oliver schmidt

Beim Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis Coburg/Kronach war der Sieg von Hans Michelbach (CSU) letztlich ungefährdet - aber er war im Detail dann doch nicht ganz so deutlich wie es viele vielleicht erwartet hatten. Zweifelsohne ist Hans Michelbach aber auch in den grundsätzlichen Abwärtssog der Union geraten.


Einbußen im Frankenwald

Im Landkreis Kronach galt der erfahrene und allseits bekannte CSU-Mann zum Beispiel als haushoher Favorit. Doch mit 49,9 Prozent lag er am Ende deutlich unter seinem Ergebnis von vor vier Jahren (56,5). Umgekehrt konnte Doris Aschenbrenner als Neueinsteigerin durchaus überraschen und holte mit 26,6 Prozent sogar etwas mehr als 2013 der heutige Oberbürgermeister von Coburg, Norbert Tessmer (26,3).
Trotzdem kann sich Hans Michelbach über ein paar regelrechte Triumphzüge im Frankenwald freuen. So holte er in Wilhelmsthal sage und schreibe 61,8 Prozent. Stark auch die Ergebnisse in Wallenfels (59,3), Steinwiesen (58,7), Pressig (56,3) und Schneckenlohe (54,3). Doris Aschenbrenner konnte in der SPD-Hochburg Tettau (42,9) sowie in der kleinen Gemeinde Reichenbach (41,9) gewinnen.


Durchmarsch im Landkreis

Ein echter Durchmarsch gelang Hans Michelbach hingegen im Landkreis Coburg: Er gewann in allen 17 Kommunen. Aber: Mit 44,3 Prozent lag er fast fünf Prozentpunkte unter seinem Gesamtergebnis von vor vier Jahren (49,1). Besonders stark war er in der Stadt Seßlach mit 54,2 Prozent sowie in der Gemeinde Großheirath (50,2).
Doris Aschenbrenner kam im Landkreis Coburg auf 26,4 Prozent, was nahezu dasselbe Ergebnis ist, wie es Tessmer 2013 erreichte (26,3). Achtungserfolge gelangen Doris Aschenbrenner in Untersiemau (29,1), ihrer Heimatstadt Rödental (28,9) sowie in Niederfüllbach (28,5). Apropos: Während die AfD nahezu überall zur neuen dritten Kraft aufgestiegen ist, landete sie in der kleinen Gemeinde Niederfüllbach mit 8,1 Prozent lediglich auf Rang fünf. AfD-Hochburgen sind hingegen Neustadt bei Coburg (16,8 Prozent) und Ebersdorf bei Coburg (13,7).
In der Stadt Coburg kam Hans Michelbach insgesamt auf 39,3 Prozent - das entspricht fast exakt dem Ergebnis von 2013 (40,6). Sein bestes Ergebnis in der Stadt Coburg holte Hans Michelbach im Wahllokal "Schule Scheuerfeld 3" mit 44,79 Prozent. Ähnlich gut war er im in der Innenstadt gelegenen "Treff am Bürglaßschlösschen" mit 44,44 Prozent. Im "Treff" gab es noch eine weitere Besonderheit, nämlich eine sehr starke FDP: Die Liberalen landeten mit 23,5 Prozent der Zweitstimmen auf Platz zwei hinter der CSU - während die SPD mit nur 10,3 Prozent auf Platz vier und damit noch hinter den Grünen landete.


Trostpflaster für Aschenbrenner

Immerhin eine Hand voll kleiner Trostpflaster gab es für Doris Aschenbrenner in der Stadt Coburg. Denn in exakt fünf der insgesamt 50 Wahllokale lag sie vor Hans Michelbach: in Lützelbuch, in der CoJe, in der "Heimatringschule 1" sowie in den beiden Wahllokalen in Wüstenahorn. Aber: Die beiden Siege in Wüstenahorn waren mit Blick darauf, dass es sich dort um eine traditionelle SPD-Hochburg handelt, relativ schwach. Doris Aschenbrenner holte zwar 33,7 beziehungsweise 40,7 Prozent (Hans Michelbach: 27,1/23,1). Aber: Norbert Tessmer hatte hier vor vier Jahren als SPD-Kandidat satte 49,3 beziehungsweise sogar 51,7 Prozent in Wüstenahorn geholt.
Insgesamt kam Doris Aschenbrenner in der Stadt Coburg auf 25,6 Prozent - Norbert Tessmer, damals Zweiter Bürgermeister, hatte bei der Wahl vor vier Jahren 40,4 Prozent geholt.
Im neuen Wahllokal "Gymnasium Ernestinum" waren bei den Zweitstimmen die Grünen besonders stark (17,1 Prozent) und landeten sogar noch vor der SPD (16,9).
753 Erststimmen bekam Hans Michelbach in der Gemeinde Geroldsgrün (Landkreis Hof), die erstmals zum Wahlkreis gehörte. Doris Aschenbrenner kam auf 608.