Neubrunn — Das gibt es auch nicht alle Tage! Der Vorsitzende des Elternbeirates der Grundschule hatte die Eltern und Gemeinderäte aus Kirchlauter und Breitbrunn zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen. Die Themenpalette der mehrstündigen Diskussion war groß und reichte von der Zusammenführung der vier Grundschulklassen aus den beiden Schulhäusern in Neubrunn und Kirchlauter in ein Schulhaus, Problemen der Sicherheit in den Schulhäusern und auf den Schulwegen bis hin zu Busplänen, bei denen die Schüler nur mit Stress den Bus erreichen.
Der Vorsitzende des Elternbeirates Ralph Bremicker leitetet die Diskussion mit rund 80 Eltern aus dem Schulsprengel der Grundschule Kirchlauter (Gemeinden Breitbrunn und Kirchlauter), zum größten Teil aus Neubrunn selbst, wo man zwei der vier Grundschulklassen auch weiterhin im dortigen Schulhaus behalten möchte.
"Die andere Fraktion" berief sich darauf, dass die vier Klassen der Grundschule an einem Standort in Kirchlauter vereint eine bessere pädagogische Betreuung erfahren könnten. Ausgelöst worden war die Diskussion vor allem durch eine langwierige Krankheit einer Klassenlehrerin und die Entscheidung, dass die betroffene Klasse von Neubrunn nach Kirchlauter verlegt wurde, weil sie nur so entsprechend unterrichtet werden konnte.
Laut Ralph Bremicker hätten auch die Sicherheitsprobleme eine Rolle gespielt, die entstehen, wenn nur eine Klasse in einem Schulhaus unterrichtet wird.
Sogleich kam aus den Teilnehmerreihen die Kritik, dass man die Eltern früher hätte informieren sollen. Sie seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden.


Frühzeitig informiert

Der Vorsitzende des Schulverbandes der Grundschule Kirchlauter, Bürgermeister Karl-Heinz Kandler (SPD) teilte mit, dass er seine Meinung ganz deutlich in den "VG-Nachrichten" geäußert habe. Schon im letzten Jahr sei die Aussage erfolgt, dass vier Klassen in Kirchlauter unterrichtet werden könnten. Er habe die Weisung seines Gemeinderates befolgt, der je zwei Klassen in Neubrunn und Kirchlauter belassen wollte, aber jetzt bestehe für ihn eine andere Situation. Deswegen werde der Schulverband eine Entscheidung treffen. Rektorin Antje Schorn bestätigte, dass die Eltern in Schreiben entsprechend informiert worden seien.


Der Pfarrer half aus

Michael Kaiser fragte nach der Sicherheitsdiskussion für das Schulhaus in Kirchlauter und meinte, dass beim Ausfall einer Lehrkraft das Schulamt für eine Ersatzkraft zuständig sei.
Der Bürgermeister Kandler erinnerte daran, dass früher Pfarrer Martin Wissel öfter mal eine Unterrichtsstunde "überbrückt" habe. Dieser sei jedoch nicht mehr da und mit einer Lehrkraft in Neubrunn könne man nicht zwei Klassen unterrichten.
Sein Namensvetter Steffen Kandler hatte eine sicherlich nicht ganz ernst gemeinte Lösung parat: "Wir haben einen hauptamtlichen Bürgermeister und wenn der Pfarrer jetzt nicht mehr da ist, könnte diese Aushilfe doch der hauptamtliche Bürgermeister übernehmen."
Rektorin Schorn betonte, dass sofort eine Ersatzkraft gekommen sei. Das Pech sei allerdings gewesen, dass auch die mobile Reserve erkrankte, woraufhin eine Lehrerin ihr Stundenlimit aufgestockt habe. Die Schulleitung und das Schulamt hätten die organisatorische Notwendigkeit gesehen, die Klassen in Kirchlauter zu unterrichten.
Schulrätin Claudia Schmidt ergänzte, dass zum Glück die Klassenlehrerin wieder soweit genesen sei, dass eine Eingliederung mit entsprechenden Stunden möglich sei. Sie gehe davon aus, dass die Klasse 1/2a dann nach Ostern wieder zurück nach Neubrunn komme. Im Übrigen sei Neubrunn keine Schulstelle, dort befinde sich vielmehr nur ein Schulhaus. Für eine Auflösung wäre nicht das Schulamt zuständig; das sei Sache des
Sachaufwandsträgers.
Bürgermeister Kandler bestätigte mit klaren Worten: "Ich sehe es pädagogisch als viel besser an, wenn alle Kinder im Schulhaus in Kirchlauter unterrichtet werden." Gemeinderätin Lilo Stubenrauch hielt entgegen, dass sich der Gemeinderat doch für zwei Klassen in Kirchlauter und zwei Klassen in Neubrunn entschieden habe. Wenn die Schülerzahlen nicht ausreichten, würde es dann vielleicht gar nach Ebelsbach gehen, mutmaßte sie. Aber jetzt sollte man alles belassen, wie es ist. Gemeinderätin Eva Maria Schmitt verwies auf Probleme bei der Sicherheit auf dem Weg zur Schule in Kirchlauter. Außerdem erhalte ein Schulhaus Leben für ein Dorf. Peter Stretz erinnerte daran, dass der Schulstandort Neubrunn abgesegnet sei und fand, dass man doch nicht halbjährlich neu diskutieren könne.


Klares Votum aus Breitbrunn

Breitbrunns Bürgermeisterin Gertrud Bühl (FW) unterstrich die Sicht ihres Gemeinderates, der für Unterricht in einem Schulhaus in Kirchlauter sei. "In einem Schulhaus ist ein qualitativ besserer Unterricht möglich. Außerdem können sich dort die Lehrkräfte besser austauschen und zusammen helfen", meinte sie. Schon zweimal sei bei der externen Evaluation die Zweihäusigkeit als großes Minus für die Schule bestätigt worden.
Gemeinderat Michael Geiling, Breitbrunn, sprach das Modell der flexiblen Grundschule an, das darauf aufgebaut sei, dass Klassen miteinander und als Gemeinschaft gefördert werden sollten. Das sei aber nur möglich, wenn die Rahmenbedingungen vorhanden sind. Dies sei gerade in letzter Zeit nicht gegeben gewesen. Für ihn spiele eine gute Lösung für die Kinder die entscheidende Rolle.
Auch seine Gemeinderatskollegin Christine Kuchenmeister betonte, dass es nicht um die Finanzen und das Schulhaus gehen dürfe, sondern um die Kinder, ihre Bildung und die Grundtechniken des Lernens.
Das Schulleben, die Schulfamilie und die Zusammenarbeit im Lehrerkollegium funktioniere "anständig nur unter einem Dach".
Ralf Hofmann, ebenfalls Gemeinderat aus Breitbrunn, meinte, Schwachstellen wie Schulweg und Busfahrplan müssten abgestellt werden, "aber der Antrag zur Schließung des Schulhauses in Neubrunn ist ja sogar von der Schulleitung gekommen".
Robert Muckelbauer, Gemeinderat aus Kirchlauter, sprach sich dafür aus, dass die Kinder vor Ort in die Schule gehen sollten und so wenig Transport wie möglich erfolgen sollte. Außerdem würden die Breitbrunner keinen Cent für das Schulhaus in Neubrunn bezahlen. Es gebe also keine Not, das Schulhaus dort aufzugeben.
Als auch noch die Frage aufgeworfen wurde, welche Vorteile für das Schulhaus in Neubrunn oder das in Kirchlauter sprächen, sagte die Breitbrunner Bürgermeisterin: "Wenn es hier Probleme gibt, könnte ich auch noch das Schulhaus in Breitbrunn anbieten. Das hat vier Klassenzimmer und eine große Turnhalle sowie auch einen Gehsteig bis zur Schule."
Rektorin Schorn verwies auf den Evaluationsbericht, der Schulleitungen verpflichte, alle Schwächen zu beheben. Dies habe man getan und auch alle pädagogischen Gründe aufgelistet, die für einen Schulstandort in Kirchlauter sprächen.
Es kamen dann noch viele Beiträge aus Neubrunner Sicht. Hanni Derra fand wichtig, dass vorne eine motivierte Lehrkraft stehe. Er befürchtete Umbaumaßnahmen und forderte Möglichkeiten, dass der Bus in Kirchlauter zur Schule fahre. Andere Frauen beharrten darauf, dass der Weg zur Schule in Kirchlauter Gefahren berge. Sie vermissten einen Gehweg zur Schule in Kirchlauter.
Alexandra Mennel John sah einen Vorteil in Kirchlauter, da Schulbushelfer an der Haltestelle stünden und das nicht nur am Morgen, sondern auch mittags. Annika Morgenroth fragte nach der Zahl der Schulunfälle, und immer wieder wurden die Buszeiten kritisiert, die von den Verantwortlichen aber mit dem Unternehmer noch einmal besprochen werden sollen. "Das ist schon seit 30 Jahren so und nichts ist passiert", meinte eine Versammlungsteilnehmerin.
Eine klare Position vertrat Michael Siegl-Schnitzer, ein Vater aus Kirchlauter: "Ich bin dafür, dass alle Kinder in die gleiche Grundschule gehen, ob in Neubrunn oder in Kirchlauter wäre mir noch egal. Eine Schule finde ich für die Kinder besser und Geschwister sollten erst recht in einem Schulhaus unterrichtet werden. Das Eigeninteresse für das Schulhaus in Neubrunn sollte also nicht im Vordergrund stehen."
So gelang es bei der Diskussion, viele Argumente sachlich gegenüberzustellen, ohne dass sich dabei eine konkrete Lösung als für alle zufriedenstellender Kompromiss anbot.