Seine Hauptaufgabe in den vergangenen zwölf Jahren: Spielleiter. Seine jetzige Hauptaufgabe: Fan. Die Rede ist von Erich Barfuß. Nachdem er 2004 beim FC Sand die Nachfolge von Klaus Michel, eingesetzt von Helmut Rhein, und unter der Regie des bereits verstorbenen Günther Reschke erst als "Ersatzmann" angetreten und vier Jahre später schließlich die Spielleiter-Hauptverantwortung übernommen hatte, nahm der 62-jährige Königsberger am Ende der vergangenen Saison seinen Hut.
"Nach so langer Zeit bin ich der Meinung, dass einmal neue Gedanken und Leute einbezogen werden sollen, die auch neue Akzente setzen können", begründet Erich Barfuß seinen freiwilligen Rückzug. "Außerdem finde ich, dass ich die letzten acht Jahre gar nicht mal so schlecht war, aber ich doch lieber rechtzeitig Schluss machen sollte, bevor ich vielleicht wirklich schlecht werde und dem Verein dann mehr schade, als ich ihm diene", fügt er grinsend hinzu.
War der Maschinenbau-Techniker aber nicht beim TV Königsberg aktiv sowie passiv tätig und somit fest verwurzelt? Warum heuerte Barfuß dann bei der Korbmacherelf an? Ganz einfach: Sohn Johannes wechselte 2001 von Königsberg in die U19 nach Sand "und ich war sein Fahrer", lacht er. Anfangs war er dort nicht nur als "Chauffeur" für die gesamte Truppe im Einsatz, sondern auch als "Medizinmann", was sich bis in die Zweite Mannschaft zog.
Ab der Saison 2004/2005 sollte er dort dann Betreuer werden. Doch es kam anders: Das gesundheitsbedingte Ausscheiden von Helmut Rhein Anfang 2004 brachte einige Veränderungen im Verein, und Erich Barfuß wurde Stellvertreter des damaligen Spielleiters Günther Reschke. Mit dem Trainerwechsel Norbert Hofmann zu Erwin Albert im Jahre 2008 wurde er dann Erster Spielleiter.
"So, ich hol' dich aber jetzt nicht, damit du zwei Jahre die Trikots fährst und dann wieder verschwunden bist, du sollst später auch mal selbst Spielleiter werden", erinnert er sich noch schmunzelnd an die "einfühlsamen" Worte zu seiner Einführung, die Helmut Rein ihm damals mit auf den Weg gab. "Ich glaube, dieser Aufforderung bin ich nachgekommen und habe sie auch einigermaßen ordentlich erfüllt."
An schönen Augenblicken mangelt es freilich nicht, wenn Erich Barfuß zurückblickt. Die Zusammenarbeit in den letzten zwei Jahren mit Trainer Bernd Eigner, der den Verein in Richtung SC Eltersdorf verlassen hat, seien für ihn "die intensivsten" gewesen. Warum? "Aufstieg in die Bayerliga, bayerische Hallenmeisterschaft und in der abgelaufenen Saison souveräner Klassenerhalt nach einer super Rückrunde", macht er deutlich und begründet seine Aussage: "Wir waren im Jahr 2016 die drittbeste Mannschaft der Liga. Nur Weiden und Seligenporten haben mehr Punkte eingefahren."


Aufstieg und Klassenerhalt

Ob der Aufstieg mit 85 Punkten und einer ebenfalls souveränen Relegation oder der Klassenerhalt höher einzuschätzen sei, könne er nicht sagen. Aber auch die verlorenen Entscheidungsspiele gegen Landshut im ersten Jahr unter Erwin Albert, als der FC Sand die Landesliga-Vizemeisterschaft einfuhr, oder die Qualifikation zur Bayernliga Nord 2012 wertet der Königsberger als Erfolg. Zu guter Letzt den Klassenerhalt im Jahr nach dem Abstieg aus der Bayernliga Nord. "Das war damals nicht einfach", blickt Erich Barfuß zurück. Und der Abstieg aus der Bayernliga 2013? "Er war logisch, aber es war eine Erfahrung, und deshalb werte ich ihn nicht als negativ."
Der 62-Jährige, der bei seinem Heimatverein vor 52 Jahren in der Schülermannschaft seine Fußballerkarriere startete und diese erst vor acht Jahren bei den "Alten Herren" beendete, war auch dort schon mehrere Jahre in Spiel- und Abteilungsleiter-Funktion aktiv. Außerdem zweimal als Interimstrainer für die Erste Mannschaft sowie als verantwortlicher Übungsleiter für die U15. Seine leichte "Amtsmüdigkeit" ist deshalb verständlich.
Doch Erich Barfuß bleibt dem FC Sand erhalten. Zwar hat er sich sowohl aus dem strategischen sowie dem operativen Bereich völlig zurückgezogen. Er wird für die Erste Mannschaft zukünftig nur noch Presseberichte formulieren und weiterleiten. Ein "Comeback" als Spielleiter will er dennoch nicht ganz ausschließen. "Es ist nicht geplant, aber ich bin jetzt auch lange genug dabei, um zu wissen, dass man in solchen Fällen niemals nie sagen sollte. Warten wir ab, was die Zeit bringt", lässt er sich zumindest eine Hintertüre offen.
Als Fan traut er dem FC Sand 2016/2017 mit dem neuen Trainergespann Uwe Ernst und Stefan Nöthling derweil "einiges" zu. Das dicke "Aber" setzt Barfuß gleich an: "Obwohl der Uwe schon eine schwierige Aufgabe übernommen hat. Er muss nach den vielen Abgängen das Team völlig umstrukturieren und neu formen. Personell, denke ich, ist der Schnitt gelungen, und die Leute, die geholt wurden, versprechen schon, die Vorgaben zu erfüllen." Das Ziel könne "nur Klassenerhalt" heißen. Und dieses Minimalziel sollte auch erreicht werden. "Wie der Uwe die Sache angeht zeigt seinen Fleiß und seine Akribie, die er in seinen Job als Cheftrainer einbringt", sagt Barfuß.
Welches Fazit zieht der Königsberger, der jetzt wesentlich mehr Zeit hat, sich mit seinem Enkel Paul zu beschäftigen? Er spricht von einer meist "wunderbaren Zeit" als Spielleiter in Sand. Kleine Schwierigkeiten, "meist mit dem Verband", seien längst vergessen. Die Stunden mit der Mannschaft, das Zusammensein mit den Trainern und den Spielern, "meinen Burschen", bezeichnet er als "unbeschreiblich schön. Das hat tolle Eindrücke bei mir hinterlassen. Deswegen möchte ich mich recht herzlich bei meinem FC Sand bedanken, dass ich diese Zeit erleben durfte. Ich habe mehr bekommen, als ich gegeben habe."