Er war hoch emotional, tränenreich und voller Wehmut, der Abschied von Karin Haderlein. Sie ging nach 41 Dienstjahren im Mitwitzer Kindergarten in den wohlverdienten Ruhestand. Noch ein letztes Mal flogen ihr die Herzen "ihrer" Kinder zu, noch ein letztes Mal fuhr sie ihre tägliche Strecke von Pressig nach Mitwitz.

Angst vor Langeweile habe sie künftig nicht, denn: "Ich hab einen großen Garten, da kann ich jetzt mein Sektfrühstück und den Morgenkaffee so richtig genießen. Außerdem hab ich mich im Fitnessstudio angemeldet und freue mich auf ganz viele Unternehmungen." Doch bevor sie ihr Mammutprogramm starten konnte, bereitete man ihr im Kindergarten ein herzliches Abschiedsfest. Und das zeigte ganz deutlich die Hochachtung, die sich "Tante Karin" in den ganzen Jahren verdient hatte.

Pfarrer Burkhard Sachs: "Die Kinder begleiten Sie nicht mehr, aber sie werden Sie nicht vergessen. Sie haben sie geprägt, erzogen und mit Liebe beschenkt. Auch Ihre Kolleginnen werden Sie nicht vergessen. Sie wurden immer geschätzt." Die quirlige Pressigerin denkt selber noch gerne an die Anfangszeit zurück, als ihre Oma befürchtete, sie könne als Katholikin womöglich zum "lutherischen Glauben" konvertieren, weil sie ja in einem evangelischen Kindergarten arbeiten wollte. "Ich mochte einfach die lockere Art. Bei den Katholischen ist ja alles immer ein bisschen steifer", meint sie und grinst spitzbübisch. Und steif ist sie wahrhaftig nicht, das konnte auch Tanja Schubert, die Leiterin des Mitwitzer Kindergartens, bezeugen. Ihre Abschiedsrede war tränenerstickt, als sie meinte: "Wir verbringen hier mehr Zeit miteinander, als mit der eigenen Familie. Du warst wie eine zweite Mutter für mich. Als du 1978 hier angefangen hast, waren viele hier noch gar nicht geboren. Ich werde dich niemals vergessen." Karin Haderlein meinte dazu: "Ich weiß gar nicht. Die Zeit verging so schnell, als ob ich bei einem Buch einfach nur eine Seite umgeschlagen hätte. Wie ein Wimpernschlag."

Auch bei der Vorsitzenden des Elternbeirats, Caroline Völler, flossen Tränen. Sie sei ein "Generationenkind", weil sie selbst schon bei "Tante Karin" in den Kindergarten gegangen sei. Ihre drei Jungs taten das ebenfalls und ein Kindergarten ohne "Tante Karin", das sei erst einmal noch völlig unvorstellbar.

Unter acht Leiterinnen habe sie im Laufe ihrer Karriere als Kinderpflegerin gearbeitet und drei Pfarrer waren ihre Chefs. "Anfangs waren wir nur zu fünft, jetzt sind wir 18 Mitarbeiter und betreuen 92 Kinder in sechs Gruppen." Über diese Statistik muss sie erst kurz nachdenken, dann schüttelt sie fast ungläubig den Kopf. "Wie die Zeit vergeht... unglaublich." Künftig werde Karin Haderlein auch in den "Rentnerinnenclub der Ehemaligen" aufgenommen, was ihr ein besonderes Schmunzeln entlocke.