Bernhard Panzer

Die einen Kinder ziehen aus, die nächsten ein. In den Containern auf der Wiese an der Beethovenstraße herrscht auch weiterhin emsiges Treiben. Denn die provisorische Unterkunft wird auch in den nächsten Jahren genutzt werden können.
Im September sollen die ersten Kinder dort einziehen, die für die künftige zweite Kindertagesstätte auf der Herzo Base gemeldet sind. Für Pfarrerin Nina Mützlitz ist das schon jetzt eine spannende Geschichte. Vor allem, weil die Kinder schon jetzt einen Platz benötigen. Die Geistliche schreibt in einer Stellungnahme zum neuen Projekt: "Deshalb werden wir die Evangelisch-Lutherische Kindertagesstätte Herzo Base II bereits in diesem September provisorisch eröffnen." Aller Voraussicht nach könne man ab dem 1. September in die vorhandenen Kita-Container in der Beethovenstraße einziehen. Bürgermeister German Hacker (SPD) nannte bereits einen Bedarf für drei Gruppen.


Fast fünf Millionen

Nina Mützlitz war am Mittwochabend bei der Sitzung des Kulturausschusses zugegen. Der befasste sich mit dem Neubauprojekt. Wie berichtet, soll am Olympiaring, auf einem Grundstück hinter dem Novina Hotel, ein weiterer Kindergarten für den Stadtteil Herzo Base entstehen. Bis September 2018 soll das 4,6-Millionen-Projekt fertig sein. Für die Pfarrerin ist dabei wichtig und schön, "dass wir den Bau und die Gestaltung des Hauses mitgestalten dürfen."
Deshalb wurde die Kirchengemeinde als Träger auch rechtzeitig in alle Planungen mit eingebunden, die Uli Wiese vom Fürther Architekturbüro Dürschinger den Ausschussmitgliedern präsentierte. Im Gremium stieß die moderne und ausgefallene Gestaltung auf Begeisterung. SPD-Stadträtin Sandra Wüstner beschrieb es mit ihren Worten: "Als Erzieherin würde ich da sofort arbeiten wollen. Und als Mutter sofort meine Kinder dort abgeben."
Allein der Arbeitstitel, den die Architekten für das mitten im Grünen liegende Haus gewählt hatten, gefiel nicht so sehr und scheint sich auch nicht durchsetzen zu können. Auf der ersten Seite der Präsentation stand folgender Satz: "Gewächshaus - Wo junge Pflänzchen Wurzeln schlagen." Renate Schroff (SPD) würde anstelle eines Gewächshauses die klassische Bezeichnung Kindergarten besser gefallen.
Die Natur und das viele Grün um die neue Kita herum werde die Namensgeber sicherlich inspirieren, meinte Pfarrerin Mützlitz. Da falle einem ja eine Menge dazu ein. Da die Kirchengemeinde als Träger das Konzept aber gemeinsam mit dem Personal, den Eltern und den Kindern entwickeln wolle, warte man mit der Namensgebung noch so lange ab, bis es tatsächlich geboren sei, damit der Name zur Einrichtung, zum Wesen und zum Ort der neuen Kita passt.


Sperriger Name

Der augenblickliche Name "Ev. - Luth. Kindertagesstätte Herzo Base II" klingt für die Pfarrerin natürlich "noch recht sperrig". Aber man habe ja Zeit. Sie freut sich auf die Arbeit der nächsten Monate: "Wir konnten bereits Personal gewinnen und sind nun gemeinsam mit dem neuen Team am Planen, Tüfteln und Gestalten, um Kindern und Eltern den Start in die neue Einrichtung so angenehm wie möglich zu machen", schreibt sie in ihrer Stellungnahme.
Auffallend ist bei der Planung nicht nur die keilfömig abfallende Gestaltung des Hauses, das sich der Umgebung anpasst. "Der Hang fällt bis nach Erlangen ab", sagte der Architekt. So sehe man auch das Gebäude als Landschaftskeil. Außergewöhnlich ist auch eine lange Rampe anstelle einer Fluchttreppe. Die werde von den Kindern bestimmt gerne genutzt, um mit ihren Bobbycars da hinunter zu sausen, meinte nicht nur Nina Mützlitz. Auch Renate Schroff begrüßte die aus dem Rahmen fallende Gestaltung der Einrichtung, die ihr CSU-Kollege Franz-Josef Lang zuvor schon als "sehr hochwertig" bezeichnet hatte. Damit könne man sich gut in die umliegenden "fast futuristischen" Gebäude von Adidas eingliedern. Schroff: "Wir müssen hier auch einen Punkt setzen."
Wie berichtet, ist die neue Tagesstätte auf sieben Gruppen ausgerichtet (viermal Kindergarten, dreimal Krippe) und soll 140 Plätze haben. Wenn die Einrichtung in zweieinhalb Jahren bezogen wird, dann könnte sie zu diesem Zeitpunkt schon mit fünf Gruppen belegt sein, meinte Bürgermeister Hacker in der Sitzung. Denn schon jetzt habe man einen Bedarf für drei Gruppen, die im kommenden September Provisorium in der Beethovenstraße beginnen. Wenn der Zuwachs anhält, sei es gut möglich, dass das noch nicht der letzte Kindergarten sei, der in den kommenden Jahren gebaut werden müsse. Ebenfalls sieben Gruppen sind bereits in der ersten Kita des Stadtteils Herzo Base untergebracht. St. Franziskus liegt zwischen dem ersten und dem zweiten Wohngebiet.


Was wird später?

Einen Blick in die spätere Zukunft warf Ille Prockl-Pfeiffer (CSU). Da der Kindergarten barrierefrei gestaltet wird, könne er sich ja irgendwann auch einmal für ältere Menschen als Zuhause anbieten. Wenn die Kinder weniger würden. Und für die Bobbycar-Rampe gäbe es sicherlich auch eine interessante Nutzung, meinte sie mit einem leichten Schmunzeln. Doch im Moment sind es gerade die Kinder, für die eine Betreuung gebraucht wird. In Herzogenaurach gibt es so viele, dass die Plätze in den vorhandenen Einrichtungen nicht ausreichen.


Die Welt mit Kinderaugen

Dazu führt Pfarrerin Nina Mützlitz aus: "Kinder brauchen Raum, brauchen Platz, brauchen Luft, Natur und Freiheit, um tatsächlich Kind sein zu dürfen - und unsere Verantwortung und Aufgabe ist es, dies alles zu ermöglichen." Dabei wolle man sich auch gern an ein Zitat von Martin Luther erinnern und erkennen, "wie gut es uns tun kann, unsere Welt und Umgebung durch die Augen eines Kindes zu sehen - welche Wunder sind da zu entdecken!" Luther hatte gesagt: "Christus, da er Menschen ziehen wollte, musste Mensch werden. Sollen wir Kinder ziehen, so müssen auch wir Kinder mit ihnen werden."