Starkregen war und ist noch immer eines der Themen, die Adelsdorf bewegen. Dies wurde in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend klar, nicht nur aufgrund der vielen interessierten Bürger, die den Weg in den Clubraum der Aischgrundhalle gefunden hatten. Florian Brodrecht vom Fachbüro Spekter stellte den aktuellen Stand dessen vor, was 2016 in Adelsdorf seinen Anfang nahm, nämlich die Erstellung einer Starkregengefährdungskarte.

Die Gemeinde war ein absoluter Vorreiter auf dem Gebiet, Nachahmer stehen bereits in den Startlöchern. Primär ging es bei dem Projekt um das Erkennen von Risiken, das Schützen vor Schäden, das frühe Alarmieren im Fall der Fälle sowie das Abwehren von Gefahren. "Seit 2016 ist das Frühalarmsystem dauerhaft im Einsatz und hat 800 angemeldete User", berichtete Brodrecht. Er machte klar, dass nicht nur die Gemeinde gefordert ist, sondern auch der Bürger selbst, wenn es darum geht, Haus und Hof vor Überflutung zu schützen. Ein Großteil der Schäden sei auch auf Rückstau zurückzuführen gewesen. "Inzwischen wurden Rückstauklappen von den Bürgern eingebaut", sagte Brod-recht. "Auch durch Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten hat sich schon einiges getan."

Bis in die Hauptstadt hat sich herumgesprochen, was Adelsdorf mit seinem Pilotprojekt erreicht hat, erhielt Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) doch unlängst einen Anruf von den Entwässerungsbetrieben in Berlin, welche anfragten, wie Adelsdorf das denn gemacht hätte. Zur Planung von Einzelmaßnahmen steht nun eine Fördermöglichkeit bis zu maximal 75 Prozent durch das Wasserwirtschaftsamt im Raum. "Wir wollen möglichst schnell an die Fördertöpfe heran", so Fischkal, "damit dann noch was da ist."

Das Angebot von sogenanntem "Carsharing", bei dem sich Bürger für einen bestimmten Zeitraum ein Fahrzeug zu moderaten Preisen ausleihen können, war ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung. Zwei Azubis der Gemeinde hatten das Projekt eigenständig ausgearbeitet, jedoch scheiterte dies letztendlich an der mangelnden Kompatibilität der Software mit den bereits vorhandenen Fahrzeugen. Auch handelte es sich bei den Fahrzeugen um Benziner, was angesichts von Klimadebatten nicht gerade punktet.

Ladestation am Rathaus

Nun soll ein zweiter, erfolgversprechender Versuch gestartet werden, denn, "Ich bin der Meinung, dass eine Gemeinde von der Größe Adelsdorfs so ein Carsharing verträgt", so Fischkal. Im Raum steht das Leasen eines E-Autos, welches dann rund um die Uhr verfügbar wäre. Als Standort könnte er sich das Rathaus vorstellen, wären doch dort neben einer Photovoltaikanlage auch die Voraussetzungen für eine Schnellladestation gegeben.

"Der Bürger kommt ins Rathaus, registriert sich, zeigt seinen Führerschein. Mit einer App öffnet und schließt er das Fahrzeug, die Abrechnung erfolgt automatisch per ,fleetster‘", erklärte Fischkal die Vorgehensweise. "Gerade für junge Leute, die sich kein Auto leisten können, ist das eine gute Sache", sagte Marion Bierlein (FW). Jörg Bubel (SPD) vermisste eine Kosten-Nutzen-Rechnung, um den Überblick nicht zu verlieren, woraufhin Fischkal erklärte, dass Angebote zu verschiedenen Fahrzeugen eingeholt worden wären und sich die Kosten für Leasing, Reparaturen, Batterie, Strom etc. auf rund 600 Euro pro Monat belaufen würden.

Bamberg habe bereits ein flächendeckendes Carsharing-System, welches über die Stadtwerke läuft. Für eine Stunde Leasing zahlt man dort sechs Euro, für einen Tag 29 Euro. "Ich finde die Preise sehr attraktiv", erklärte Sabina König (Grüne), "Dass wir Grünen zu so einem urgrünen Thema ,Ja‘ sagen, ist ja wohl klar." Gerd Stingl (CSU) fragte nach den Kosten für eine Schnellladestation, woraufhin Fischkal erklärte, dass bei dem angestrebten Fahrzeug eine solche bereits inkludiert wäre. Angestrebt wird die Übernahme des Projektes durch die gemeindeeigene Energiegesellschaft, was vom Gremium einstimmig abgesegnet wurde.