von unserem Mitarbeiter Christoph Winter

Kreis Lichtenfels/Coburg — Oberfranken ist und bleibt das Zentrum der deutschen Polstermöbelindustrie: Vom 27. bis 30. September laden die oberfränkischen Polstermöbler zu Hausmessen in ihre Schauräume ein. Unter dem Motto "Maßgeschneiderte Lösungen für individuelle Ansprüche" präsentieren 20 Aussteller aus Coburg, Lichtenfels und Umgebung dem Fachpublikum die neuesten Trends der Polstermöbelindustrie.
Die Stimmung bei den Herstellern und dem Verband der deutschen Möbelindustrie ist geteilt. Anlass zu verhaltener Freude liefert die Entwicklung des Umsatzes: Er ist in den ersten sechs Monaten des Jahres um 1,9 Prozent auf 259 Millionen Euro gestiegen und auch der Umsatz im Außenhandel hat sich gegenüber dem Vorjahr um 3,6 Prozent erhöht. Aber die Importe lagen noch über diesem Satz. "Der Importdruck trifft uns in allen Bereichen. Das ist eine Entwicklung, die natürlich alles andere als positiv ist", sagte Christian Dahm, Geschäftsführer des Verbandes der Holzwirtschaft und Kunststoffverarbeitung Bayerns, am Dienstagabend bei der Pressekonferenz seiner Organisation in Rödental.


Zu spät reagiert

Und auch mit dem beruflichen Nachwuchs tut sich die Branche schwer. "Hier hätte die Branche früher auf den absehbaren demografischen Wandel und die Konkurrenz anderer Industriezweige reagieren müssen", ist Dr. Imaan Bukhari, Geschäftsführer vom FM Munzer, Weidhausen, überzeugt.
Polstermöbel hätten sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Der Anteil der mechanischen Komponenten hat zugenommen, das Berufsbild des Polsters unterliegt einem Wandel. Zur Nachwuchswerbung findet im Frühjahr 2016 wieder der "Polster Day" statt, an dem sich zukünftige Auszubildende über bestehende Ausbildungs- und Karrierechancen in der Branche informieren können. "Um Schülern unsere Branche und die spannenden Berufsbilder zu zeigen, öffnen die oberfränkischen Polstermöbelhersteller ihre Türen für Klassenfahrten und andere Exkursionen", so Verbandsgeschäftsführer Dahm.Vielfalt, die Nachhaltigkeit der Produkte mit transparenter Herkunft und "in erster Linie Funktion, Funktion und nochmals Funktion" sind die Antworten der oberfränkischen Polstermöbelindustrie gegenüber der Konkurrenz aus dem Ausland.
"Jedes Teil muss heute etwas können", sagt Dr. Andreas Rieger. Der Geschäftsführer der Firma Pora in Grub am Forst sieht die bedrohlichste Konkurrenz nicht in Fernost. Die Firmen im benachbarten Polen seien für die oberfränkischen Produzenten mit ihren rund 3000 Mitarbeitern die Herausforderung und die nochmals rund 8500 Jobs in der Zulieferindustrie. Dabei verhehlen Bukhari und Rieger nicht, dass es mitunter deutsche Firmen seien, die wegen der weitaus billigeren Löhne im Nachbarland fertigen.
Vereinzelt löst der Lohnunterschied zwischen Polen und Deutschland eine Wanderung unter den Arbeitsnehmern aus. "Wir haben auch Polsterer aus Polen in unseren Betrieben", so die beiden Geschäftsführer, "und das sind auf keinen Fall schlechte Mitarbeiter." Mit Vielfalt und Qualität punkten die oberfränkischen Hersteller beim Handel und letztlich bei den Kunden.
Bei den verarbeiteten Beschlägen setzt die heimische Industrie auf einheimische Produkte, "und das ist auch ein Grund für unsere niedrigen Reklamationsquoten", so Andreas Rieger. Mit hochwertigen Produkten bleibe Oberfranken das Mekka der Polstermöbelindustrie, stellt Christian Dahm fest. "Hier findet sich die geballte Polstermöbelkompetenz aus vielen Jahrzehnten konzentriert auf engstem Raum."