"Wir haben uns überlegt, dass sich Jakobs Leben ja im nomadischen Milieu abspielt", sagt Kollmer. "In unserer Pfarrei haben wir auch verschiedene Dörfer und wollten durch diese nomadisieren." Das bedeutet konkret: Kleine Wanderungen führen durch die Flur der Pfarrei zu Stationen, an denen dann Aktionen stattfinden. Wer nicht so gut zu Fuß sei, könne aber auch gleich zu den Treffpunkten fahren. Für Speisen und Getränke ist an allen fünf Tagen gesorgt.

Mobile Bühne

"Das Mitmachspektakel ist etwas für alle Generationen", verspricht er, "vom Großvater oder der Großmutter bis zum Enkelkind ist für alle etwas dabei". Junge Mitglieder der Gemeinde kümmern sich außerdem auch um die Kinderbetreuung. "Wir wollten die Kinderbibelwoche auf alle Generationen erweitern", sagt der Geistliche.
Der Schottensteiner Werner Stahl stellt seinen landwirtschaftlichen Wagen für den Umbau in eine Bühne zur Verfügung. Diese soll dann zu den verschiedenen Veranstaltungsorten gekarrt werden.
Am Mittwoch, 30. Juli, geht es los. Um 17 Uhr treffen sich alle Interessierten und Akteure am Froschbrunnen bei Gossenberg. Die frischgebackenen Konfirmanden stellen die Geburt und Kindheit Jakobs szenisch dar. Eine kleine Wanderung führt dann am Dorfbackofen vorbei, wo es Brot mit Schmalz oder Ziebeleskäs gibt, zum Bogenschießplatz. Dort wird der Betrug an Jakobs Bruder Esau aufgeführt. Wer mag, kann sich im Bogenschießen probieren.
Vom Bogenschießplatz führt die Wanderung am Donnerstagabend ab 19 Uhr nach Watzendorf. Im Kirchgarten wird Stockbrot, Käse und Wurst serviert. Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein gibt ein nächtliches festliches Orgelkonzert in der Marienkirche. Eine Videoinstallation zeigt Porträts der Menschen, die sich vor der Schottensteiner Kirche von Pfarrer Kollmer im selbstgebauten "Engelssitz" haben fotografieren lassen.
Am Freitag führt die Wanderung ab 17 Uhr von Watzendorf nach Neuses zum Festplatz, wo die Liebe Jakobs zu seinen Frauen dargestellt wird. Während ein Schwein am Spieß gart, gibt es Bauchtanz und viel Musik mit Chören und Gesangvereinen.
Am vierten Tag dreht sich die Geschichte um die Versöhnung Jakobs mit seinem Schwiegervater. Gewandert wird dieses Mal von Neuses nach Welsberg, wo um 17 Uhr ein Schauspiel aufgeführt wird. Von dort geht es nach Schottenstein zur Kirche. Bei einer italienischen Nacht mit Pizza, Nudeln und Salaten gibt es Musikalisches von Kirchenchor und Flötengruppe.
Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst auf dem Sportplatz in Neuses. Dazu zeigt die Jugend ein Video vom Schwarzlichttheater.