In der Jahresversammlung der Soldatenkameradschaft Röttenbach liest der neu gewählte Vorsitzende Phi-lipp Holzmann die kommenden Termine vor: ein Pressackschießen, Bohnakernessen, eine Weinfahrt und Schießübungen auf der Schießbahn in Roth. An diesen vier Punkten lässt es sich schon erkennen, wie die Röttenbacher ehemaligen Bundeswehrangehörigen ticken. Es ist eine Mischung aus Geselligkeit und Schießsport.
Auf der anderen Seite steht die Traditionspflege. Auch hier sind drei Fixpunkte zu nennen: die Kranzniederlegungen am örtlichen Kriegerdenkmal, die Beteiligung an der Sammlung zur Kriegsgräberpflege und das öffentliche Auftreten mit der Vereinsfahne. Solche Ereignisse waren zum Beispiel die Verabschiedung des früheren Gemeindepfarrers Joan Vinyeta Punti und die Einführung seines Nachfolgers Jacob Kurasserry im vergangenen Jahr.
Oder, wie Kreisvorsitzender Frank Greif eigens hervorhebt: der Auftritt am Ehrenmal am Heiligen Abend. "Eine wunderschöne Geste", nennt er es. "Es geht um uns selbst. Wir können unsere Gefallenen mit nach Hause nehmen", erinnert er an den Brauch, der Toten der Familie am Heiligen Abend besonders zu gedenken. Mit dem Besuch des Ehrenmals greifen ihn die Mitglieder der Kameradschaft öffentlich auf, denn fast ein jeder kennt die Namen der Toten, kennt Nachkommen und lebende Verwandte persönlich. Auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs.


Begleitung auf dem letzten Weg

Das ehrende Gedächtnis für die Toten ist für den Verein eine wichtige Aufgabe. Das drückt sich auch dadurch aus, dass die Soldatenkameradschaft ein verstorbenes Mitglied auf seinem letzten Weg mit Sargträgern und Standarte begleitet. Ein ähnliches Motiv steckt auch hinter der Teilnahme an der Friedenswallfahrt nach Vierzehnheiligen.
Inzwischen, so Ehrenvorsitzender Richard Schleicher, stellt Röttenbach keine eigene Abordnung mehr. Aber zusammen mit den Kameraden aus Aisch nahm er selber auch an der jüngsten Auflage dieser Wallfahrt teil.


Aus Kriegern wurden Soldaten

Richard Schleicher steht für die Entwicklung der Soldatenkameradschaft. Schleicher war 22 Jahre der Vorsitzende. In seine Zeit fielen etliche Veränderungen bei der Bundeswehr, insbesondere zuletzt die Abschaffung der Wehrpflicht und die Umstrukturierung in eine Berufsarmee. Das geänderte Leitbild wirkte sich auch auf das Selbstverständnis der Kriegervereine aus; nach außen meist wie in Röttenbach durch eine Umbenennung in Soldatenkameradschaft.
"Das erste weibliche Mitglied, das war sein Verdienst", hob Greif in seiner Laudatio eine weiteren Aspekt der Veränderung hervor. Allerdings war keine der Röttenbacher Frauen beruflich bei der Bundeswehr. sie sind überwiegend als Partnerinnen von Mitgliedern dazu gekommen. Aber sie sind nicht mehr wegzudenken. "Ich danke den Frauen besonders für die Feste", sagte denn auch Schleicher.