Aufgeführt hat sich ein 40-jähriger Handwerker aus dem Landkreis wie ein Rambo. Er verletzte an Heiligabend 2015 eine Polizeibeamtin und einen Polizisten erheblich, so dass beide drei Wochen dienstunfähig waren. Dabei wollte die Streife der Polizei Haßfurt nur einer ihr gemeldeten Ruhestörung nachgehen. Der Fall wurde am Freitag vor dem Amtsgericht in Haßfurt verhandelt. Ein Urteil gab es aber nicht. Strafrichterin Ilona Conver erließ am Ende der Hauptverhandlung einen Beweisbeschluss und beauftragte eine Gutachterin damit, die Schuldfähigkeit des Mannes zu untersuchen, um sie rechtlich einordnen zu können. Es gibt einen Fortsetzungstermin.
Wie Rechtsreferendar Daniel Nikol in der Anklage vortrug, wurde die Polizei von Nachbarn des Angeklagten in einen Ort im Maintal gerufen, weil in dessen Wohnung laute Musik gespielt wurde. Auf Klingeln habe niemand geöffnet, sagten die bei der Aktion eingesetzten Polizeibeamten als Zeugen aus. Da die Tür nicht abgeschlossen war, haben sie die Wohnung betreten. "Wir wollten dem Angeklagten nur sagen, dass er seine Musik leiser stellen soll, das wär's gewesen", sagte ein 36-jähriger Beamter.
Mit Problemen hatten sie bei dem Einsatz nicht gerechnet, zumal eine vorherige Abfrage ergab, dass der Angeklagte seit vielen Jahren nicht mehr auffällig war. "In 99 Prozent solcher Fälle macht das keine Probleme", so der Beamte. In diesem Fall allerdings rastete der Angeklagte offensichtlich völlig aus.
Wie die Anklagebehörde vortrug und wie es von den beiden Polizisten als Zeugen bestätigt wurde, ging der 40-jährige, athletische Mann auf die Polizeibeamten los, schubste und schlug sofort mit der Faust wechselweise auf Kopf und Gesicht der beiden Polizisten ein. Immer wenn sich die Polizisten gegenseitig helfen wollten, wandte sich der Schläger dem anderen zu. "Wir hatten keine Chance", sagten beide übereinstimmend.
Schließlich habe der Angeklagte mit dem Fuß in das Gesicht der auf dem Boden liegenden Beamtin getreten. Er stieß die Polizeikräfte eine steinerne Treppe hinunter; die Beamten konnten sich zurückziehen und Hilfe holen. "Vorher war es zu keiner Zeit möglich, einen Notruf abzusetzen", sagte die Beamtin, der man bei ihrer Aussage ihre Betroffenheit über die Brutalität deutlich anmerkte.
Sie sagte: "Seitdem fühle ich mich bei solchen Einsätzen nicht mehr wie vorher, es war ein sehr einschneidendes Erlebnis und ich hatte mich schon auf meine Familie gefreut, mit ihr Weihnachten zu verbringen." Auch ihr Kollege räumte ein, dass dieses Erlebnis bei gleichartigen Einsätzen "immer wieder in ihm hochkommt".


Medikamente nicht genommen

Was sagt der Beschuldigte dazu? Er habe an diesem Abend getrunken, was er längere Zeit vorher nicht mehr getan hatte, schilderte er. Erschrocken sei er, als plötzlich jemand in seiner Wohnung stand. Erinnern könne er sich überhaupt nur "an eine Schlägerei im Treppenhaus".
Tabletten, die er gegen eine psychische Krankheit nehmen sollte, habe er Tage zuvor selbstständig abgesetzt. Er räumte ein: "Ohne die bin ich aufgeschmissen." Er sei immer noch in ambulanter Behandlung und wenige Tage vor der Tat aus einem Nervenkrankenhaus entlassen worden, erläuterte er.
Der Arbeitgeber schilderte den Angeklagten als fleißigen Mitarbeiter, mit dem es keine Probleme gebe - wenn er seine Medikamente nehme.
Im Bundeszentralregister ist der Angeklagte zwölf Mal eingetragen. Körperverletzungen sowie Widerstand, Beleidigungen und Trunkenheit im Verkehr sind dort aufgeführt.
Für das Gericht stellte sich nach der Beweisaufnahme die Frage einer gutachterlichen Beurteilung des Angeklagten. Ist er schuldfähig oder nicht? Um das zu klären und um rechtlich alles auf "feste Beine" zu stellen, wird das Gutachten angefertigt. Dann soll eine Entscheidung fallen.