Veronika Schadeck

Es ist entschieden. Ralf Pohl ist der SPD-Kandidat für die Landtagswahl im Wahlkreis Kronach/Lichtenfels. Der Kronacher Kreisvorsitzende gewann am Samstagvormittag im Theisenorter Sportheim deutlich gegen seinen Lichtenfelser Amtskollegen Sebastian Müller. Mit 62:22 Stimmen votierten die Delegierten der beiden Kreisverbände für den 53-Jährigen.
"Ich freue mich sehr über das Ergebnis, das ist für mich Ansporn und Motivation", so Ralf Pohl. Sein Mitbewerber Sebastian Müller gratulierte und meinte: "Ich bin schon etwas traurig, aber die Enttäuschung hält sich in Grenzen". Der 30-Jährige, der wenig später einstimmig als Zweitstimmenkandidat für den Landtag vorgeschlagen wurde, sieht nun durchaus eine Möglichkeit, dass die beiden Landkreise Kronach und Lichtenfels im nächsten Jahr mit zwei SPD- Kandidaten im Landtag die Region vertreten können.


Ehrhardt verzichtet

Im Rahmen der Versammlung wurde Susann Biedefeld zur Bezirkskandidatin gewählt. Die Landtagsabgeordnete aus Altenkunstadt erhielt von 81 gültigen Stimmen lediglich 61. Dementsprechend hielt sich der Applaus im Rahmen.
Einige Delegierten waren verärgert, dass die Kandidatin statt persönlich vor Ort zu sein, sich auf Reisen befindet. Einige Anwesenden hatten fest mit dem Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt als SPD-Kandidaten für den Bezirkstag gerechnet.
Dieser räumte ein, dass er sich zur Verfügung gestellt hätte, wenn kein Vorschlag gekommen wäre. Er findet es aber richtig, dass die Lichtenfelser nach der Entscheidung für den Landtag eine Bezirkstagskandidatin aus ihren Reihen haben. "Sie ist bekannt", so Ehrhardt, der einstimmig als Zweitstimmenkandidat für den Bezirkstag vorgeschlagen wurde.


Engagierte Rede

Zuvor hielten die beiden Landtagskandidaten ihre Rede. Ralf Pohl, der sich oftmals eher zurückhaltend gibt, hielt eine engagierte Rede. So mancher Genosse zeigte sich verwundert und überrascht. Der Küpser verwies auf sein gutes Ergebnis bei der vergangenen Landtagswahl, bei der er nur knapp am Einzug ins Maximilianeum scheiterte. "Ich will nichts werden, ich will für die Menschen etwas bewegen", betonte Pohl.
Deutlich machte er zudem, in welchem Bereich er dringenden Handlungsbedarf sieht. Dabei nannte er unter anderem eine gute Infrastruktur sowie eine bessere Anbindung für Schiene und Verkehr. Im Bereich Bildung sprach er sich für eine Gesamtschule aus, denn nur dadurch sieht er eine Möglichkeit, langfristig die Schulen auf dem ländlichen Raum zu erhalten.
Ausgebaut werden muss seinen Worten zufolge der öffentliche Nahverkehr, beispielsweise mit Rufbussen, Sammeltaxis. "Der Freistaat muss solche Einrichtungen auf Dauer fördern!" Deutlich sprach er sich gegen den Bau von Stromleitungen aus. "Es kann nicht sein, dass die anderen Regionen Autobahnen und Schnellzüge bekommen und wir die Stromleitungen!" Und er betonte, die SPD komme in Bayern nicht an das Personal und das Geld der CSU heran. "Wenn wir etwas erreichen müssen, dann brauchen wir die besseren Ideen!"
Zuvor hatte der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich Sebastian Müller offiziell zum SPD-Kandidaten für die Landtagswahl vorgeschlagen. "Er steht für einen neuen Weg, den unsere Partei so dringend braucht", sagte er über den 30-Jährigen. "Ich möchte für alle da sein", betonte Sebastian Müller. Er hatte sich in seiner Rede unter anderem die gesundheitliche Versorgung und Pflege, die Schaffung von attraktiven Wohnräumen auf die Fahne geschrieben. Er sprach von einem Familienzentrum, in dem alle Sozial- und kirchlichen Verbände unter einem Dach zusammengebracht werden und er sicherte eine parteiübergreifende Zusammenarbeit zu, wenn es um die Region geht.


Nur zwei Delegierte fehlten

Dass die SPD-Basis beider Landkreise die Kandidatenkür sehr ernst nahm, wurde an den Ausführungen des Sitzungsleiters, Oliver Jauernig, deutlich. Er verkündete, dass von 86 möglichen Delegierten 84 anwesend sind. 62 davon kamen aus Kronach, 22 aus Lichtenfels.
Bei der Nominierungsversammlung waren auch die SPD-Bezirksvorsitzende Anette Kramme (Bayreuth) und der Landtagsabgeordnete Klaus Adelt (Hof) anwesend. Dieser wies darauf hin, dass nicht nur die SPD, sondern auch die CSU Stimmen verliert. "Seitdem werden die im Landtag freundlicher".
Die SPD habe im Landtag einiges bewegen können, beispielsweise habe man die CSU dazu gebracht, die Finanzen der Kommunen und Infrastrukturen im ländlichen Raum zu verbessern.